Tausende Wohnungen stehen leer: Dieser Bezirk ist die Hochburg der Geisterhäuser
Wer in Hamburg ein neues Zuhause sucht, der braucht viel Geduld, gute Nerven und vor allem ein hohes Einkommen. Der knappe Wohnungsmarkt macht es Vermietern möglich, teils absurd hohe Mietpreise zu verlangen. Umso schlimmer, dass gleichzeitig mehr als 2000 Wohnungen in der Hansestadt leer stehen – in einem Bezirk sind es ganz besonders viele. Es gibt aber auch eine gute Nachricht.
Insgesamt 2331 Wohnungen sind in Hamburg ungenutzt. Das zeigt eine aktuelle Anfrage des CDU-Bürgerschaftsabgeordneten André Trepoll. Er bezeichnet diese Zahl der MOPO gegenüber als alarmierend.
So viele Wohnungen stehen in den Hamburger Bezirken leer
Auf dem (traurigen) Platz 1 landet wieder mit großem Abstand der Bezirk Hamburg-Mitte. 647 Wohnungen stehen dort zurzeit leer, das sind 120 mehr als noch im Mai 2023. Dahinter folgen die Bezirke Altona und Wandsbek, hier sind jeweils 446 beziehungsweise 437 Wohnungen unbewohnt. In Hamburg-Nord und Eimsbüttel sind es 356 und 215 Stück. Auf den hinteren Plätzen landen Harburg mit 194 leerstehenden Wohnungen und Bergedorf mit „nur“ 36. In der Summe hat sich die Zahl der Leerstände im Vergleich zum vergangenen Jahr kaum verändert.
„Noch alarmierender ist es, dass die zuständigen Stellen in manchen Bezirken weder wissen, wie lange der jeweilige Leerstand besteht noch aus welchen Gründen das so ist“, kritisiert Trepoll. „Hier muss endlich etwas geschehen!“
Warum stehen so viele Hamburger Wohnungen leer?
Nur in Altona, Eimsbüttel, Bergedorf und Harburg sind die einzelnen Gründe den Behörden bekannt: In den meisten Fällen liegt es demnach daran, dass die Häuser entweder saniert, abgerissen oder neu gebaut werden. Zu einem geringen Teil stecken dahinter Erbstreitigkeiten, bei einigen ist der Grund noch Teil aktueller Ermittlungen. Bei den restlichen Bezirken gibt es keine systematische Übersicht, heißt es in der Senatsantwort. Dazu müssten hunderte Akten händisch ausgewertet werden.
Eines der prominentesten Leerstände ist das Gründerzeithaus in der Grindelallee 80, das seit 2019 leersteht. Damals musste der Bezirk das Gebäude aus Sicherheitsgründen räumen lassen, bereits Jahre vorher klagten die Mieter über Wasserschäden, Schimmel und defekte Heizungen. Der Bezirk Eimsbüttel verhängte in den darauffolgenden Jahren zwar immer weiter Zwangsgelder wegen des Leerstandes an den ehemaligen Eigentümer Sven B., diese wurden jedoch nie bezahlt. Weil B. auch bei anderen Gläubigern inzwischen Schulden in Millionenhöhe angehäuft hatte, kam in dieser Woche endlich Bewegung in das Verfahren. Das Haus wurde für fünf Millionen Euro zwangsversteigert, die neuen Eigentümer wollen dort jetzt neuen Wohnraum schaffen.
Bei diesem Objekt gibt es also wieder Hoffnung – in vielen anderen Fällen verhängten die Bezirke erst einmal weiterhin Bußgelder: In Hamburg-Nord waren es zum Beispiel im vergangenen Jahr insgesamt elf Stück zwischen 1000 und 5000 Euro, in Hamburg-Mitte im diesem Jahr bereits zehn Bußgelder in Höhe von 5000 bis 10.000 Euro.
Leerstandsquote in Hamburg bleibt trotzdem niedrig
„Gerade vor dem Hintergrund, dass der Senat die Wohnungsbauziele im letzten Jahr erheblich verfehlt hat, ist es umso wichtiger, dass Bestandswohnungen nicht jahrelang leer stehen, sondern Mietern zur Verfügung gestellt werden“, fordert Trepoll. Gerade einmal 5999 neue Wohnungen wurden im Jahr 2023 fertig gebaut. Das sind 35 Prozent weniger als noch im Jahr 2022 und es ist sogar der niedrigste Wert seit dem Jahr 2012.
Der Senat hält dagegen, dass die Hamburger Leerstandsquote von 0,4 Prozent weiterhin deutlich niedriger sei als im Rest Deutschlands. Der bundesweite Durchschnitt beträgt 2,5 Prozent. Nur in Berlin sind es mit 0,3 Prozent noch ein bisschen weniger. Übrigens: Seit Juli 2023 können alle Hamburgerinnen und Hamburger einen Leerstand auch online über das Serviceportal der Stadt melden.