Eine Zellentür im Gefängnis

Ein Justizbeamter schließt eine Zellentür. (Symbolbild) Foto: Christian Charisius/dpa

Polizei sucht seit Jahren nach Tausenden Kriminellen – „Schattenreich der Straftäter“

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Selten klopfen Straftäter freiwillig ans Gefängnistor. Die meisten müssen mit Haftbefehl gesucht und verhaftet werden. Die Hamburger Polizei fahndet nach Tausenden Kriminellen – vielfach seit Jahren. Das sorgt für Kritik.

3419 von den Hamburger Strafverfolgungsbehörden per Haftbefehl gesuchte Straftäter sind noch nicht gefasst. 993 der Haftbefehle wurden nach Angaben des Senats bereits vor mindestens drei Jahren erlassen, wie aus einer Senatsantwort auf eine Anfrage aus der AfD-Bürgerschaftsfraktion hervorgeht. 1301 sind demnach ein bis drei Jahre alt.

Zahl der offenen Haftbefehle gesunken

„Die Haftbefehle sind grundsätzlich noch nicht vollstreckt, weil Personen unter bekannten Anschriften tatsächlich nicht angetroffen werden können, ihr Aufenthalt unbekannt ist, mithin also auch nicht bekannt ist, ob sie sich noch in der Bundesrepublik Deutschland aufhalten und sie seit der Ausschreibung auch nicht im Rahmen von polizeilichen Kontrollmaßnahmen angetroffen wurden”, schreibt der Senat in seiner Antwort.

Die Zahl der offenen Haftbefehle ist den Angaben zufolge in den vergangenen zwei Jahren gesunken. Zum 1. Januar 2024 lag sie laut Senat noch bei 3793 und am 1. Januar dieses Jahres bei 3560.

434 der aktuell noch offenen Haftbefehle wurden laut Senatsantwort wegen Gewaltdelikten ausgestellt, darunter 98 Tötungsdelikte sowie 112 Fälle von gefährlicher und schwerer Körperverletzung. 89 Mal ging es um Sexualdelikte. In 1386 Fällen um Eigentumsdelikte – inklusive Unterschlagung und Erpressung.

1830 mit Haftbefehl Gesuchte haben Alias-Namen 

Von den per Haftbefehl gesuchten Personen weisen 1830 nach Angaben des Senats einen Eintrag zu abweichenden Personalien, sogenannten Alias-Namen, auf. Sechs haben einen Vermerk als Intensivtäter. 

Von den 3419 Gesuchten haben 445 die deutsche Staatsangehörigkeit. 889 kommen den Angaben zufolge aus dem EU-Ausland. 2085 sind sogenannte „Drittstaatler”. 

2553 Haftbefehle sind laut Senat zur Strafvollstreckung – also nach einer Verurteilung – ausgestellt. 859 Gesuchte sollen in Untersuchungshaft gebracht werden. In sieben Fällen wurde eine Unterbringung in einer geschlossenen Einrichtung angeordnet.

Hamburger Polizei fahndet nach Tausenden Kriminellen – AfD kritisiert Senat

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Dirk Nockemann sieht in den Zahlen ein systematisches Kontrollversagen – „ein Schattenreich der Straftäter, in dem der Senat blind durch die Dunkelheit tappt und Hamburgs Sicherheit opfert”.

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Rot-Grün lasse gefährliche Straftäter untertauchen und ignoriere die Gefahren, sagte er und forderte „eine Spezialeinheit, volle Transparenz und priorisierte Fahndungen, um dieses Chaos zu brechen.” (dpa/mp)

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