Unbekanntes Hamburger Juwel: Hier sieht’s ja aus wie in Hogwarts!
Vier Meter hohe hölzerne Türen, historische Bücher bis unter die Decke und eine zierliche Wendeltreppe, die gerade mal groß genug für einen Hauselfen zu sein scheint. Dieser wunderschöne alte Raum könnte in einem der vielen Türme von Hogwarts liegen – aber er befindet sich in einem historischen Bauwerk am äußersten Rand von Hamburg.
„Viel schöner kann ein Arbeitsplatz nicht sein“, sagt Bibliothekarin Anke Vollersen. Sie sitzt an ihrem historischen Schreibtisch und blickt in die geschichtsträchtige Bibliothek der Hamburger Sternwarte am Elbhang in Bergedorf. Wenn Schulklassen hier am Gojenbergsweg zu Besuch sind, beeindruckt sie dieser Raum immer ganz besonders. „Das ist ja wie bei Harry Potter“, heißt es dann oft staunend mit dem Blick nach oben zu den ganzen Bücherregalen. Für die Schüler ist die zierliche Wendeltreppe aus Metall mit den knarzenden Holzstufen gerade richtig, Erwachsene müssen sich ducken.
Die Tische, die Regale und die Holzvertäfelung, fast alles in diesem Raum – außer den Stühlen, die heute gepolsterte Sitzflächen haben und viel bequemer sind – hat sich seit der Eröffnung im Jahr 1909 kaum verändert. Und heute darf es sich auch nicht mehr ändern, denn es handelt sich bei der wunderschönen Bibliothek um ein Hamburger Kulturerbe und vielleicht wird sie sogar einmal zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Zumindest bemüht der Hamburger Senat sich darum.
Die Bibliothek wirkt zwar wie ein Museum, aber die Professoren legen Wert darauf, dass es sich um eine reguläre Institutsbibliothek des Universitätsfachbereichs Physik handelt und dort in Bergedorf aktuelle Forschung betrieben wird. Heute sitzen im historischen Raum allerdings keine Studierenden und Professoren mehr, um die Nase in ein Buch zu stecken. Der Raum ist vielmehr der zentrale Ort, um sich zu treffen, aber auch für Vorträge und Seminare.
Bibliothek der Hamburger Sternwarte: Wie Hogwarts
Zu den Schätzen der Bibliothek gehören auch historisch wertvolle Ausgaben wie ein Buch mit Illustrationen des bedeutenden dänischen Astronomen Tycho Brahe von 1602, dessen Erstausgabe in Wandsbek gedruckt wurde, weil Brahe dort daran gearbeitet hatte. Auch eine Ausgabe der Rudolfinischen Tafeln seines Assistenten Johannes Kepler von 1627 besitzt die Bücherei.
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Diese Schätze, darunter teils handkolorierte Werke, sind allerdings gut weggeschlossen – was dann nicht mehr an Harry Potter, sondern an „Der Name der Rose“ erinnert. Solch wertvolle Ausgaben werden von Bibliothekarin besorgt, wenn jemand sie anfragt. Aber tatsächlich dürfen auch so bedeutende alte Werke von Privatpersonen eingesehen werden. Vollersen: „Nur ausleihen, das geht natürlich nicht.“