Hamburg

Über 30 Euro pro Quadratmeter! Schock-Mietpreis in der Schanze

Moderne Wohnhäuser mit Balkonen und bepflanztem Innenhof entlang eines schmalen Weges.
Die Wohnungen im Hinterhof der Bartelsstraße werden derzeit auf der Plattform „Immoscout“ angeboten.

In der Sternschanze wird eine Vier-Zimmer-Wohnung für mehr als 30 Euro pro Quadratmeter angeboten – wie der Eigentümer diesen Preis erklärt.

„Wer in einem pulsierenden, bunten und toleranten Stadtteil leben möchte, ist hier in der Sternschanze in Altona, dem sogenannten Schanzenviertel, genau richtig.“ Mit diesem Satz beginnt die Anzeige für eine Vier-Zimmer-Wohnung auf der Plattform „Immoscout“ – die Miete hat es allerdings mal wieder in sich. Während der Verein „Mieter helfen Mietern“ von einem Versagen der Hamburger Wohnungspolitik spricht, verteidigt der Vermieter das Angebot aus einem ganz bestimmten Grund.

In der Anzeige preist der Anbieter die Wohnungen in dem Gebäudekomplex an der Bartelsstraße mit einem „effizienten Grundriss“, „natürlichem Licht“ und einer „Ausstattungsqualität, die jedes Herz höher schlagen lässt“ an.

Anzeige preist hochwertige Ausstattung der Schanzen-Wohnung

Die Deckenhöhe mit 2,77 Meter seien außergewöhnlich und „edle Holzböden im Dielenformat, stilvolle Dusch- und Vollbäder, Design-Türgriffe und flächenbündige Türen“ seien „stilbildend für jede Wohnung“. Dazu komme der „Komfort eines Abstellraums mit Anschluss für die Waschmaschine“.

Immobilienanzeige mit Außenansicht, Wohnraum, Küche, Bad und Balkon von Neubauwohnungen in Berlin.
Die Anzeige bietet eine 4-Zimmer-Wohnung in der Schanze für 32 Euro pro Quadratmeter an.

Für all diesen Komfort auf circa 99 Quadratmetern fordert der Anbieter „Köhler & von Bargen“ eine monatliche Kaltmiete von 3200 Euro, das entspricht satten 32 Euro pro Quadratmeter. Für die Warmmiete kommen noch einmal fast 500 Euro obendrauf.

„Mieter helfen Mietern“ kritisiert Miet-Angebot in der Sternschanze

„Man muss sich fragen, für wen eine solche Wohnung gebaut oder angeboten wird“, kritisiert Kolja Rosemann, Linken-Politiker und Rechtsanwalt bei „Mieter helfen Mietern“. Ein Pärchen oder eine Familie bräuchte nach seinen Angaben ein Einkommen von 10.000 Euro netto im Monat, um weniger als ein Drittel des Nettoeinkommens für die Kaltmiete auszugeben. 

„Weder handelt es sich um einen Einzelfall, noch handelt es sich um eine Luxuswohnung, die solche Preise rechtfertigen würde“, fährt er fort. Das Haus sei in einem Hinterhof gebaut worden, und aus weniger als 20 Metern Entfernung könnten Nachbarn von ihren Balkonen und Fenstern aus in die Wohnung schauen. „Es scheint eher ein Investitionsobjekt zu sein, zu einer Zeit, in der Hamburgerinnen und Hamburger verzweifelt nach Wohnraum suchen.“ Der Senat müsse anfangen, Wohnungen nach Bedarf bauen zu lassen, fordert Rosemann. „Gebraucht werden bezahlbare Wohnungen, keine Bauprojekte für Spekulanten.“

Vermieter rechtfertigt angebotenen Mietpreis in der Sternschanze

Ein Sprecher von „Köhler & von Bargen“ verteidigt das Inserat wiederum. Das Unternehmen vermiete in allen Preislagen, darunter auch viele „öffentlich geförderte Wohnungen für Hamburgerinnen und Hamburger mit kleinem Geldbeutel“.

An der Bartelsstraße seien insgesamt 28 Eigentumswohnungen und 14 öffentlich geförderte Wohnungen entstanden, dazu vier Stadthäuser sowie eine Kita. „Würden wir nicht auch Angebote für wohlhabende Wohnungssuchende schaffen, ließe sich der soziale Wohnungsbau nicht finanzieren“, argumentiert der Sprecher. „Das eine Segment ermöglicht das andere – das ist ein Grundprinzip der freien Immobilienwirtschaft.“

Der Fall zeigt, wie groß der Druck auf dem Hamburger Wohnungsmarkt inzwischen ist – besonders in begehrten Stadtteilen wie der Sternschanze. Zwischen dem Verweis auf frei finanzierte Mischkalkulationen und der Forderung nach bezahlbarem Wohnraum bleibt für viele Wohnungssuchende vor allem eines: die Frage, wer sich das Leben in zentralen Vierteln überhaupt noch leisten kann.

„Wer in einem pulsierenden, bunten und toleranten Stadtteil leben möchte, ist hier in der Sternschanze in Altona, dem sogenannten Schanzenviertel, genau richtig.“ Mit diesem Satz beginnt die Anzeige für eine Vier-Zimmer-Wohnung auf der Plattform „Immoscout“ – die Miete hat es allerdings mal wieder in sich. Während der Verein „Mieter helfen Mietern“ von einem Versagen der Hamburger Wohnungspolitik spricht, verteidigt der Vermieter das Angebot aus einem ganz bestimmten Grund.

Kommentare öffnen