Tausende neue Wohnungen in Altona: Aber wer wird sich die überhaupt leisten können?
Jahrelang war der Preis für das Holsten-Areal in Altona von Spekulanten in die Höhe getrieben worden. Jetzt will der neue Eigentümer, ein Hamburger Konsortium, auf dem ehemaligen Gelände der Holsten-Brauerei endlich 2000 neue Wohnungen bauen. Die eine Hälfte soll Sozialwohnungen werden oder für Studierende und Azubis zur Verfügung stehen, die andere Hälfte frei finanzierter Wohnraum. Aber zu welchem Preis? Die MOPO hat nachgefragt und Experten um eine Einschätzung gebeten – mit ernüchterndem Ergebnis.
Rund 5000 Menschen sollen im neuen Holsten-Areal ab 2030 ein Zuhause finden. So kündigt es das Konsortium an. Projektentwickler Quantum und HanseMerkur Grundvermögen haben sich in Kooperation mit dem städtischen Wohnungsunternehmen Saga und der Hamburger Sparkasse zusammengetan.
Am Montag verkündete Quantum, dass 700 der insgesamt 2000 Wohnungen zum Teil „schlüsselfertig“ und zum Teil als Grundstücke an die SAGA verkauft werden. Fragen zum Verkaufspreis der Wohnungen, ihrer geplanten Größe, den künftigen Mieten und Förderwegen, beantworten die Vertragspartner aktuell nicht.
Holsten-Areal: Miete 20 Euro pro Quadratmeter?
Immobilienexperten gehen davon aus, dass für die frei finanzierten Wohnungen auf dem Holsten-Areal mindestens mit 20 Euro pro Quadratmeter an Nettokaltmiete zu rechnen sei. Eine 65 Quadratmeter große Wohnung könnte demnach zum Beispiel 1300 Euro kalt pro Monat kosten. Angesichts der steigenden Inflation könne sich das aber bis 2030 noch erhöhen. Laut Mietenspiegel liegt der durchschnittliche Preis für eine neue Mietwohnung in diesem Gebiet aktuell bei rund 17 Euro.
Der neue „Hamburg Standard” soll zwar helfen, durch vereinfachtes Bauen die Kosten deutlich zu senken. Ob die Vermieter diesen aber anwenden und letztlich die gesunkenen Kosten auch auf die Mieter übertragen, bleibt ihnen überlassen.
Holsten-Areal in Hamburg: Sozialwohnungen wird es auch geben
Die zweite Hälfte der Wohnungen soll aus Sozialwohnungen sowie Wohnungen für Studierende und Azubis bestehen. Sozialwohnungen sind aber nicht alle gleich „günstig“. Hier kommt es auf den Förderweg an und darauf, wen die Vermieter einziehen lassen.
Grundsätzlich gilt: Je höher der Förderweg, desto höher die zulässige Anfangsmiete. Im ersten Förderweg, für Haushalte mit geringem Einkommen, können rund 8 Euro pro Quadratmeter an Nettokaltmiete verlangt werden. Für den dritten Förderweg – Haushalte mit höherem mittleren Einkommen – sind es schon 12 Euro.
„Wie ich es einschätze, wird beim Holsten-Areal sicherlich auch bei den geförderten Wohnungen geschaut, dass es am Ende ein urban repräsentatives Quartier ist mit entsprechenden Leuten“, sagt Rolf Bosse vom Hamburger Mieterverein auf MOPO-Anfrage. Das könne man dem Vermieter zwar nicht zum Vorwurf machen. „Aber wer Menschen, die langfristig auf eine günstige Wohnung angewiesen sind, keine verschaffen will, muss das nicht.“
Holsten-Areal: Eine Milliarde Euro plus Kaufpreis
Der schwankende Wert des Holsten-Grundstücks gibt ebenfalls einigen zu denken: Bei 65 Millionen Euro lag vor Jahren der ursprüngliche Grundstückswert des Holsten-Areals – nachdem es zum Spekulationsobjekt wurde, stieg der Preis auf bis zu 364 Millionen Euro. Als der letzte Eigentümer, die Adler Group jedoch in finanzielle Schwierigkeiten geriet, veräußerte sie das Grundstück nach Jahren an das Hamburger Konsortium.
Zum Kaufpreis äußerten sich Quantum und Saga bislang nicht – aus Immobilienkreisen heißt es, dass zuletzt etwa 130 Millionen Euro im Raum standen. Zusätzlich will das Konsortium gemeinsam rund eine Milliarde in den Bau der Wohnungen investieren. Nur, das muss natürlich am Ende wirtschaftlich sein.
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Der Initiative „Knallt am Dollsten“, die sich seit Jahren für einen sozialverträglichen Wohnungsbau auf dem Holsten-Areal starkmacht, bereitet der „Mangel an Transparenz“ Sorge. „Wie das zukünftige Holstenquartier beschaffen sein wird, geht die gesamte Stadtgesellschaft an”, sagt Theo Bruns von der Initiative. Er fordert, dass alle entscheidenden Fragen öffentlich diskutiert werden.