UKE-Chefarzt-Affäre: Klinikleitung hielt Vorwürfe monatelang geheim
Die Affäre um den freigestellten UKE-Chefarzt – jetzt kommt raus: Die Leitung der Uniklinik hat die zuständige Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) erst Monate nach Bekanntwerden der massiven internen Beschwerden gegen den Arzt informiert. Und offenbar nur, weil die MOPO Wind von der Sache bekam und ein Artikel drohte. Dann kam überraschend schnell Bewegung in die Angelegenheit, jetzt gibt es weitere Kritik.
Komplikationen bei Operationen und unangemessenes Verhalten gegenüber Mitarbeiterinnen sowie Patienten – das waren die schweren Vorwürfe von fast 40 Pflegern und Ärzten, die intern gegen den Chefarzt erhoben wurden und über die die MOPO zuerst berichtete. Anfang April, so stellt der Senat jetzt auf CDU-Anfrage klar, erreichten den UKE-Vorstand, die Personalräte und die Gleichstellungsbeauftragten die Beschwerden.
UKE-Affäre: Erst nach Monaten wurde Senatorin Fegebank informiert
Doch die für das städtische UKE zuständige Wissenschaftssenatorin und Kuratoriumsvorsitzende Katharina Fegebank wurde erst am 24. Juni, also knapp drei Monate später, über die erheblichen Vorwürfe in der renommierten Klinik informiert. Pikant an dem Datum: Auch die MOPO hatte von der Sache Wind bekommen und recherchierte – und just an jenem Montag, den 24. Juni um 11 Uhr ging beim UKE eine Anfrage der MOPO in der Sache ein.
Damit ist klar: Das UKE hat die massiven Vorwürfe, die sich immerhin auch auf die Behandlungsqualität bezogen, monatelang für sich behalten. Informiert wurden Kuratorium und Behörde erst, als die Gefahr bestand, dass der Vorgang durch die MOPO öffentlich gemacht wird – was dann auch wenige Tage später der Fall war.
UKE: Kritik an „großer Intransparenz“
In der Behörde selbst bewertete man die Brisanz der Angelegenheit offensichtlich anders und handelte direkt: „Unmittelbar“ wurde der UKE-Chef aufgefordert, die Aufklärung voranzutreiben und die Behördenleitung zu informieren. Wenige Tage später dann wurde der Mediziner freigestellt – doch auch das kam nur raus, weil die MOPO darüber berichtete. Das UKE bestätigte die Freistellung erst Tage später.
Angeblich, so heißt es jetzt in der Senatsantwort, wurde der Arzt aufgrund der „zunehmenden Unruhe in der betreffenden Klinik“ aus dem aktiven Dienst entfernt. Eigene Fehler oder Versäumnisse sehe man in der Klinik nicht, der Umgang mit den Vorwürfen sei „zeit- und sachgerecht“ gewesen. Die Untersuchung in der Angelegenheit selbst laufe weiter, allerdings konnten laut UKE bislang keine Nachweise für Behandlungsfehler oder eine Patientengefährdung gefunden werden.
Die CDU wirft dem UKE „große Intransparenz“ vor. Anke Frieling, wissenschaftspolitische Sprecherin der Fraktion: „Zügige Aufklärung und mehr Information wären sicherlich sehr im Interesse von Patientinnen und Patienten und würden auch dem Ruf des UKE guttun.“