Streit um Unterkunft für Geflüchtete: Zeitplan steht fest – Initiative ist überrascht
Es gab viele Stimmen dafür und noch lautere dagegen – 144 Menschen sollen im zweiten Quartal 2025 für rund fünf Jahre auf dem Parkplatz des Botanischen Gartens an der Ohnhorststraße in sechs zweigeschossigen Modulbauten leben. Lautstarker Widerstand von Anwohnern ließ nach der Veröffentlichung der Pläne nicht lange auf sich warten, ein Bürgerbegehren wurde angekündigt, eine Online-Petition gestartet. Aber auch eine Gruppe von ehrenamtlichen Unterstützern bereitet sich seit Bekanntmachung der Pläne auf die angekündigten Menschen vor. Nun gibt es eine Entscheidung.
Ende September sollen die Baumaßnahmen für die Geflüchtetenunterkunft am Botanischen Garten in Klein Flottbek starten. Das bestätigt der städtische Betreiber „Fördern & Wohnen“ gegenüber der MOPO. Sprecherin Susanne Schwendtke: „Es hat sich herausgestellt, dass in der Ohnhorststraße zunächst eine Kampfmittelsondierung durchgeführt werden muss. Diese ist für September vorgesehen. Sobald diese abgeschlossen ist, werden wir mit dem Bau beginnen.“
„Gute Kooperation zwischen allen Beteiligten ist sinnvoll“
Die dem Projekt kritisch gegenüberstehenden „Bürgerinitiative für die erfolgreiche Integration von Asyl- und Schutzsuchenden – IPRO – Integration pro societas e.V. i. Gr.“ ist überrascht. Sprecherin Sahar Hesselbarth (45) zur MOPO: „Von diesem Termin wissen wir nichts. Wir sind nach wie vor im Gespräch mit der Stadt und mit allen Bürgern, die sich engagieren wollen.“ Die Initiative hält andere Standorte für deutlich geeigneter als den Parkplatz an der Ohnhorststraße.
Hesselbarth habe selbst Unterkünfte für Geflüchtete betrieben, begleite und berate heute noch Behörden und Betreiber, erklärt sie: „Es gibt kein optimales Rezept, wie man Menschen zusammenführt. Deshalb ist eine gute Kooperation zwischen allen Beteiligten sinnvoll.“ Da die Stadt nun aber nicht wie gewünscht den Vorschlägen der abwehrenden Initiative gefolgt ist, sei eine Klage in der Vorbereitung.
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Zustimmung für das Projekt gibt es dagegen bei der Gegenbewegung „Flottbek ist bunt“. Sie setzt sich für eine Willkommenskultur ein. Auch die Gruppe „Hamburg für gute Integration“ erklärte, die Unterkunft entspreche der Kernforderung von kleinen Wohnlösungen, die gerecht über die Stadtteile verteilt seien.
Etwa zehn Millionen Euro wird die Unterbringung mit allen geplanten Angeboten kosten. Es sei zwar eine „eigenständige Haushaltsführung“ vorgesehen, aber man brauche laut Sozialbehörde zudem eine Kinderschutzreferentin, jemanden für Krisenintervention, sogenannte Medi-Lotsen, um die Menschen durch die medizinische Versorgung zu steuern. Dazu eine Orientierungsberatung und einen technischen Dienst vor Ort.