Traditionsbar in Not: Inhaberin startet Spendenaufruf
Polstersessel, Retro-Stehlampen, Holztische: Für viele Besucher des „Hadley’s“ ist die Bar in Rotherbaum ihr zweites Wohnzimmer. Nur: In diesem Wohnzimmer zieht es! Um die Kosten einer dringend benötigten Sanierung stemmen zu können, hat Inhaberin Tina Heine jetzt einen Spendenaufruf im Internet gestartet.
Das „Hadley’s“ ist Tina Heines Lebensprojekt. Sie war Studentin und gerade mal Anfang 20, als sie mit ihrem damaligen Partner die Schnapsidee hatte, in dem ehemaligen Rot-Kreuz-Hospital Beim Schlump 84a eine Bar zu eröffnen, in der es Jazz-Konzerte geben sollte. Jetzt – 30 Jahre später – ist aus der Schnapsidee längst eine Institution geworden. Eine, welche die inzwischen 51-jährige Inhaberin gerne weiter am Leben erhalten möchte.
Lange Mängelliste: Die Bar „Hadley’s“ in Rotherbaum muss dringend renoviert werden
„Ich habe gerade einen neuen Mietvertrag für zehn Jahre unterschrieben“, sagt Heine mit der gleichen Zuversicht wie damals als Studentin, als sie sich privat 200.000 D-Mark pumpte, um die Bar zu eröffnen. Dass ihr Optimismus noch immer ungebrochen ist, ist erstaunlich. Denn die Liste der Mängel in den Räumlichkeiten ist lang. Durch die alten Fenster zieht der Wind ins Innere. Die Eingangstür weist zahlreiche Sprünge im Glas auf. Die Lampen sind notdürftig geflickt. Mehrere Anlagen und der Fußboden sind kaputt. Die Elektrik ist alt. Es bedarf einer energetischen Sanierung. Kostenpunkt: 70.000 Euro.
„Das Geld habe ich einfach nicht“, sagt Tina Heine. Die Schwierigkeiten begannen während der Corona-Zeit. Damals sprangen oft Freunde ein, um ihr finanziell zu helfen. Zuletzt brachte die Mehrwertsteuerreform eine Entlastung – allerdings nur für das Alltagsgeschäft. Heine hatte sich deshalb an ihre Bank gewandt, um einen Kredit für die Renovierungskosten aufzunehmen. Er wurde ihr verweigert.
Spendenaufruf: Bar-Inhaberin startet Crowdfunding im Internet
„Das war ein Schock“, sagt Heine. Die knappe Liquidität des Bargeschäfts war der Bank nicht genug Garantie. Weil Heine aber noch Großes vorhat, hat sie nun ein Crowdfunding im Internet gestartet, um das Geld für den Fortbestand des „Hadley’s“ zusammenzubekommen. Bis Dienstagmittag waren dabei schon 21.000 Euro eingegangen – was den großen Rückhalt der Kunden und Nachbarn widerspiegelt.
Tina Heine will die Bar auch in Zukunft noch mehr zu einem Ort der Gemeinschaft und Gesellschaft umbauen. Schon jetzt ist das „Hadley’s“ immer montags mehr Salon als Bar. Es finden Veranstaltungen und Diskussionen zu wichtigen sozialen Fragen wie dem Klima, nachhaltiger Wirtschaft oder dem Weltfrieden statt. Am liebsten würde Heine eine Stiftung oder einen Mäzen mit in ihr Projekt hineinnehmen, welche die Salon-Veranstaltungen mittragen könnten. Auch über Workshops für Nachhaltigkeit denkt Heine nach.
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Eine Rolle spielt dabei sicher auch, dass Heine kürzlich Oma von Zwillingen geworden ist. Sie macht sich viele Gedanken über die Zukunft. „Ich möchte meinen Geist hier in der Stadt zur Gestaltung einsetzen”, sagt sie. Wissenschaftler und Politiker gehören zu ihren häufigen Gästen.
Wenn alles glatt läuft, dann gibt es am 9. Oktober richtig etwas zu feiern: das 30-jährige Jubiläum des „Hadley’s“ – und den Startschuss für das nächste Jahrzehnt bis zum 40. Geburtstag. „Ich hoffe auf eine möglichst große Unterstützung, damit wir diesen Ort der Gemeinschaft erhalten können“, sagt Heine. Sie sieht das Crowdfunding auch als eine Art Übung: „Solidarität ist etwas, das wir alle jetzt und in den nächsten Jahren als Gesellschaft viel brauchen werden.“