Tausende Wohnungen in neuem Vorzeige-Quartier – und die S-Bahn kommt Jahre zu spät
Auf den eindrucksvollen Visualisierungen des neuen Hamburger Hightech-Quartiers ist es am Rand schon zu erkennen: Ein grünes, rundes Symbol mit einem „S“ in der Mitte, das Zeichen für eine S-Bahn-Haltestelle. Schließlich soll in der Science City Bahrenfeld im Hamburger Westen einmal die neue Linie S6 halten und nicht nur die neuen Bewohner, sondern auch die lange vernachlässigten Stadtteile Lurup und Osdorf anbinden. Bis es so weit ist, wird es aber noch dauern.
Tatsächlich wird mit dem Bau der neuen S-Bahn-Linie erst begonnen, wenn die meisten der geplanten 3800 Wohnungen schon längst stehen. Letzteres soll laut den Verantwortlichen im Senat und in der Science City GmbH bis zum Jahr 2040 der Fall sein. Dazu kommen zwei neue Schulen, zehn Kitas sowie Labore und Uni-Einrichtungen für 2000 Wissenschaftler und Studenten. Die Fläche der künftigen Science City erstreckt sich auf 55 Hektar entlang des Volksparks über das Gelände der Trabrennbahn sowie die östlich daran anschließenden, derzeitigen Kleingartenanlagen und den in Bau befindlichen Autobahndeckel A7 bis zum Holstenkamp.
Warum zieht die S6 nicht gleich mit in die Science City?
Warum aber zieht die S-Bahn nicht gleich mit ins Quartier? Bei der HafenCity war es immerhin die Faustregel gewesen: Die U-Bahn-Linie sollte schon da sein, wenn die ersten Häuser fertig sind. 2007 begann die Hochbahn bereits mit dem Bau der U4, die seit 2012 zur HafenCity Universität und seit 2018 auch bis zu den Elbbrücken pendelt.
Das Problem ist ein Vorhaben mit dem sperrigen Namen „Verbindungsbahnentlastungstunnel“ (VET). Dieser soll die S-Bahnen vom Hauptbahnhof aus unterirdisch mit dem neuen Fernbahnhof Altona am Diebsteich verbinden und damit mehr Platz für Fernzüge am überlasteten Hauptbahnhof machen. Das Milliardenprojekt steckt allerdings noch in der Anfangsphase, Ende 2024 soll erst einmal der endgültige Streckenverlauf präsentiert werden.
Ab wann kann der Bau der S6 voraussichtlich beginnen?
Der Bau der S6 kann laut den Planungen der Bahn allerdings nicht vor Inbetriebnahme dieses Tunnels beginnen. Das wird voraussichtlich frühestens ab 2040 der Fall sein, also wenn die Science City (wahrscheinlich) schon fast fertig ist. Bedeutet für die dann frisch eingezogenen Bewohner voraussichtlich: Lärm, Dreck und Stress.
Der Entwurf sieht eine 500 Meter lange und 40 Meter breite Schneise in der Science City vor, auf der bis zum Beginn der Bauarbeiten erst einmal Bäume gepflanzt werden. Ist der S6-Tunnel dann fertig, kommen oben drauf wieder Bäume.
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„Dieser Entwurf hat sich jetzt durchgesetzt, weil er Bauabschnitte ermöglicht, die erst mal unabhängig von der S-Bahn entstehen können“, sagte Bausenatorin Karen Pein (SPD) dem NDR. Bis die S6 kommt, sollen die neuen Anwohner der Science City die Express-Buslinien nutzen.
Schlechte Nachrichten für alle in Lurup und Osdorf
Schlechte Nachrichten sind das auch für die Luruper und Osdorfer, die bereits seit mehr als 50 Jahren auf eine Bahn-Anbindung warten. Denn die S6 soll, aus dem Hamburger Süden kommend, auf dem Weg zur Science City auch die beiden vernachlässigten Stadtteile anbinden. Ein genaues Datum, ab wann die S6 im Hamburger Westen dann endlich fährt, gibt es bislang noch nicht. Aber zum Vergleich: Der Bau der laut „Nahverkehr Hamburg“ ähnlichen langen U5-Ost zwischen Bramfeld und der City Nord dauert bis 2033, also insgesamt elf Jahre.