Streit über Ausrichtung: Bekannte Bezirkspolitikerin verlässt AfD
Nähe zum rechten Flügel, Demos vor ihrem Privathaus und Ärger mit der Justiz: Nicole Jordan hat als Chefin der AfD-Fraktion Hamburg-Mitte immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt hat sie überraschend ihren Austritt aus der Partei angekündigt – intern gab es zuletzt ordentlich Knatsch.
„Aus gesundheitlichen Gründen habe ich bei der letzten Vorstandswahl nicht erneut kandidiert. In den vergangenen Monaten habe ich zudem festgestellt, dass sich meine Vorstellungen von politischer Kultur, Zusammenarbeit und inhaltlicher Ausrichtung zunehmend von denen des neu gewählten Bezirksvorstandes unterscheiden“, schrieb Jordan in einer Mitteilung.
Dann folgt eine gewaltige Klatsche in Richtung der AfD-Fraktion: Politische Arbeit lebe aus ihrer Sicht von „Verlässlichkeit, gegenseitigem Respekt und der Bereitschaft zum konstruktiven Austausch“. Wo diese gemeinsame Grundlage nicht mehr ausreichend gegeben sei, müssten „konsequente Entscheidungen“ getroffen werden. Ihr Schritt sei kein Bruch mit dem politischen Engagement an sich, sondern Ausdruck eines „verantwortungsvollen Umgangs mit unterschiedlichen Positionen“.
AfD-Bezirkschefin Nicole Jordan verlässt Partei
Zuletzt hatte es in der AfD–Bezirksfraktion Mitte im Februar ordentlich gekracht, als der Abgeordnete Benjamin Mennerich herausgeworfen worden war. Mennerich äußerte sich im „Abendblatt“ nur vage zu den Gründen. Er ließ aber durchblicken, dass er Vorfälle im Zusammenhang mit AfD-Co-Fraktionschefin Nicole Jordan und deren Mann, habe aufklären wollen. „Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Herrn Mennerich war nicht mehr möglich. Er hat sich zu viel erlaubt, das hat nichts mit meinem Mann und mir zu tun“, sagt Jordan damals auf MOPO-Anfrage.

Jetzt geht Jordan selbst. Ihr Mandat als Fraktionschefin will sie weiterhin bis zum Ende der Legislaturperiode ausüben. „Ich wurde von den Bürgerinnen und Bürgern direkt gewählt“, sagte Jordan. Diesen Auftrag werde sie weiterhin mit Engagement wahrnehmen. Ob ihr Mann weiter AfD-Mitglied bleibt, ist unklar.
Proteste vor Jordans Privathaus in Hamburg
Fast zwölf Jahre lang war Jordan nach eigenen Angaben Mitglied der AfD. In dieser Zeit sorgte sie immer wieder für Aufsehen: Jordan galt als Hamburger Frontfrau des formal aufgelösten völkisch-nationalistischen Flügels der AfD um den Faschisten Björn Höcke, von dem sie sich nie distanzierte.
Immer wieder kam es zu Protesten vor ihrem Privathaus in Wilhelmsburg. Dort lud sie gemeinsam mit ihrem Mann Norbert Jordan, ebenfalls AfD-Fraktionsmitglied, öfter zu Parteiveranstaltungen ein. Als Nicole Jordan sich im vergangenen Jahr auf der Demonstration gegen die Schließung des Krankenhauses Groß-Sand in Wilhelmsburg blicken ließ, wird sie mit Rufen wie „Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda!“ vertrieben.
Mehrfach Ärger mit der Justiz
Ärger hat sie auch mit der Justiz: Wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen wurde sie zu einer Geldstrafe verurteilt. Zudem hat das Amtsgericht Hamburg gegen sie einen Strafbefehl wegen des Verdachts des Betrugs erlassen.
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Jordan wird vorgeworfen, regelmäßig Geldpauschalen für die Betreuung ihres Kindes bekommen, das Kind aber während der Sitzung der Bezirksversammlung selbst betreut zu haben. Dagegen hatte Jordan Einspruch eingelegt.
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