Blick in den Innenhof einer neuen Wohnanlage am Stadtpark.

Wohneigentum bleibt Ausnahme in Hamburg. (Archivbild) Foto: picture alliance/dpa/Christian Charisius

Teure Immobilien: 470.000 Hamburger gehören zur „Verlierer-Generation“

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Eigentum wird in Hamburg zum Luxus: Hohe Preise und teure Kredite drängen immer mehr junge Menschen vom Immobilienmarkt. Experten sprechen bereits von einer „Verlierer-Generation“ – mit möglichen Folgen bis ins Rentenalter.

Weil Immobilienpreise und Finanzierungskosten hoch bleiben, rückt der Traum von den eigenen vier Wänden für viele immer weiter weg, wie der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel mitteilt. Besonders hart trifft es die junge Generation – rund 470.000 Hamburgerinnen und Hamburger zwischen 25 und 40 Jahren gelten inzwischen als „Verlierer-Generation“ auf dem Immobilienmarkt. Experten warnen: Wer heute nicht kaufen kann, zahlt womöglich ein Leben lang Miete – und trägt das Risiko bis ins Alter.

Eigentum bleibt in Hamburg die Ausnahme

„Die eigenen vier Wände rangieren bei den Menschen zwar immer noch ganz oben auf der Wunschliste. Aber gerade die 25- bis 40-Jährigen können sich immer seltener ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung leisten“, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Das Institut hat den regionalen Wohnungsmarkt analysiert und die Ergebnisse nun vorgelegt. „Gerade Jobstarter und Familiengründer gehören zur typischen Klientel für Wohnungskauf und Hausbau. Aber die ‚Nestbauer-Generation‘ ist längst zur Verlierer-Generation beim Wohneigentum geworden“, sagt Günther.


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Während bundesweit rund 43,5 Prozent der Menschen in den eigenen vier Wänden leben, liegt die Eigentumsquote in Hamburg laut einer aktuellen Analyse bei gerade einmal 21,1 Prozent. Das bedeutet: Die große Mehrheit der Hamburger lebt weiterhin zur Miete.

Zwar gibt es in der Stadt rund 209.200 Wohnungen, die von ihren Eigentümern selbst genutzt werden. Doch gemessen an der Gesamtzahl der Haushalte bleibt Wohneigentum eher die Ausnahme. Etwa ein Drittel dieser Eigentümer wohnt in Eigentumswohnungen, der Rest vor allem in Häusern.

Junge Generation hat kaum noch Chancen

Besonders schwierig ist die Lage für jene Altersgruppe, die traditionell Wohnungen kauft oder Häuser baut: Rund 470.000 Hamburgerinnen und Hamburger zwischen 25 und 40 Jahren leben derzeit in der Stadt. Doch steigende Immobilienpreise, hohe Zinsen und fehlendes Eigenkapital machen den Einstieg für viele nahezu unmöglich.

Experte Günther beobachtet deshalb einen deutlichen Trend: Immer mehr Menschen bleiben dauerhaft Mieter – nicht aus freier Entscheidung, sondern weil Eigentum finanziell außer Reichweite gerückt ist. Viele Eigenheimpläne scheitern an der Realität des Marktes.

Eine Studie des German Real Estate Index (GREIX) aus dem vergangenen Jahr ergab, dass Millennials heutzutage über 17 Jahre sparen müssen, bevor sie sich in Hamburg eine Eigentumswohnung leisten können. Bei der Babyboomer-Generation waren es vergleichsweise kurze 7,7 Jahre. Die Studie bezieht sich auf eine Sparquote von 20 Prozent, die bei den Hamburger Mietpreisen bereits für viele schwer zu erreichen ist.

Forderung nach staatlicher Hilfe

Die Entwicklung könnte langfristige soziale Folgen haben. Wer zur Miete wohnt, muss auch im Ruhestand weiter laufende Wohnkosten stemmen – während Eigentümer im Idealfall mietfrei leben. Günther warnt deshalb vor einem wachsenden Risiko von Altersarmut: Viele Rentner müssten künftig einen immer größeren Teil ihres Einkommens fürs Wohnen aufbringen.

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Verbände aus der Bau- und Wohnungswirtschaft fordern deshalb neue Förderprogramme. Nach dem Auslaufen früherer Zuschüsse wie Baukindergeld oder Eigenheimzulage fehle vielen Haushalten die finanzielle Starthilfe, heißt es. Gefordert werden unter anderem direkte Zuschüsse und günstige Kredite, um auch Durchschnittsverdienern wieder den Kauf einer Wohnung oder eines Hauses zu ermöglichen.

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