Kindesentführung: Mutmaßlicher Haupttäter soll Christina Block schwer belastet haben
Er gilt als eine zentrale Schlüsselfigur im Block-Prozess: David Barkay. Der 68-Jährige ist Chef des israelischen Unternehmens Cyber Cupula, deren Mitglieder später die Block-Kinder in der Silvesternacht entführt haben sollen. Laut Christina Block hätten er und seine Mit-Entführer dabei auf eigene Faust gehandelt. Bislang wurde Barkay mit internationalem Haftbefehl gesucht, doch jetzt die spektakuläre Wende: Der Israeli hat in Hamburg bei einem Treffen mit der Staatsanwaltschaft ausgepackt – und soll Christina Block dabei schwer belastet haben. Ob er vor Gericht aussagt, ist allerdings ungewiss.
Oberstaatsanwältin Mia Sperling-Karstens bestätigte der MOPO, dass Barkay von der Staatsanwaltschaft vernommen wurde. Gegen ihn besteht der Verdacht, zusammen mit weiteren Personen die jüngsten Block-Kinder in der Silvesternacht 2023/2024 entführt zu haben.
Während der Vernehmung soll Barkay Christina Block schwer belastet haben, wie der „Spiegel“ und die „Bild“ übereinstimmend berichten. Demnach beschuldigt er die Steakhouse-Erbin, von Anfang an von allem gewusst zu haben. Blocks Anwalt Ingo Bott wollte sich am Dienstag auf Anfrage nicht äußern.
Block-Prozess: Barkay von Staatsanwaltschaft vernommen
Laut Sperling-Karstens habe der Anwalt von Barkay sich an die Staatsanwaltschaft gewendet. Daraufhin habe die Staatsanwaltschaft „sicheres Geleit für den Beschuldigten beantragt“ und das Ermittlungsgericht den entsprechenden Beschluss erlassen.
Nach der Vernehmung wurde entschieden: Die internationale Fahndung nach Barkay wurde aufgehoben! „Sollte er Anstalten machen, sich dem Verfahren zu entziehen – wofür derzeit keinerlei Anhaltspunkte vorliegen –, würde die Staatsanwaltschaft die Fahndung nach dem Beschuldigten wieder aufleben lassen“, so die Oberstaatsanwältin. Bedeutet vereinfacht gesagt: Barkay ist erst einmal auf freiem Fuß. Sollte er allerdings erneut fliehen, wird die Fahndung wieder scharfgestellt.
Ob und wann David Barkay vom Gericht als Zeuge geladen wird, ist allerdings noch unklar, sagte die Gerichtspressestelle ab Dienstagabend. Grund sei „die Sicherheitslage des israelischen Zeugen.“
Barkays Unternehmen sollte IT-Sicherheit überprüfen
Barkays Unternehmen Cyber Cupula sollte laut Christina Block lediglich die IT-Sicherheit des Grand Elysée Hotels überprüfen. Zuletzt hatten mehrere IT-Fachleute der Block-Gruppe ausgesagt, die sich zwischen September und November 2023 mehrfach mit David Barkay getroffen hatten. „Der war ziemlich beeindruckend“, hatte sich der IT-Chef der Block-Gruppe erinnert. Unter anderem sei Barkay in einer Spezialabteilung beim Militär und Abteilungsleiter beim Mossad gewesen. Danach habe er dann Cyber Cupula gegründet.
Die Mitglieder von Cyber Cupula hatten sich im Hotel über mehrere Monate eingerichtet, Rechnungen allerdings nicht gezahlt. Der Finanzvorstand der Block-Gruppe gab an, das sei Anfang 2024 aufgefallen. Dabei handelte es sich um Übernachtungen in Höhe von 230.000 Euro.
Anwalt über Barkay: „Ein Manipulator ohne Gewissen“
Die Zeugen hatten übereinstimmend erzählt, dass Barkay sie vor einer „Bedrohung der IT-Sicherheit des Hotels von außen“ gewarnt habe. Das hätte mit Christina Blocks Ex Stephan Hensel zu tun. Daran hätten sie allerdings gezweifelt, so der IT-Abteilungsleiter und der IT-Chef. Christina Block hatte wiederum gesagt, dass sie von der Gefahr, die David Barkay ihr vorgelegt habe, vollkommen überzeugt gewesen sei. Von der Entführung habe sie im Vorfeld nichts gewusst, Barkay und seine Truppe hätten auf eigene Faust gehandelt.
„Es hat sich gezeigt, dass David Barkay die Zentralfigur des gesamten Geschehens ist“, hatte der Verteidiger des angeklagten Israelis Tal S. gesagt. Sein Mandant war laut eigener Aussage von Barkay für die Entführung engagiert worden, wegen seiner Kenntnisse im Kampfsport. Tal S. habe aber geglaubt, er würde etwas Gutes tun und die „Kinder aus den Fängen des Vaters“ retten. „Wenn Sie ihn persönlich kennen würden, würden Sie einen Manipulator ohne Gewissen kennenlernen“, so der Anwalt über Barkay. Tal S. wurde im September 2024 auf Zypern festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.
Was seine Vernehmung für den Prozess bedeutet, ist noch nicht klar. Nach MOPO-Informationen soll er noch in diesem Jahr vor dem Landgericht aussagen.
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