Ukrainer in Hamburg: „Wir brauchen keine Pause, wir brauchen Frieden“

Rostyslav Sukennyk
Rostyslav Sukennyk, Vorsitzender der „Vereinigung der Ukrainer Norddeutschlands e.V.“, im Zentrum für Soziallogistik in Bahrenfeld.

Vor mehr als drei Jahren startete der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Ein Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht. Familie, Freunde, Arbeit – ihr bisheriges Leben mussten sie hinter sich lassen: Drei Ukrainer erzählen, wie es ihnen heute geht, was sie von der Zukunft erwarten und wie sie die Geschehnisse in der Heimat aufnehmen.

„Wir haben keine Hoffnung, dass Russland Frieden will und den Krieg beendet“, sagt Rostyslav Sukennyk. Er ist Vorsitzender der „Vereinigung der Ukrainer Norddeutschlands e.V.“ und des deutschen Dachverbands.

Die MOPO trifft ihn im Zentrum für Soziallogistik in Bahrenfeld zwischen Kisten mit Fleecejacken, Decken und Sanitätsprodukten. Von hier aus werden fast täglich Spenden auf die Straßen und Schienen in Richtung Ukraine geschickt.

„Von einer Waffenruhe erwarten wir gar nichts“

Von Gesprächen zwischen Putin und Trump oder einer temporären Waffenruhe erwarten die Ukrainer „gar nichts“, sagt Sukennyk. Zu groß ist die Sorge davor, dass Putin die Zeit nutzt, um aufzurüsten oder an anderer Stelle zuzuschlagen. „Wir brauchen keine Pause, wir brauchen Frieden“, sagt er.

Frieden wünscht sich auch Krystyna Krylova (29). Sie floh 2022 aus Charkiw mit Mutter, Schwester und Großeltern nach Hamburg. Derzeit lebt sie in Winterhude und arbeitet als Sekretärin im „Schrødingers“ in der Schanze.

Krystyna Krylova (27)
Krystyna Krylova (27) möchte gerne wieder zurück in ihre Heimat.

„Am Anfang dachte ich, in einem halben Jahr kann ich zurückgehen, dann habe ich mir gesagt, dass ich im nächsten halben Jahr zurückkann“, sagt sie. Inzwischen arrangiert sie sich mit der Situation und lernt intensiv Deutsch. „Ich liebe Hamburg, es fühlt sich an wie eine zweite Heimat“, sagt Krylova. Trotzdem hofft sie, dass sie bald wieder zurückkann:. „Ich möchte wieder als Marketingmanagerin arbeiten und eine Familie gründen.“

Von Kyjiw nach Hamburg: „Neues Leben angefangen“

Ihre Mutter ist inzwischen wieder in der Ukraine, weil sie dort mehrere Modeläden betreibt. „Für mich ist es nicht leicht zu wissen, dass sie dort ist“, sagt Krylova. Zudem ist ihr Großvater vor einem halben Jahr in Hamburg gestorben. Nur einmal war sie selbst nach dem Krieg in der Heimat, um Dokumente zu besorgen.

Zeitungsnachrichten liest sie nur noch selten, um sich zu schützen „Wenn ich abends nach Hause kam, musste ich immer weinen. Es hat mich depressiv gemacht“, sagt sie.

Alina Romashkina (31), die ebenfalls in Winterhude lebt, liest auch nur noch wenig. „Ich versuche mich auf die Menschen zu konzentrieren, die um mich herum sind und deren Leben ich verändern kann“, sagt sie. Als die MOPO mit ihr spricht, ist sie gerade in Kyjiw bei ihrer Mutter. „Es ist das erste Mal seit 2022, dass ich länger hier bin“, sagt sie. „Alles ist anders.“

Alina Romashkina
Die Sängerin Alina Romashkina (31) kam allein aus Kyjiw nach Hamburg.

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Die Sängerin kam allein nach Deutschland. An das Leben zwischen Krieg und Frieden habe sie sich inzwischen „gewöhnt“. Ursprünglich stammt ihre Familie aus dem Donbass, als dort 2014 der Krieg losging, mussten sie das erste Mal fliehen. „In Hamburg habe ich ein komplett neues Leben angefangen. Ich weiß nicht, was ich tun werde, sollte der Krieg enden“, sagt sie.

Rostyslav Sukennyk wird sich am nächsten Tag wieder in Bahrenfeld um Hilfslieferungen kümmern. Aktuell suchen sie dringend Ausrüstung für die Feuerwehr. „Natürlich sind wir alle müde“, sagt er. „Wir sind aber auch motiviert.“

Vor mehr als drei Jahren startete der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Ein Ende der Kämpfe ist nicht in Sicht. Familie, Freunde, Arbeit – ihr bisheriges Leben mussten sie hinter sich lassen: Drei Ukrainer erzählen, wie es ihnen heute geht, was sie von der Zukunft erwarten und wie sie die Geschehnisse in der Heimat aufnehmen.