Trick des Pleite-Investors: Beim Holsten-Areal gibt’s schlechte Nachrichten
Es ist ein Trümmerfeld mitten in Altona: Auf dem Areal nahe dem S-Bahnhof Holstenstraße stehen seit knapp fünf Jahren die Reste der größtenteils abgerissenen Holsten-Brauerei. Statt die 1200 geplanten Wohnungen zu bauen, versucht der finanziell angeschlagene Immobiliengigant Adler Group das ehemalige Brauerei-Gelände möglichst gewinnbringend abzustoßen. Die städtische SAGA und der Projektentwickler Quantum wollen es kaufen, doch die Verhandlungen stockten zuletzt. Jetzt könnte eine Entwicklung die Karten noch einmal ganz neu mischen.
Die letzten Bagger auf dem Gelände verschwanden Anfang Februar, seitdem gleicht das Holsten-Areal endgültig einem „Lost Place“. Die Adler Group steckt schon länger in finanziellen Schwierigkeiten, deshalb tauchte das Gelände plötzlich in einer Verkaufsliste des Unternehmens auf – frisches Geld musste dringend her.
Adler Group steckt schon länger in finanziellen Schwierigkeiten
In dieser Situation bekundeten das städtische Wohnungsunternehmen SAGA und der Projektentwickler Quantum im Juni 2022 ihr Interesse am Holsten-Areal. Sie pokerten, um unter diesen Umständen den Verkaufspreis herunterdrücken zu können. Nur so würde sich ein Wohnungsbau auf dem Gelände überhaupt noch lohnen.
Doch jetzt könnte sich das Blatt wieder wenden: Am Freitag wurde bekannt, dass nach den Gläubigern jetzt auch die Aktionäre der Adler-Group dem Sanierungsplan des Unternehmens zugestimmt haben. Dieser sieht vor, dass die Termine für einen Teil der Anleihesumme, den die Adler-Group zurückzahlen muss, weiter nach hinten verschoben werden, nämlich auf Ende 2028, 2029 und 2030.
Weitere Schulden in Höhe von bis zu 2,3 Milliarden Euro werden in sogenannte „ewige Anleihen“ umgewandelt. Das bedeutet, es gibt überhaupt keinen festgelegten Rückzahlungstermin.
Aktionäre der Adler Group stimmen Sanierungsplan zu
„Die geplante Rekapitalisierung (…) verschafft uns einen längeren Spielraum für die Umsetzung unserer Strategie und verhindert unnötige Veräußerungen aus unserem Immobilienvermögen weit unter dem Marktwert“, sagte Thierry Beaudemoulin, Mitglied des Verwaltungsrats und CEO der Adler Group.
Das könnte jetzt allerdings für das Holsten Areal bedeuten: Da der Immobiliengigant eben nicht mehr auf schnelles Geld angewiesen ist, geht die Strategie von SAGA und Quantum, den Preis auf diese Weise herunterzudrücken, wohl nicht mehr auf.
Preis des Holsten-Grundstücks vervielfachte sich
Das Gelände war 2016 von der Carlsberg-Brauerei an die Düsseldorfer Gerchgroup verkauft worden. Damals lag der Wert des Grundstücks noch bei 65 Millionen Euro. Anschließend wurde es mehrfach weiterveräußert, ohne dass gebaut wurde. Durch die Bodenspekulation vervielfachte sich der Preis, der inzwischen mit unfassbaren 364 Millionen Euro in den Adler-Bilanzbüchern vermerkt ist.
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In die Karten gucken lassen will sich derzeit allerdings niemand. Eine Sprecherin der Adler-Group antwortete auf MOPO-Anfrage, dass das Unternehmen weiterhin beabsichtige, das Holsten-Areal zu verkaufen. Die SAGA bekräftigt währenddessen ihr Interesse, das Grundstück zu kaufen. Zwischen der Adler-Group und dem Bezirk Altona finden laut Sprecher Mike Schlink derzeit keine Gespräche statt.
Das Holsten-Areal ist eine der größten Brachflächen in Hamburg. Auf dem 8,6 Hektar großen Gelände sollten eigentlich rund 1200 Wohnungen sowie Büros, Gewerbe, Kitas und ein Hotel entstehen.