Tanken, Heizen, Reisen: Das kostet Hamburg der Iran-Krieg

Containerschiff
Ein Containerschiff der Reederei Hapag-Lloyd liegt am Containerterminal Burchardkai im Hamburger Hafen (Archivbild).

Öl- und Gaspreise steigen rasant, Containerschiffe stecken fest, Touristen kommen nicht nach Hause: Der Krieg im Iran hat weltweit starke Auswirkungen auf die Wirtschaft – auch in Hamburg. Die MOPO zeigt auf, was sich jetzt ändert, wie die Handelskammer die Lage einschätzt, was auf Autofahrer und Touristen zukommt und wie große Reedereien reagieren.

Eine der wichtigsten Handelsrouten, die Straße von Hormus – eine Meerenge zwischen Iran und Oman – ist für Schiffe seit Tagen nicht passierbar. „Für die Hamburger Wirtschaft bedeutet die aktuelle Eskalation in der Konsequenz vor allem höhere Energie- und Transportkosten“, sagt Malte Heyne, Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg. „Insgesamt sehen wir aktuell keine akute Unterbrechung unserer Handelsströme – mit Ausnahme der Luftfracht.”

Rund 1.500 Hamburger Firmen seien in der Golfregion aktiv – Saudi Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate die Haupthandelspartner. „Entscheidend ist die Dauer und die weitere Entwicklung der Lage – je länger die Energiepreise hoch bleiben, desto stärker steigt der Wettbewerbsdruck für unseren Standort“, so Heyne.

Ölpreise steigen: Kraftstoff an der Zwei-Euro-Marke

Die Rohölpreise sind seit den Militärschlägen am Wochenende massiv angestiegen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent kostete am Mittwochmorgen rund 83 US-Dollar (etwa 72 Euro). Zum Vergleich: Am Montagnachmittag lag der Kurs noch bei rund 79 US-Dollar (68 Euro).

An einigen Hamburger Tankstellen, etwa an der Bundesstraße in Eimsbüttel, liegt der Liter Super bereits über der 2-Euro-Marke.
An einigen Hamburger Tankstellen, etwa an der Bundesstraße in Eimsbüttel, liegt der Liter Super bereits über der 2-Euro-Marke.

In Erwartung höherer Beschaffungskosten in der Zukunft stiegen die Preise an den Tankstellen sofort: Super und Diesel – noch zu Vorkriegspreisen eingekauft – kosten inzwischen um die zwei Euro pro Liter. Das spüren viele Hamburger im Portemonnaie: Unter den mehr als 810.000 Privat-Pkw in Hamburg, fährt der Großteil noch mit Verbrennermotor. Wer beim Tanken sparen will, sollte die morgendliche Preisspitze meiden und die Preise verschiedener Tankstellen vergleichen, rät der ADAC.

Wer jetzt seinen Heizöltank auffüllen möchte, muss ebenfalls tiefer in die Tasche greifen. Allerdings werden nur noch etwa sieben Prozent der Hamburger Haushalte mit Öl betrieben.

Auswirkungen auf den Gaspreis

Immerhin jeder zweite Haushalt in Hamburg hat eine Gasheizung. Der Erdgaspreis stieg am Dienstag an der Börse in Amsterdam wegen des Iran-Krieges auf den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren – zeitweise war er mehr als doppelt so hoch wie am Freitag (65 statt 32 Euro).

Grund hierfür ist neben den Einschränkungen im Schiffsverkehr auch ein fortgesetzter Lieferstopp von Flüssigerdgas (LNG) aus Katar. Anders als beim Benzin bekommen die Verbraucher die Auswirkungen nicht sofort zu spüren. „Preisänderungen an den Börsen wirken sich erst mit einem Zeitverzug von bis zu zwölf Monaten auf die Gaspreise für Verbraucherinnen und Verbraucher aus”, sagte ein Sprecher des Vergleichsportals Verivox.

