Tod in Istanbul: Dieses Mittel tötete die Hamburger Familie
In der vergangenen Woche starb eine Hamburger Familie in Istanbul, mutmaßlich an einer Vergiftung. Die MOPO beantwortet die wichtigsten Fragen zu diesem tragischen Fall und dem Mittel, das nach aktuellem Stand dafür verantwortlich war.
Was ist passiert?
Am Abend des 11. November klagten die 27-jährige Cigdem B. und ihre beiden Kinder, Kadir (6) und Masal (3), über Übelkeit, Schwindel und Magenschmerzen. Sie wurden gemeinsam mit dem Vater, Servet B., in ein Krankenhaus gebracht und am nächsten Morgen wieder entlassen.
Im Hotel verschlechterte sich zunächst der Zustand der Kinder dramatisch. Sie wurden erneut in die Klinik gebracht, wo beide am 13. November starben. Einen Tag später erlag die Mutter der Vergiftung. Der Vater starb am Montag. Die Familie stammte aus Billstedt und machte Urlaub in der Türkei.
Was ist über die Todesursache bekannt?
Bei der Obduktion von Eltern und Kindern hatten Mediziner Blutungen im Magen-Darm-Trakt festgestellt. Inzwischen vermutet die Generalstaatsanwaltschaft Istanbul aufgrund eines vorläufigen Gutachtens, dass die Familie durch ein Schädlingsbekämpfungsmittel vergiftet wurde.
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Dieses soll am 11. November in einem Hotelzimmer versprüht worden sein und sich dann über die Lüftungsanlage verbreitet haben. Die endgültige Bestätigung der Todesursache steht noch aus. Zu Beginn der Ermittlungen hieß es, die Familie habe sich auf einem Streetfood-Markt eine Lebensmittelvergiftung zugezogen.
Was ist das für ein Mittel und warum ist das so tödlich?
Das Insektenschutzmittel, das nach aktuellem Stand für den Tod der Familie verantwortlich sein soll, ist Aluminiumphosphid. Es wird unter anderem zur Bekämpfung von Bettwanzen eingesetzt. Die Verbindung aus Aluminium und Phosphor wird in Tablettenform hergestellt. Kommt sie mit Feuchtigkeit in Kontakt, bildet sich das giftige, nach Knoblauch riechende Gas Monophosphan.
Wird dieses Gas eingeatmet, können bereits bei niedriger Konzentration innerhalb einer halben Stunde Vergiftungserscheinungen auftreten. Diese beginnen mit Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen, können aber auch schnell zu schweren Herz-Kreislauf-Störungen, Schock und multiplem Organversagen führen.
Wie ist der Stand der Ermittlungen?
Insgesamt wurden inzwischen elf Verdächtige festgenommen, darunter Straßenhändler, Hotelangestellte sowie Mitarbeiter einer Schädlingsbekämpfungsfirma. Das Hotel war in den Fokus der Ermittlungen gerückt, als bei zwei weiteren Gästen ähnliche Krankheitssymptome auftraten. Beide sollen sich nicht in Lebensgefahr befinden.
Wie reagiert die Politik?
Nach dem Tod der Familie ordnete die Regierung am Mittwoch für Betriebe eine 24-stündige Überwachung an. Wie das Gouverneursamt der Provinz Istanbul mitteilte, sind alle Unternehmen verpflichtet, Tag und Nacht Audio- und Videoaufnahmen zu machen und diese 30 Tage lang zu speichern.
Darüber hinaus sollen auch Straßenhändler vermehrt kontrolliert werden, genau wie Unternehmen, die mit Schädlingsbekämpfungsmitteln arbeiten.
Was hat der Vorfall mit dem Tod einer Hamburger Studentin vor einem Jahr zu tun?
Bereits vor einem Jahr gab es in Istanbul einen ähnlichen Fall, bei dem die Hamburger Studentin Marlene P. ums Leben kam. Die 23-Jährige war im Rahmen eines Studentenaustauschprogramms in die Türkei gekommen und lebte dort in einer Wohngemeinschaft. Die Hamburgerin und ihre Mitbewohner waren in der Nacht zum 2. November 2024 mit Erbrechen und Übelkeit aufgewacht, genau wie die Hamburger Familie.
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Marlene P. wurde daraufhin ebenfalls in ein Krankenhaus gebracht, wo sie trotz Behandlung kurze Zeit später starb. Auch in ihrem Fall war zunächst von einer Lebensmittelvergiftung ausgegangen worden. Später kam jedoch heraus, dass sie mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel Aluminiumphosphid in Kontakt gekommen war.