Hamburg

Traditionsgeschäft insolvent: Vermieterin bleibt auf Hunderttausenden Einzelteilen sitzen

Historischer Verkaufsraum mit Holzschubladen, Tresen, Waagen und Behältern
Steht zum Verkauf: die antike Inneneinrichtung des Traditionsgeschäfts im Grindelveriertel.

Seit April ist das Hamburger Traditionsgeschäft im Grindelviertel dicht. Die Eigentümer sind abgetaucht. Die Vermieterin bleibt auf hunderttausenden Einzelstücken sitzen.

Es war eine Institution im Grindelviertel: Bei „Schrader Beschläge“ gab es mehr als ein Jahrhundert lang Türklinken, Schrankgriffe und antike Beschläge. Seit April sind die Betreiber des Geschäfts insolvent. Die Vermieterin weiß nicht, wohin mit all dem alten Eisen.

Ein Türknauf mit Löwenkopf. Ein Namensschild mit Jugendstil-Gravur. Antike Türklinken. Bei „Schrader Beschläge“ im Grindelviertel fanden die Bewohner von Hamburger Altbauwohnungen seit 1895 hübsche Accessoires für ihr Zuhause.

Eröffnet wurde der Laden einst in der Parkallee, später zog er in die Bornstraße, noch später in die Grindelallee, wo Anfang des neuen Jahrhunderts der letzte Besitzerwechsel stattfand. Seitdem ging es stetig bergab. 2022 zogen die letzten Inhaber, Jörg Kazmierski und Christian Gerleit, mit ihren Beschlägen in die Rappstraße 1 a um. Im April meldeten sie Insolvenz an. Seitdem herrscht Stillstand.

Vermieterin Ute M. ist verzweifelt. Noch bis Mai ging bei ihr die Miete ein, zuletzt kam die Zahlung von der Insolvenzverwalterin. Diese beauftragte einen Auktionator damit, sich um die Auflösung des Geschäfts samt der Unmengen an Messing-, Eisen- und Porzellanteilen zu kümmern. Problem: Der Auktionator fand keine Inventarlisten vor. Und ohne eine Auflistung der Waren und ihrer Mengen war ein Verkauf als Ganzes unmöglich.

Heißt: Es hätte jemand mit einer Zählung beauftragt werden müssen. Doch danach sah es nicht aus. „Im Laden passierte gar nichts mehr“, sagt Ute M. Die Sache schien sich zu verzögern. Und die Mietzahlungen blieben aus.

Nach Insolvenz im Grindelviertel: Vermieterin sitzt auf altem Ladeninventar

„Ich möchte die Ladenfläche gerne verkaufen. Aber so lange die Einrichtung noch drin ist, geht das nicht“, sagt Ute M. Ein Verkaufsschild des Immobilienmaklers hängt schon im Fenster in der Rappstraße: 260.000 Euro für 75 Quadratmeter Gewerbefläche mit zwei Bädern und einem Werkstatt- oder Lagerraum. Die ersten Interessenten gab es schon. 

Ute M. wollte, dass es vorangeht. Von der Insolvenzverwalterin erfuhr sie, dass ihr nur eine Möglichkeit blieb: Sie musste das Inventar selbst kaufen und dafür eine Ablösesumme zahlen. Das tat sie – um wieder über ihre Ladenfläche verfügen zu können. Zu welchem Preis, will sie nicht verraten.

Doch eine Lösung ist noch immer nicht in Sicht. Zwar hat Ute M. die Sache nun selbst in der Hand. Doch von Beschlägen und Türklinken hat die Rentnerin und frühere Verwaltungsangestellte keine Ahnung. „Bisher hat sich niemand gefunden, der das Inventar als Ganzes kauft“, sagt Ute M.

Kein Verkauf von Einzelteilen geplant

Zu einem Verkauf in Einzelteilen beispielsweise auf Flohmarkt-Portalen sieht sich die 66-Jährige nicht in der Lage. „Zur Not geht alles an einen Schrotthändler“, sagt sie. So bekäme sie zumindest den Metallwert. 

Es wäre aber ein Jammer um die schönen alten Teile mit den Jugendstil-Gravuren. Um die antiken Türklinken. Um die historische Kasse und die Eichenschränke sowie den alten Tresen. Hilfsbereite Nachbarn haben sich bereits eingeschaltet und versuchen, das Inventar auf Kleinanzeigen loszuwerden. Der gewünschte Preis: 11.000 Euro. „Der Preis ist verhandelbar“, betont Ute M. 

Wer Interesse hat, kann sich an Marle und Rafael wenden. E-Mail-Adresse: gramsa43@gmail.com. „Ich wäre froh, wenn bis Ende September alles weg ist“, sagt Ute M. 

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