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Tödliche Vogel-Seuche: Killer-Virus wütet unter Hamburgs Amseln

Usutu: In keiner Region tötet das Virus so viele Amseln wie in Hamburg.

Usutu: In keiner Region tötet das Virus so viele Amseln wie in Hamburg.

Foto:

dpa

Hamburgs Amseln fallen zu Tausenden dem Usutu-Virus zum Opfer: Mehr als 2 500 tote Vögel aus der Hansestadt wurden dem NABU bisher gemeldet, dazu 745 Hamburger Amseln mit Krankheitssymptomen. Die Hansestadt ist damit die am stärksten betroffene Region Deutschlands.

Erst verlieren die dunkelgefiederten Vögel die Fähigkeit zu fliegen, dann können sie nicht mehr laufen, erleiden Krämpfe, wenige Stunden später sind sie tot. Bundesweit gingen mehr als 23 700 Meldungen über tote Amseln beim NABU ein.

Das aus Afrika stammende Usutu-Virus ist in diesem Sommer das erste Mal auch in Hamburg aufgetaucht und wütet in einem erschreckenden Ausmaß unter den Amseln.

In 52 Amsel-Kadavern aus Hamburg hat das Bernhard-Nocht-Institut  für Tropenmedizin (BNITM) das tödliche Virus bisher nachgewiesen. Überträger der Krankheit sind Hausmücken. Professor Jonas Schmidt-Chanasit, der am BNITM die Virusdiagnostik leitet, spricht von dem „ersten flächendeckenden Usutu-Ausbruch in einer Großstadt weltweit“. Warum gerade hier?

Heißer Sommer begünstigt Usutu-Ausbruch

Der Wissenschaftler nennt zwei Gründe: Erstens der ungewöhnliche heiße Sommer, der besonders viele Mücken hervorbrachte – und gleichzeitig für das wärmeliebende Virus optimale Bedingungen bot. Und zweitens die „naiven“ Hamburger Amseln. „Naiv“ bedeutet aus Virologensicht, dass eine Population noch nie mit dem Virus in Kontakt gekommen ist und keine Antikörper bilden konnte.

Rund um die Außenalster wurden besonders viele Usutu-Fälle nachgewiesen, vermutlich wegen des Wassers, das sowohl Amseln als auch Mücken anzieht.

Für die Tropenmediziner sind die gefiederten Virus-Opfer in erste Linie „Indikatoren“. Was die Forscher umtreibt, ist die Frage: Kann Usutu auch dem Menschen gefährlich werden? Fakt ist: Auch Menschen können durch einen Mückenstich mit dem Amsel-Killer infiziert werden, bemerken aber meist keine Symptome.

Auch Menschen werden auf Virus getestet

Derzeit werden Patienten mit Gehirnentzündung in Hamburg auf das Virus getestet, bisher aber ohne einen Nachweis.

Mit sinkenden Temperaturen werden die Mücken weniger und die Zahl der Usutu-Opfer wird abnehmen. Usutu, so prognostiziert Prof. Schmidt-Chanasit jedoch, wird Hamburgs Amseln nachhaltig betreffen: „Das Virus wird uns in den kommenden Jahrzehnten begleiten.“

1996 ist das Virus zum ersten Mal außerhalb Afrikas aufgetaucht, in der Toskana. 2011 gab es den ersten deutschen Nachweis in Freiburg. Auf der NABU-Seite gibt es eine Online-Meldeaktion zum Amselsterben.