Lebensmittel werden teurer

Der Krieg im Iran könnte nach Einschätzung von Experten die Preise für Verbraucher in Deutschland nicht nur an der Zapfsäule steigen lassen. „Natürlich könnte der Krieg Kosteneffekte bei Lebensmitteln nach sich ziehen. Die Beschaffungswege sind kosten- und energieintensiv“, sagt Boris Hedde, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts IFH Köln.

Schon nach Beginn des Kriegs in der Ukraine stiegen die Preise. Auch viele Produktionsprozesse in der Lebensmittelindustrie wie Trocknen oder Backen sind auf Erdgas angewiesen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) fordert jetzt Entlastungen von der Bundesregierung.

Iran-Krieg: Hamburger Reederei verlangt Krisenzuschlag

Fast alle großen Reedereien wie Maersk, MSC oder Hapag-Lloyd haben den Schiffsverkehr über den Persischen Golf und damit auch den Suez-Kanal untersagt. Die Schiffe werden über die Südspitze von Afrika, das Kap der Guten Hoffnung, umgeleitet. Verzögerungen von drei bis vier Wochen sind die Folge. Zusätzlich führen steigende Ölpreise und höhere Versicherungsprämien zu einem Inflationsschub.

Ein 366 Meter langer Riesenfrachter von Hapag-Lloyd auf der Elbe.
Ein 366 Meter langer Riesenfrachter von Hapag-Lloyd auf der Elbe.

Die Hamburger Reederei Hapag Lloyd verlangt für Fahrten in die Golfregion nun einen Kriegsrisikozuschlag von 1500 US-Dollar (etwa 1300 Euro) pro Standardcontainer. Laut eines Sprechers liege der Fokus aktuell darauf, den Crews auf den Schiffen zu helfen.

Trotz dieser Entwicklung setzen viele Anleger auf Gewinne bei Hapag Lloyd durch steigende Frachtraten. Ähnlich wie es in der Corona-Krise der Fall war. Der Aktienkurs ist seit Beginn der Militärschläge steil angestiegen. Wie sich die aktuelle Lage auf den Containerumschlag im Hamburger Hafen auswirken wird, ist laut einer Sprecherin der HHLA derzeit noch schwer abzuschätzen.

Hamburger Unternehmen muss Touristen evakuieren

Etwa 30.000 deutsche Touristen saßen am Wochenende aufgrund der Militärschläge fest. Die Airlines Emirates (Dubai), Qatar Airways (Doha) und Eurowings (Erbil und Tel Aviv) haben auch einen Teil ihres Flugangebotes ab Hamburg ausgesetzt. Wer alternative Routen nutzt, muss dafür oft selbst in die Tasche greifen.

„Durch die Sperrung verschiedenster Lufträume ist die Lage zurzeit sehr dynamisch. Zu wirtschaftlichen Auswirkungen können wir derzeit noch keine Aussagen treffen“, sagte eine Sprecherin des Flughafens. Die Bundesregierung hat inzwischen angekündigt, ab Mittwoch besonders vulnerable Gruppen wie Kinder, Schwangere und Kranke zu evakuieren.

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Die Hamburger Reederei TUI Cruises versucht aktuell, Passagiere und Besatzung der Kreuzfahrtschiffe „Mein Schiff 4”(Abu Dhabi) und „Mein Schiff 5” (Doha) aus der Golfregion zu holen. Am Dienstag startete ein erster Flug mit 218 Gästen der „Mein Schiff 4” von Dubai nach München. Aktuelle Informationen zur Rückreise finden sich auf der Webseite des Veranstalters. Im Gegensatz zu TUI Cruises hatte die Rostocker Aida-Reederei bereits im Sommer 2025 entschieden, in der kommenden Saison keine Winterkreuzfahrten in der Golfregion anzubieten – aus Sorge vor der schon damals instabilen Lage.