Trauer in Hamburg: Beliebter Gastronom stirbt mit nur 36 Jahren
Ein Meer aus Kerzen und Blumen liegt vor dem „Lily of the Valley“: Anwohner und Kunden trauern um den beliebten Wirt des Bistros in der Bahrenfelder Straße 212 (Ottensen). Der erst 36 Jahre alte Cengiz Özdemir ist am Dienstag ganz plötzlich verstorben.
Wo er war, war die Stimmung gut: Cengiz Özdemir war ein Mann, der stets vor Energie sprühte und seine Fröhlichkeit auf andere übertrug. Auch für die Mitarbeiter der MOPO war sein vegetarisches Restaurant mit den beerig-nussigen Gerichten ein populärer Anlaufpunkt in der Mittagspause – wenn man denn einen Platz fand. Denn der Andrang in dem kleinen Laden mit nur wenigen Tischen war stets enorm.
Trauer um Hamburger Veggie-Zauberer: Wirt von „Lily of the Valley“ plötzlich verstorben
Umso größer der Schock im ganzen Stadtteil über den überraschenden Tod des Hans Dampf in allen Gassen. „Cengiz ist vor zwei Tagen von uns gegangen“, sagt seine frühere Lebensgefährtin Lena, mit der Özdemir auch einen Sohn hat, traurig. Besonders für den Siebenjährigen sei es sehr schwer. „Die beiden hatten ein sehr enges Verhältnis“, so die Mutter.

Der Krebs war es, der Cengiz Özdemir das Leben genommen hat. Erst vor einem Dreivierteljahr habe er die Diagnose bekommen, erzählt Lena. Die Behandlung sei zunächst gut verlaufen. „Zwischendurch hieß es, er sei geheilt.”
Hamburger Gastronom Cengiz Özdemir verliert Kampf gegen den Krebs
Doch dann kam die Krankheit zurück und schlug mit aller Kraft zu: Not-OP, Infekt, Lungenentzündung. Am Ende hat der Körper es nicht mehr geschafft. Özdemirs Mutter und seine aktuelle Lebensgefährtin, mit der er verlobt war, begleiteten ihn durch die letzten, schweren Wochen.
„Ich wusste, dass er krank war, aber nicht, wie ernst es war“, sagt Emre Keskin, dem das Reisebüro direkt neben dem „Lily of the Valley“ gehört. Er habe erst vor einem Tag vom Tod seines Nachbarn erfahren und sei zutiefst erschüttert. „Cengiz war ein außergewöhnlich fröhlicher Mensch, der zu allen herzlich war.“

Auch Friseur Amiri Scher, der sein Geschäft auf der anderen Seite der Bistro-Tür hat, ist traurig. „Cengiz war chaotisch, aber im Herzen ein sehr guter Mensch.“ Besonders für den kleinen Sohn, der immer in seiner Nähe war, und für die Eltern empfinde er großes Mitgefühl. „Es tut mir so leid für sie. Es ist schlimm, wenn das Kind vor einem stirbt. Cengiz soll in Frieden ruhen.“
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Gelernt hatte Cengiz beim Nobel-Italiener „Portonovo“ an der Alster. Nach seiner Ausbildung zum Koch übernahm er die Räumlichkeiten des Imbisses „Veg Out“ in Ottensen und verwandelte ihn mit seinen vitaminreichen Kreationen zu einem kulinarischen Highlight im Hamburger Westen. Schon bald eröffnete ein zweiter Standort in der Altstadt, dem Cengiz Özdemir den Namen „Ivy“ gab. Ein weiteres „Ivy“ machte Özdemir zuletzt mit Unterstützung seines Vaters, der ebenfalls Gastronom ist, in der Ottenser Hauptstraße auf. Nach Auskunft von Lena bleiben die drei Läden vorerst geschlossen. Noch ist unklar, wie es weitergeht.
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