Sturzbäche im Treppenhaus – Schnittchen für Anwohner: Aus SAGA-Sicht lief alles gut

Zwei schwere Rohrbrüche legten zwei SAGA-Hochhäuser in Wilhlemsburg am vergangenen Wochenende lahm.
Zwei schwere Rohrbrüche legten zwei SAGA-Hochhäuser in Wilhelmsburg kürzlich lahm.

Es ist der Albtraum für die Mieter in zwei SAGA-Hochhäusern in Wilhelmsburg: Ein paar wenige Wassertropfen an der Decke verwandelten sich am vergangenen Wochenende plötzlich in Sturzbäche. Inzwischen wird Kritik am Vorgehen des Vermieters SAGA laut – gegen die sich das städtische Wohnungsunternehmen allerdings vehement wehrt. Der „strukturierte Notfallplan“ sei auch in diesem Fall angewandt und ausgeführt worden. Wie geht es vor Ort jetzt weiter?

In der Nacht von Freitag auf Samstag hörten die Mieter im Erlerring 10 plötzlich einen lauten Knall. Und dann kam auch schon das Wasser: „Das war wirklich heftig, das Wasser ist wie ein Wasserfall durchs Haus geschossen. Man konnte weder hoch noch runter“, erzählt Anwohnerin Kathrin Schwarz (55), die seit fünf Jahren in dem Hochhauskomplex lebt. Das Gebäude ist Teil der Großwohnsiedlung Kirchdorf-Süd im Süden Wilhelmsburgs.

SAGA Wilhelmsburg: Zwei Rohrbrüche innerhalb kürzester Zeit

Einige Wohnungen wurden auch geflutet – je weiter oben, desto mehr“, erzählt Schwarz. Viele hätten noch versucht, ihr Hab und Gut vor den Wassermassen zu schützen, oft vergeblich.

Das Wasser strömte am Freitagabend durch das Gebäude in Wilhelmsburg.
Das Wasser strömte am Freitagabend durch das Gebäude in Wilhelmsburg.

Nur wenige Stunden zuvor, knapp 400 Meter entfernt, war es auch im Karl-Arnold-Ring 53 zu einem ähnlichen Vorfall gekommen. Grund waren laut der SAGA jeweils Rohrbrüche in der Feuerlöschleitung.

„Der Wasseraustritt konnte in beiden Fällen durch das Abstellen der Hauptwasserzuleitungen gestoppt werden“, heißt es in einer Stellungnahme der SAGA am Montag. Beide Feuerlöschanlagen seien erst 2018 bei einer Modernisierung der Haustechnik komplett erneuert worden und bislang störungsfrei gelaufen.

Strom musste in den SAGA-Hochhäusern teils abgestellt werden

Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr gingen durch die einzelnen Wohnungen und entschieden schließlich, den Strom im Erlerring 10 komplett abzuschalten. Beschädigt sind laut der SAGA vor allem die Treppenhäuser, Kellerräume und Aufzugschächte. Im Karl-Arnold-Ring 53 mussten 30 der insgesamt 80 Wohnungen vom Strom genommen werden.

„Erst hieß es, dass der Strom am Montag wieder angestellt wird, aber jetzt soll es wohl doch noch länger dauern“, sagt Anwohnerin Schwarz. So richtig Bescheid wisse niemand, vor allem die Kommunikation der SAGA funktioniere nur sehr schlecht – viele fühlten sich im Stich gelassen. „Es wurde eine Notfallnummer verteilt, da hing man aber teils fast eine Stunde in der Warteschleife. Allgemein fehlt, dass die mal aktiv auf die Leute zugehen und sagen, was Sache ist.“

Aufnahmen von Freitagabend zeigen, wie hoch das Wasser im Keller des Gebäudes stand.
Aufnahmen von Freitagabend zeigen, wie hoch das Wasser im Keller des Gebäudes stand.

Genau das sei passiert, heißt es wiederum von der SAGA. 15 Mitarbeiter:innen seien direkt vor Ort gewesen, genauso wie die Prokuristin und die Geschäftsstellenleitung. Der Notdienst sei das gesamte Wochenende erreichbar gewesen.

SAGA: Haben Heißgetränke und Imbiss organisiert

Am Montagmorgen seien Info-Stände aufgebaut, sowie Heißgetränke und ein Imbiss organisiert worden. Über Mail und die Mieter-App habe man darüber informiert, genauso wie bei persönlichen Besuchen in den Wohnungen. Ab Montagmittag werde es eine Sondernummer für die Betroffenen geben.

„Schnittchen und Kaffee – viel mehr ist der SAGA bisher nicht eingefallen, und das auch erst nach drei Tagen“, kritisiert Kay Jäger von der Linksfraktion in Hamburg-Mitte zynisch. „Dabei ist die Lage der Menschen in den Hochhäusern dramatisch: kein Strom, keine Kühlschränke, keine Kochmöglichkeit, oft sind die Möbel zerstört und die Tapeten kommen runter. Dass das größte städtische Wohnungsunternehmen derart hilflos auf eine solche Notlage reagiert, ist eine totale Blamage.“

Anwohner berichten von großer Solidarität nach Rohrbruch

Kathrin Schwarz berichtet währenddessen von einer großen Solidarität der Nachbarn untereinander: „Am Sonntag haben wir zusammen mit den Linken und Aktiven aus dem Quartier das Inselhaus aufgemacht und eine Linsensuppe für alle gekocht“, sagt sie. Bei vielen lägen allerdings inzwischen die Nerven blank. Das Inselhaus ist ein nahegelegenes Vereinshaus am Erlerring.

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Insgesamt waren 160 Haushalte betroffen. Wer konnte, kam bei Freunden oder Familie unter, alle anderen Mieter wurden von der SAGA in Hotels einquartiert. Laut Bezirkspolitiker Jäger und Anwohnerin Schwarz hätten die Mieter die Kosten für Internet, Getränke und Essen dort aber selbst übernehmen müssen. Die SAGA widerspricht. Selbstverständlich sei all das von ihnen gezahlt worden. Die Mieter hätten auch immer in ihre Wohnungen gehen können, um Lebensmittel aus den Kühlschränken zu sichern oder provisorisch auf dem Balkon zu lagern.

Seit dem Wochenende liefen die Trocknungsarbeiten in den beiden Gebäuden, auch in den Aufzugsschächten. Eine Elektrofachfirma prüfe die elektrischen Anlagen, ein Ingenieurbüro sei mit einem Instandsetzungskonzept beauftragt worden. Die Mieter könnten bis zum Ende der Arbeiten anderweitig untergebracht werden. Die überwiegende Anzahl der Wohnungen sei aber nutzbar, wenn der Strom wieder aktiviert würde, heißt es von der SAGA. Denn Heizung und Warmwasser funktionierten nach wie vor. Nutzbar heißt für viele der Mieter allerdings nicht gleich wohnbar: Viele Wände sind feucht und muffig, Möbel teils vollgesogen mit Wasser.