Hamburg
Umkämpfter Hinterhof: Anwohner-Protest mit Bau-Trick ausgehebelt
Seit mehr als zehn Jahren wehren sich Anwohner in Altona gegen die Bebauung ihres Innenhofs. Hier will die Stadt rund 100 günstige Wohnungen errichten.
Neues aus dem Hinterhof in Bahrenfeld: Zuletzt zogen die Anwohner sogar vor das Oberverwaltungsgericht – mit Erfolg. Das Gericht kippte den Bebauungsplan und stoppte das Vorhaben. Jetzt gibt es einen neuen Bauantrag – und der hat gute Chancen auf eine schnelle Genehmigung.
Im besagten Hinterhof zwischen Stresemannstraße und Leverkusenstraße soll mithilfe des neuen Bau-Turbos der Bundesregierung schnell Wohnraum geschaffen werden. Bisher stehen hier niedrige Gewerbeimmobilien – in Zukunft plant die Stadt drei fünfgeschossige Wohnhäuser mit günstigen Mieten. Mit dem Bau-Turbo könnte das Vorhaben ohne ein neues langwieriges Bebauungsplanverfahren genehmigt werden.
Der Stadtentwicklungsausschuss in Altona hat dem Vorhaben in der vergangenen Woche bereits mit den Stimmen von Grünen, CDU, FDP und AfD zugestimmt. SPD und Linke sprachen sich vergeblich für ein reguläres B-Planverfahren aus. Das „Abendblatt“ berichtete zuerst.
Hinterhof in Bahrenfeld: Anwohner gegen Baupläne
„Wir müssen alle Interessen abwägen und Hamburg benötigt dringend mehr Wohnraum. Politik, Verwaltung und Bürger haben schon sehr lange darüber diskutiert“, sagt Dana Vornhagen, Co-Fraktionschefin der Grünen in Altona.
„Wir finden die Bebauung zu hoch und würden die Gebäudehöhe gern um ein Geschoss reduzieren“, sagt Gregor Werner, baupolitischer Sprecher der SPD-Fraktion und stellv. Kreischef in Altona. „Nicht nur aus städtebaulicher Sicht, sondern auch um eine Befriedung mit der Nachbarschaft zu erreichen.“
Vor der Sitzung hatte unter anderem die Anwohnerinitiative „Bahrio68“ – der Bebauungsplan hieß ursprünglich Bahrenfeld 68 – Bedenken angemeldet. Die Mieter in den unteren Stockwerken haben Sorge, künftig nur noch gegen eine Hauswand zu schauen. Außerdem befürchten sie zunehmenden Lärm, eine starke Verschattung und den Wegfall von Grünflächen.
Bau-Turbo soll es jetzt richten
Gegen den vorigen B-Plan Bahrenfeld 68 hatte die Initiative vor dem Oberverwaltungsgericht geklagt – und Recht bekommen. Unter anderem scheiterte das Bauprojekt an Formalien: Der B-Plan war nicht ausreichend öffentlich zugänglich gewesen, weil er während der Corona-Pandemie im Sommer 2020 auslag.
Im Verfahren nach dem Bau-Turbo sind die Genehmigungsabläufe deutlich verkürzt. In der kommenden Woche befasst sich nun abschließend der Bauausschuss der Bezirksversammlung mit dem Vorhaben. Stimmt er zu – wovon angesichts der Mehrheitsverhältnisse auszugehen ist –, kann das Projekt genehmigt werden.
Sie sind bereits M+ Abonnement?