Übergriffe durch muslimische Schüler? Schulsenatorin spricht Klartext
Seit zwei Wochen ist es eins der beherrschenden Themen der Hamburger Landespolitik: Religiöser Extremismus an Hamburger Schulen. Mädchen, die kein Kopftuch tragen, Mitschüler, die sich nicht am Fasten beteiligen, werden von Gleichaltrigen unter Druck gesetzt oder zurechtgewiesen. Einzelfälle zwar, aber das Problem scheint um sich zu greifen. Nun meldet sich Hamburgs Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) zu Wort.
In einer Erklärung, die Bekeris gemeinsam mit Vertretern der Religionsgemeinschaften verfasst hat, heißt es: „In Hamburgs Kitas und Schulen ist kein Platz für Übergriffe und Diskriminierung jeglicher Art. Alle, die in Kita und Schule Verantwortung tragen, zeigen Haltung, wenn Menschen übergriffig werden oder selbst von anderen bedrängt werden.“ Aber: Kita und Schule würden auch Haltung zeigen, wenn wegen „nicht akzeptabler Vorfälle“ ganze Gruppen unter Generalverdacht gestellt würden oder einzelne aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit ausgegrenzt oder gar diffamiert würden.
Weiter heißt es: „Der gegenseitige Respekt verbietet jede Art von Überwältigung: egal von wem, gegen wen und gerade auch dann, wenn Zwang unter dem Deckmantel vermeintlich religiöser Vorschriften ausgeübt wird.“
Religionsgemeinschaften gegen Diskriminierung und Extremismus
Alle beteiligten Religionsgemeinschaften würden sich klar gegen Diskriminierung und Extremismus aussprechen, ganz gleich, von wem diese ausgehen. „Die Religionsgemeinschaften stehen für ein respektvolles Miteinander ein – mit einer Haltung, die klare Grenzen zieht.“
Durch eine Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Sandro Kappe an den Senat waren religiöse Konflikte an Hamburger Schulen vor zwei Wochen erstmals ins Blickfeld geraten. Kappe berichtet in seiner Anfrage von Ereignissen, die sich in Steilshoop zugetragen haben sollen – aber auch andere Stadtteile seien betroffen.
Muslimische Schüler verweigern Musikunterricht
So sollen sich muslimische Schüler geweigert haben, am Musikunterricht teilzunehmen, weil dieser „haram“ sei, also nach muslimischer Überzeugung verboten. Nicht nur unter Kindern wachse der religiöse Druck und die Intoleranz – auch unter Eltern. So haben Mütter berichtet, dass ihnen auf Elternversammlungen von männlichen Teilnehmern der Mund verboten worden sei – Frauen hätten nur zu reden, wenn Männer es ihnen erlaubten, hieß es.
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Aber offenbar existiert das Problem nicht allein in Steilshoop. Denn seit die Presse über Sandro Kappes Anfrage berichtete, melden sich immer neue Eltern aus der ganzen Stadt zu Wort, die von ähnlichen Vorfällen erzählen. Eine Mutter zur MOPO: „Ich musste meinen Sohn von der Schule nehmen, weil er regelrecht Angst hatte, zum Unterricht zu gehen.“
Die gemeinsame Erklärung, die am Mittwoch im Rathaus von der Schulsenatorin und Vertretern der Religionsgemeinschaften unterzeichnet wurde, soll nun allen Schulen zur Kenntnis gebracht und dort auch mit den Schülern besprochen werden. Jeder soll wissen, so die Senatorin, dass Extremismus an Schulen nicht geduldet werde. Jeder Lehrer sei aufgerufen, einzuschreiten, wenn er von solchen Vorfällen Kenntnis erhält.