TV-Köchin verrät: Mit diesen Tricks kann jeder gesund und nachhaltig kochen
Nachhaltig kochen – wie geht das eigentlich? In der Fabrik in Ottensen ging es am vergangenen Freitag beim Nachhaltigkeitsfestival genau um dieses Thema. Bekannte Köche zeigten, wie man ressourcenschonend leckerstes Essen zaubern kann. Mit dabei: Die bekannte Köchin Sarah Wiener, die sich seit Jahren als Autorin, Unternehmerin und Politikerin für gesunde Ernährung einsetzt, vor allem bei Kindern. Im Gespräch mit der MOPO verrät sie, was sie antreibt, wie jeder selbst nachhaltiger kochen kann – und wie die Ernährung der Zukunft aussieht.
MOPO: Frau Wiener, kann jeder nachhaltig kochen, oder können das bloß Spitzenköche?
Sarah Wiener: Jeder ist eine Köchin! Kartoffeln mit Kräuterquark und ein bisschen Leinöl ist köstliches, gesundes und vernünftiges Essen. Kochen soll nicht kompliziert sein. Nachhaltigkeit ist zwar ein Etikett meint aber eben gut und vernünftig. Im besten Sinne auch schmackhaft und einfach. Sonst ist es nicht nachhaltig, weil es keinen Spaß macht.
Nachhaltiges Kochen: Was ist das eigentlich?
Nachhaltiges Kochen bedeutet für mich auch immer vernünftiges Kochen. Nachhaltigkeit ist als Begriff mittlerweile ein wenig ausgelutscht, aber ein vernünftiges Kochen ist nicht nur ein Kochen, was uns selber guttut, sondern auch unserer Mitwelt, allen künftigen Generationen, bei unseren eigenen Kindern angefangen.
Ist nachhaltiges Kochen teurer als normales Kochen?
Das kommt darauf an, wie man das sieht. Was meinen wir mit normalem Kochen? Welchen Preis hat unsere Gesundheit? Fruchtbarer Boden? Tierleid? Wir wollen ja auch gerechte Preise für Bäuerinnen und Produzenten.
Jeder sollte sich gesunde, nachhaltige Lebensmittel leisten dürfen und können.
Es gibt natürlich auch günstige Lebensmittel, die kaum genutzt werden. Leguminosen, wie Bohnen und Linsen, Wildkräuter, bestimmte Getreidearten, Wurzelgemüse, auch Innereien… nur sollte man dazu eine Idee haben. Da fehlt es häufig an Wissen, an der Fantasie oder am Zugang.
Sie setzen sich seit vielen Jahren für nachhaltige Ernährung ein. Was hat Sie ursprünglich dazu bewegt?
Ich war einfach damals entsetzt über die Nahrungsmittelindustrie und deren Skandale. Wir essen sehr oft Nahrungsmittel und wissen weder, was drin ist, noch wie sie hergestellt werden. Es geht darum, billig und reproduzierbar herzustellen. Nicht um Geschmack, Vernunft und Zukunft. Es ist wichtig, die Kontrolle über den eigenen Körper zu erlangen, um dann wählen zu können, was man will und was nicht.
Was sind die drei wichtigsten Dinge, die jeder sofort umsetzen kann, um nachhaltiger zu kochen?
Gutes dreistufig geführtes Vollkornbrot statt Weißbrot, das hält länger satt und bleibt frisch. Bitte nichts in Plastik kaufen! Nichts kaufen, dessen Etikett man nicht versteht.. schon gar keine sogenannten „Alternativprodukte“, das sind schlechte Kopien aus dem Labor, die uns täuschen wollen.
Und: Nichts kaufen, wofür teure TV-Werbung läuft. Das können sich nur Großkonzerne leisten, die die Kleinen platt machen. Und wir zahlen das Marketing obendrauf. Und: Regional einkaufen, da sind die Lebensmittel am frischesten und günstigsten und man hat die Kontrolle darüber, was woher und von wem kommt. Stärkt man den Nachbarn, stärkt der wiederum mich.
Welche politischen Maßnahmen bräuchte es, damit nachhaltiges Kochen für alle machbar wird?
Es braucht richtige politische Rahmenbedingungen. Gut und gesund muss für alle bezahlbar sein, schlecht und ungesund muss es schwer haben. Das ist heute nicht so. Ökologische Lebensmittel müssen im Mittelpunkt stehen. Nahrungsmittel, die mit Pestiziden bespritzt werden, Wasser verschmutzen, die Vielfalt reduzieren und die Böden auslaugen sollten den Preis kosten, den sie verursachen.
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Wenn wir zehn Jahre in die Zukunft blicken – wie sieht dann unsere Ernährung aus, wenn wir es richtig machen?
Sie ist dezentral, vielfältig, genussvoll. Es gibt viele alternative Landwirtschaftssysteme, manche auch in den Städten. Es gibt viele dezentrale Genossenschaften oder bäuerliche Verbindungen, die sich gegenseitig stärken. Vor allem gibt es wieder eine größere Vielfalt an alten Rassen und Sorten, die unsere Biodiversität wieder beflügeln und an die Klimaextreme angepasst sind. Und es gibt auf jeden Fall wieder mehr guten, ökologischen Honig aus der Region. Honig ist eines der meist gepanschten Nahrungsmittel weltweit.