Eingang zum Hamburger Tierschutzverein

Der Hamburger Tierschutzverein hat seine neue Tierheimleiterin gefeuert (Archivfoto) Foto: dpa | Christian Charisius

Neue Leiterin des Hamburger Tierheims nach wenigen Wochen gefeuert

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Wieder Unruhe beim Hamburger Tierschutzverein: Der HTV hat der neuen Leiterin des Tierheims Süderstraße während der Probezeit gekündigt. Die Gründe bleiben ein Rätsel, die Verantwortlichen mauern. Es gibt aber Hinweise auf eine desolate Führungskultur innerhalb des Vereinsvorstandes.

Dass die neue Tierheimleiterin gekündigt wurde, berichtete zunächst das „Abendblatt“. Erst vor wenigen Wochen hatten die Vereinsmitglieder über das Magazin „Ich&Du“ erfahren, dass eine junge Frau die Leitung des Tierheims übernimmt – und schon ist sie wieder weg. Nach MOPO-Informationen wurde nicht einmal sie selbst über die Gründe für die Kündigung aufgeklärt. Da sie sich noch in der Probezeit befand, muss der Arbeitgeber eine Kündigung nicht begründen. Könnte er aber. Doch Nachfragen bei der Pressestelle des Vereins werden abgewiegelt, man äußere sich nicht zu Personalangelegenheiten.

Tierschutzverein: Mitarbeiter unterschrieben für die neue Chefin

Unter den Mitarbeitern herrschen Ratlosigkeit und Bedauern. „Das wüssten wir alle gerne“, sagt ein Kollege auf die Frage, warum die Tierheimleiterin gehen müsste. Die Belegschaft hat sogar Unterschriften für die geschasste neue Chefin gesammelt – vergeblich. Der Vorstand kündigte ihr.


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Einen Einblick, wie es im Hamburger Tierschutzverein hinter den Kulissen aussieht, bietet ein Eintrag auf dem Bewertungsportal „Kununu“. Angestellte können hier anonym ihren Arbeitgeber bewerten, und was dort vor wenigen Tagen über die Arbeitsatmosphäre beim Hamburger Tierschutzverein geschrieben wurde, wirft ein verheerendes Licht auf den Vereinsvorstand. „Der Vorstand übt seine Macht willkürlich aus – die Meinung der Mitarbeitenden findet kein Gehör“, steht dort und: „Stellt sich eine Führungskraft auf die Seite der Mitarbeitenden, wird vom Vorstand die Kündigung aktiv vorangetrieben.“

HTV: Kritik am Vereinsvorstand

Und weiter: „Der gesamte finanzielle Bereich wird bewusst nicht offengelegt; es existieren weder eine klare Strategie noch konkrete Zielsetzungen. Stattdessen verliert man sich wiederholt in Ausreden und weist die Verantwortung pauschal der Stadt zu. Der Tierschutz wird dabei deutlich hinter persönlichen und finanziellen Interessen zurückgestellt.“ Der Hamburger Tierschutzverein bekommt neuerdings knapp sechs Millionen Euro jährlich von der Stadt für die Aufnahme gefundener und sichergestellter Tiere – eine Verdreifachung der Summe im Vergleich zu 2022. Dennoch sind die Gebäude so marode und der Platz so knapp, dass immer wieder temporäre Aufnahmestopps verhängt werden. Brachte die neue Leiterin zu viel frischen Wind mit? „Wer versucht, Neuerungen umzusetzen, riskiert eine Kündigung“, heißt es in dem Post bei „Kununu“.

Schon früher gab es Ärger im Verein

Es ist nicht das erste Mal, dass interne Zustände des Hamburger Tierschutzvereins öffentlich thematisiert werden. Im Jahr 2020, zu Zeiten des damaligen Vorstandes, gab es eine gigantische Pressekampagne, initiiert von einem Teil der Vereinsmitglieder, die die neue strenge Linie der Vorsitzenden (etwa nur noch vegane Kost beim Tierheimfest) und deren Auslandstierschutz nicht mittragen wollten, ihr mangelnde Führungskompetenz vorwarfen. Es gab eine große Schlammschlacht, das Veterinäramt führte Razzien im Tierheim durch, Mitarbeiter kündigten, die umstrittene Vorsitzende wurde abgewählt.

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Neue Vereinschefin wurde 2020 Tierpflegerin Janet Bernhardt, Veterinärin Urte Inkmann übernahm das Tierheim, die damalige Tierheimleiterin musste gehen. 2024 wurde der Vereinsvorstand um Bernhardt im Amt bestätigt. Inkmann gab im September 2025 die Position an der Spitze des Tierheims auf eigenen Wunsch auf – ihre Nachfolgerin wurde nun nach wenigen Wochen gekündigt. Die Stelle ist neu ausgeschrieben.

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