Tausende Wohnungen, Plätze, Radwege: Diese Hauptstraßen will der Senat umbauen

So könnte die Spaldingstraße einmal aussehen.
So könnte die Spaldingstraße in Hammerbrook einmal aussehen.

Wohnen an einer besonders stark befahrenen Straße wie der Kieler Straße? Oder an Cuxe oder Edmund-Siemers-Allee? Wenn es sich vermeiden lässt, dann würden die meisten wohl dankend drauf verzichten. Doch Hamburg braucht dringend Wohnraum und die Stadt will deshalb, dass an den großen Ausfallstraßen gebaut wird. Allerdings geht der Senat dabei auch von drastisch reduziertem Autoverkehr aus. Der Senat hat nun den „Masterplan Magistralen“ beschlossen, der die Marschrichtung für die Bezirke vorgibt. Es geht immerhin um 160 Kilometer Straße.

Wie genau sich die durch viel Verkehrslärm und Emissionen geprägten Straßen denn nun verändern sollen, das ist häufig noch sehr schwammig. Im Magistralen-Konzept heißt es dazu: „Die schon heute lebendigen Zentren und Bereiche der Inneren Stadt sollen durch vielfältige Erdgeschosszonen, attraktive grüne Räume und mehr Platz für den Fuß- und Radverkehr gestärkt werden.“

Blick auf die Grindelallee
So könnte es an der Grindelallee einmal aussehen.

Die Magistralen weiter draußen hingegen, die an die S-Bahn angeschlossen sind, sollen durch „zusätzliches Wohnen und Gewerbe sowie die Entwicklung gemischter Quartiere lebendiger werden“, allerdings ohne ihren grünen Charakter zu verlieren. Betont wird, dass jede Magistrale einzeln betrachtet werden müsse. Dort, wo es möglich ist, sollen die Magistralen etwa zugunsten des Bahn- und Busnetzes sowie des Rad- und Fußverkehrs umgestaltet werden. Lücken sollen bebaut und auch in zweiter und dritter Reihe nach Baumöglichkeiten geguckt werden.

Hamburgs Ausfallstraßen sollen sich verändern

Gleichzeitig soll der Umbau der Straßen auch für eine „klimagerechte Gestaltung der Magistralen genutzt werden, zum Beispiel durch zusätzliche schattenspendende Bäume und Grünräume, die Regenwasser speichern und versickern lassen“. Das alles klingt etwas nach der Quadratur des Kreises. Mehr Wohnungen und Gewerbe, gleichzeitig mehr Radwege und mehr Grün entlang der Straßen – und der Verkehr soll auch noch fließen.

Im Bezirk Harburg wird bereits seit einem halben Jahr mit Stadt- und Verkehrsplanern an einem Konzept für die B73 (Cuxhavener Straße) gearbeitet. Und in Lokstedt und Stellingen hat sich die Stadt Anfang des Jahres den Zugriff auf Grundstücke entlang der Magistralen gesichert. Viel mehr ist bisher noch nicht zu merken von der großen Magistralen-Strategie, die bereits vor mehr als fünf Jahren angekündigt wurde.

Das Netz der Magistralen
An diesen Ein- und Ausfallstraßen soll ganz neu geplant werden.

Hier setzt auch die Kritik der CDU an. Bereits 2020 habe es erste Teilbereiche gegeben, an denen begonnen werden sollte. Dazu Anke Frieling, stadtentwicklungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion: „Es lässt sich festhalten: Nach drei Jahren ist kein einziger rechtskräftiger Bebauungsplan entstanden.“

Karen Pein: Behutsam und entschlossen verändern

Karen Pein, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, sagte bei der Vorstellung des Konzepts: „Wir wollen Hamburgs Magistralen in den kommenden Jahren behutsam, aber entschlossen verändern: zu attraktiven Wohn- und Arbeitsorten und zu zukunftsfähigen und klimaangepassten Orten der Mobilität.“ Man setze dabei auf den Dialog mit den Menschen, die dort wohnen, und den Eigentümern.

