Hamburg
Tipps von Revierförster Nils Fischer: Wo Hamburgs Wald am schönsten ist
Er lebt den Wald – und das schon in dritter Generation: Revierförster Nils Fischer kennt Hamburgs Gehölze wie kaum ein anderer. Er verrät, wo es am schönsten ist und was das mit dem Klimawandel zu tun hat.
Der Wald ist sein Leben: Nils Fischer, seit mehr als 20 Jahren Revierförster im Klövensteen, ist zwischen Bäumen und Rehen groß geworden. Seinen Job macht er bereits in dritter Generation. Schon sein Vater und sein Großvater waren Förster. Der 53-Jährige verrät, wo der Wald in Hamburg am schönsten ist – und warum man das auf den ersten Blick gar nicht sieht.
Für die Besucher ist es ein trauriger Anblick: Eisenzäune verhindern an manchen Stellen im Klövensteen den Zutritt ins Revier. Dahinter ist alles weg. Eine helle Lichtung – keine Bäume, nur Stümpfe. Und dazwischen ein paar halbhohe Stängel sowie Gräser, Farne und Moose.
Waldumbau im Klövensteen: Monokultur wird durch höhere Biodiversität ersetzt
Was für manch einen nach Raubbau aussieht, ist in Wirklichkeit ein gigantisches Projekt: der Waldumbau im größten Naherholungsgebiet Altonas. Bis 2029 werden voraussichtlich 160 Hektar Fläche dem Klimawandel angepasst worden sein. Heißt: Bäume, die Hitze und Dürre nicht standhalten und deshalb umzukippen drohen, werden entfernt. Stattdessen werden robustere Arten gepflanzt. Der Vorteil: Es wird grün!
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„Wir bewegen uns weg von den Monokulturen, die in der Nachkriegszeit angelegt wurden“, sagt Nils Fischer. Stattdessen würden artenreiche Laubmischwälder mit Eichen, Buchen, Linden, Ahorn, Kirschen oder dem Wildobstbaum Speierling entstehen. Die Biodiversität wird von bisher zwei bis drei Arten auf der Fläche – hauptsächlich Kiefer und Fichte – auf 15 und mehr erhöht.
„Das wird sehr schön werden!“, sagt Fischer, dem anders als dem skeptischen Besucher das Herz aufgeht, wenn er durch die Zaunmaschen auf die zarten Pflänzchen blickt, die dort langsam emporwachsen.
Hamburger Revierförster Nils Fischer: „Wir machen den Wald fit für die Zukunft“
Was an einigen Stellen im Klövensteen gerade mal den Boden bedeckt, hat an anderen wie im Revierteil nahe der Ortschaft Waldenau schon eine Höhe von drei bis vier Metern erreicht. „Grüne Hölle“, nennt Nils Fischer das, was dort gewachsen ist, nicht ohne einen gewissen Stolz. Sobald dieser Zustand erreicht ist, kämen auch die Zäune, die in erster Linie dazu dienen, die Rehe vom Knabbern abzuhalten, weg.
„Wir müssen das machen“, erklärt Fischer. „Wir machen den Wald fit für die Zukunft.“ So werde die Waldbrandgefahr gesenkt und die Ausbreitung von Schädlingen verhindert. Es gehe darum, Tieren und Menschen ihren Lebens- bzw. Erholungsraum zu erhalten, vor allem aber auch darum, die Funktion des Gehölzes als CO2-Speicher zu retten.
In Norddeutschland gibt es für Fischer nach „seinem“ Klövensteen vor allem noch zwei Wälder, die ihm wegen ihres Artenreichtums besonders gefallen: der Wohldorfer Wald mit seinem über 150 Jahre alten Baumbestand und der uralte Buchenwald von Jasmund auf Rügen. „Hier findet man ein System, das in sich funktioniert. Die Natur agiert von allein und erfindet sich immer wieder neu.“
Kaninchen statt Konsolen: Was es bedeutet, als Waldkind aufzuwachsen
Auch der Wald, in dem Nils Fischer als Förstersohn groß geworden ist, in der Lüneburger Heide nahe dem Wilseder Berg, ist bereits umgebaut worden. Seine eigenen drei Kinder erleben die Veränderungen hautnah. Sie wachsen im Forsthaus am westlichen Zipfel des Klövensteen an der Grenze zu Rissen auf.
Die „Waldkinder“, wie sie in der Schule von ihren Mitschülern genannt werden, haben die Naturverbundenheit von ihrem Vater geerbt, so wie der von seinen eigenen Vorfahren. „Das geht gar nicht anders, wenn man so aufwächst“, sagt Nils Fischer.
Obwohl die drei mit ihren 13, 16 und 18 Jahren gerade mitten in der Pubertät stecken, seien sie den ganzen Tag draußen – und nicht an der Konsole wie viele andere Jugendliche in dem Alter. „Sie brauchen die Waldluft, um zur Ruhe zu kommen“, erzählt der Vater und freut sich, wenn die Kinder abends von ihren Entdeckungstouren zurückkehren und berichten, was sie gesehen haben.
Fischer ist es wichtig, dass die kommenden Generationen ihre Verantwortung für die Natur und den Planeten nicht vergessen. Ob sich auch der Forstberuf weiter in der Familie erhält, kann der Klövensteener noch nicht abschätzen. Ein bisschen Hoffnung hat er aber: „Die Älteste hat gerade ihren Jagdschein gemacht.“
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