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Trauer um Familienvater: „Diese Autos dürften gar nicht so viel PS haben“

Der erst 18-jährige Fahrer kam mit dem 600-PS-Mercedes von der Straße ab und krachte am Jungfernstieg in den Pfeiler der Haspa. Ein 39-Jähriger starb.
Der erst 18-jährige Fahrer kam mit dem 600-PS-Mercedes von der Straße ab und krachte am Jungfernstieg in den Pfeiler der Haspa. Ein 39-Jähriger starb.

An der zerstörten Säule vor dem Haspa-Eingang haben Menschen Hortensien, Rosen und Lilien – alle in weiß –abgelegt. Viele Passanten bleiben kurz stehen, schütteln mit dem Kopf. „Schrecklich“, sagen sie, „grausam“ und „unglaublich“. Die Schneise der Zerstörung ist am Tag nach dem Unfall bereits beseitigt. „Diese Filiale ist vorübergehend geschlossen“ teilen zwei handgeschriebene Zettel an der gläsernen Eingangstür der Sparkasse mit. Ein Besuch an jenem Ort, an dem am Dienstag ein 39 Jahre alter Hochbahn-Mitarbeiter starb, weil ein Teenager die Kontrolle über einen AMG-Mercedes verloren hatte. Schon zuvor hatten sich offenbar Menschen bei der Polizei über seine Fahrweise beschwert.

Der 18-jährige Giuliano B. verlor am Dienstagvormittag auf dem Ballindamm die Kontrolle über einen 600 PS starken Mercedes-AMG. Schon auf dem Weg zur Kreuzung zum Jungfernstieg nietete der Teenager mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit mehrere Baustellen-Schilder um, donnerte über zwei Verkehrsinseln hinweg, katapultierte mehrere große Blumenkübel rund 40 Meter weit in die Luft. Auch ein vor der Sparkasse parkender Transporter wird von dem zweieinhalb Tonnen schweren AMG weggestoßen – und erfasst einen 39-jährigen Fußgänger, der später an schwersten inneren Verletzungen verstirbt. Eine kräftige Säule vor dem Haspa-Eingang beendet die Irrsinns-Fahrt des jungen Mannes.

Wie die Polizei bestätigte, wurden mehrere Kinder Zeugen des schrecklichen Unfalls. Nach MOPO-Informationen handelt es sich dabei um eine 8. Schulklasse, die unterwegs war zu einem Ausflug. Viele der Kinder konnten am Mittwoch nicht am Unterricht teilnehmen.

Ballindamm: Passanten legen Blumen nieder

Am Unfallort bleiben am Tag nach dem Drama immer wieder Menschen stehen und gucken ergriffen auf die zerstörte Säule mit den Blumen. Sparkassen-Mitarbeiter Marc Junge steht bereit, um Kunden an andere Filialen zu verweisen. Am Donnerstag wolle man wieder öffnen, erzählt er. Am Unfalltag sollte in der Haspa die Wiedereröffnung der Räume gefeiert werden. Deshalb stand der weiße Lieferwagen am Eingang, während er gerade Essen und Getränke brachte – bis er weggerammt wurde.

Der Kommentar zum Thema: Verbietet diese PS-Monster!

Gabriela Hempel (56) legt eine Blume an die Säule. Die Friseurin aus Neugraben ist schockiert, sagt traurig: „Diese Autos dürften gar nicht so viel PS haben. Und auch nicht von Fahranfängern gefahren werden.“ Das war der gerade 18-Jährige definitiv. Umso irritierender wirkt es, dass auf dem Beifahrersitz der Vater des Jungen saß und die Wahnsinnsfahrt offenbar erlaubt hat. Laut Hamburger Polizei gingen bereits vor dem Unfall mehrere Anrufe ein, die vor dem viel zu schnellen 150.000 Euro teuren Wagen in der Hamburger Innenstadt warnten.

Passantin legt Blumen an der Unfallstelle ab
Gabriela Hempel (56) legt Blumen an der Unfallstelle ab

Ein Toter, fünf Verletzte. Ist es die Bilanz einer Angeberfahrt oder ein medizinischer Zwischenfall, wie der Vater des Unfallfahrers behauptet? Bei der Polizei gab der 52-jährige Gastronom an, sein Sohn sei am Steuer kurzzeitig zusammengebrochen. Als die Rettungskräfte eintrafen, war der Junge allerdings ansprechbar.

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Inzwischen ist bekannt, dass das Unfallopfer Zugfahrer bei der Hochbahn war – und Familienvater. In der Firma seiner Witwe, einem Gartenunternehmen, wolle man eine Spendenaktion starten. Ebenso bei der Hochbahn. Außerdem wird die Hochbahn-Belegschaft in Gedenken an den Familienvater am Donnerstag um 11 Uhr eine Schweigeminute einlegen.

Vater und Sohn liegen laut MOPO-Information noch im Krankenhaus. Dem 18-Jährigen wurde eine Blutprobe entnommen, diese wird auf Drogen, Alkohol und Medikamente untersucht. Der genaue Unfallhergang wird mit Hochdruck von der Polizei ermittelt. Hierbei kamen am Dienstag auch eine Drohne und ein 3-D-Scanner zum Einsatz. Ebenso wurde ein Sachverständiger zur Unfallrekonstruktion hinzugezogen. Mehr als 50 Zeugen wurden befragt.

An der zerstörten Säule vor dem Haspa-Eingang haben Menschen Hortensien, Rosen und Lilien – alle in weiß –abgelegt. Viele Passanten bleiben kurz stehen, schütteln mit dem Kopf. „Schrecklich“, sagen sie, „grausam“ und „unglaublich“. Die Schneise der Zerstörung ist am Tag nach dem Unfall bereits beseitigt. „Diese Filiale ist vorübergehend geschlossen“ teilen zwei handgeschriebene Zettel an der gläsernen Eingangstür der Sparkasse mit. Ein Besuch an jenem Ort, an dem am Dienstag ein 39 Jahre alter Hochbahn-Mitarbeiter starb, weil ein Teenager die Kontrolle über einen AMG-Mercedes verloren hatte. Schon zuvor hatten sich offenbar Menschen bei der Polizei über seine Fahrweise beschwert.