Tempelruine in Hamburg: Jetzt werden ihre Geheimnisse gelüftet
Die Ruine des jüdischen Tempels in der Poolstraße (Neustadt) ist ein ganz besonderer Schatz: Der Ort gilt als Wiege des liberalen Judentums. Um ihn zu retten, kaufte die Stadt das Grundstück schon im Jahr 2020. Mit Laserscans und Georadar haben Experten im vergangenen Jahr umfassende Untersuchungen durchgeführt. Jetzt gibt es erste Hinweise darauf, was alles unter der Oberfläche schlummert sowie einen Plan, wie es jetzt weitergeht.
„Es war ein bisschen Gefahr im Verzug, was das Objekt angeht”, sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) am Donnerstag über den Kauf des Gebäudes. Knapp vier Millionen Euro zahlte die Stadt einst für die bröckelige Ruine – und startete mit der Rettung. „Mit der Fortsetzung der Untersuchungen und Sicherungsmaßnahmen übernehmen wir Verantwortung für dieses bedeutende kulturelle Erbe”, so Dressel.
Tempelruine Poolstraße: Ein Stück jüdische Geschichte
Der Großteil der Ruine ist für die Öffentlichkeit derzeit nicht zugänglich. In einem Hinterhof an der Poolstraße 12 verbirgt sich der Apsisbau der Tempelruine. Der Blick wird meist durch ein Tor versperrt, doch das soll sich noch in diesem Jahr ändern. Derzeit arbeitet die Stadt an einer Idee, wie die Besucher – eventuell durch eine Glasscheibe – bald direkt auf den Bau schauen können.
Der Tempel wurde 1844 als erster einer eigenständigen jüdischen Gemeinde in Deutschland eingeweiht. Bis 1931 wurde er für Gottesdienste genutzt. Im Zweiten Weltkrieg zerstörte eine Fliegerbombe die Anlage zu großen Teilen. Seit 2003 steht sie unter Denkmalschutz.

Mithilfe einer Geodaten-Vermessung und eines Laserscans der Ruine konnten jetzt erste Erkenntnisse über das aktuelle Innenleben gewonnen werden: Einige historische Ziersäulen, die noch aus der Zeit des Israelitischen Tempels stammen, sind wohl erhalten geblieben. Hinter einer später eingezogenen Wand vermuten die Geowissenschaftler weitere Originalteile des Tempels.
Schutt in Tempelruine muss weg
„Es gibt jede Menge Bereiche, wo Fragen offen sind, die durch Ausgrabungen geklärt werden”, sagt Martin Stübs vom Amt für Geoinformation aus Essen, das die Messungen in Hamburg durchgeführt hat. Der gesamte Vorplatz des Tempels hat früher etwa eineinhalb Meter tiefer gelegen und wurde dann mit Bauschutt aufgefüllt. Der soll jetzt weg.

Hier übernimmt das „Projekt: Tempel” – ein Team aus Bauforschern, Restauratoren und Vermessern. Im Frühjahr und Sommer dieses Jahres wollen die Experten mit der Abtragung und der Untersuchung des Schutts beginnen. Zudem sichern sie die Ruine weiter, so entsteht zum Beispiel ein neues Schutzdach gegen die Witterung. Anschließend können voraussichtlich im Spätsommer erste archäologische Schürfungen starten.
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Für die Öffentlichkeit gibt es aktuell bereits die Möglichkeit, den ehemaligen Tempel virtuell zu erkunden. Außerdem soll es im Rahmen des Architektursommers und des Tages des Offenen Denkmals in diesem Jahr weitere Veranstaltungen für Interessierte geben.
Der weitere Zeitplan: „Ab Ende 2027 werden wir final wissen, welche archäologischen und historischen Rahmenbedingungen uns die Tempelruine gibt und welche weiteren Nutzungen konkret möglich sind”, sagte Dressel. Parallel läuft bereits ein Beteiligungsverfahren mit Workshops, um eine künftige Nutzung der Ruine mit verschiedenen Interessengruppen zu erörtern.
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