Der Masterplan bezieht sich konkret auf zwölf Magistralen, die wichtige Verbindungsfunktionen zwischen den Stadtzentren, den einzelnen Quartieren innerhalb der Stadt und dem Hamburger Umland übernehmen. Dazu zählen acht nördlich der Elbe verlaufende Magistralen, zwei Magistralen südlich der Elbe in Harburg, der sogenannte Ring 2, der halbkreisförmig um die Innere Stadt führt und die Verbindungsachse über die Elbinseln.

Zwölf Hamburger Magistralen werden überplant

Diese Straßen sind gemeint: Budapester Straße/Wedeler Landstraße, Bahrenfelder Chaussee/Luruper Hauptstraße, Kieler Straße (B4)/Holsteiner Chaussee, Edmund-Siemers-Allee/Schleswiger Damm, Alsterkrugchaussee/Langenhorner Chaussee, An der Alster/Bergstedter Chaussee, Steindamm/Meiendorfer Straße, Amsinckstraße/Holtenklinker Straße (B5), Wilstorfer Straße/Hittfelder Straße (B4), Hannoversche Straße/Cuxhavener Straße (B73), Ring 2, Amsinckstraße/Hannoversche Straße. Für diese zwölf Ausfallstrecken formuliert der Masterplan mögliche Zukunftsvisionen, die in den kommenden Jahren konkretisiert und umgesetzt werden sollen.

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Schnell passieren wird an vielen der Straßen wohl nichts. Denn oftmals müssen für Veränderungen auch Bebauungspläne geändert werden – und das dauert Jahre. So ist im Konzept auch die Rede von einer „Generationenaufgabe“. Geplant wird auf viele Jahre in die Zukunft. Das bedeutet auch, dass sich der Verkehr bis dahin deutlich verändert haben könnte – beziehungsweise sollte. So geht der Senat dabei von weniger Pkw-Individualverkehr, aber dafür von mehr E-Autos aus.

Kritik an der Planung kommt von der Linken, die befürchtet, dass vor allem ärmere Bevölkerungsschichten dort wohnen sollen. Heike Sudmann: „Sorgen bereitet mir auch die erkennbare Tendenz, den geförderten Wohnungsbau vor allem als Lärmriegel an den Straßen zu nutzen. Wenn die Magistralen kein attraktiver Leben- und Wohnraum für alle werden, dann ist das Konzept gescheitert.“

Der BUND fordert zunächst eine Lösung der Verkehrsprobleme, statt nur darauf zu hoffen, dass sich das von selbst löst. Sabine Sommer, Vorsitzende des BUND Hamburg, kommentiert: „Die Magistralen haben große Potentiale, Hotspots der Stadtentwicklung zu werden. Wenn sich die Magistralen als „Orte der Mobilitätswende“ entwickeln sollen, muss der Hamburger Senat zuallererst das Verkehrsproblem der Stadt lösen. Technische Neuerungen wie E-Mobilität als die Lösung zu sehen, ist zu kurz gedacht. Wir brauchen eine Veränderung auf ganzer Linie: Weniger Autoverkehr, weniger Parkplätze, der Ausbau von Fuß-, Radverkehr und des Verkehrsverbundes, entsiegelte, begrünte Flächen, mehr Straßenbäume, mehr Fassadenbegrünung und vor allem: Mehr Platz für Menschen. Wie groß mag die Wohnqualität sein, wenn die Luft mit Abgasen belastet, die Umgebung durch massive Versiegelung hitzebelastet und es dazu laut ist? Da kann doch irgendwann niemand mehr wohnen.“

Wohnen an einer besonders stark befahrenen Straße wie der Kieler Straße? Oder an Cuxe oder Edmund-Siemers-Allee? Wenn es sich vermeiden lässt, dann würden die meisten wohl dankend drauf verzichten. Doch Hamburg braucht dringend Wohnraum und die Stadt will deshalb, dass an den großen Ausfallstraßen gebaut wird. Allerdings geht der Senat dabei auch von drastisch reduziertem Autoverkehr aus. Der Senat hat nun den „Masterplan Magistralen“ beschlossen, der die Marschrichtung für die Bezirke vorgibt. Es geht immerhin um 160 Kilometer Straße.