Steuererklärung vom Finanzamt: Wer in Hamburg jetzt profitiert
Nie wieder Steuererklärung ausfüllen? Daran, diesen Traum von Millionen Deutschen zu erfüllen, arbeiten die Finanzämter schon seit Jahren – jetzt kommt Bewegung in die Sache. Hamburg startet zusammen mit vier anderen Bundesländern ein Pilotprojekt, zunächst allerdings nur in einem Finanzamt. Das sorgt für Kritik.
Ab Juli 2026 startet ein neues Angebot namens „Steuererklärung mit einem Klick“. Die Idee dahinter ist simpel: Das Finanzamt kennt die meisten Daten ohnehin schon – also erstellt es gleich selbst einen Vorschlag. Der Steuerzahler muss dann nur noch auf „OK“ klicken. Vorerst ist das Angebot allerdings nur für Elster-Nutzer verfügbar, die die Online-Plattform für Steuererklärungen nutzen. Profitieren können vorerst nur „einfache Fälle“ – also ledige, kinderlose Arbeitnehmer oder Rentner.
Pilotprojekt: Ein Finanzamt macht Steuererklärung jetzt leichter
Das zweite Modell, das Hamburg jetzt testet, bietet noch mehr Komfort: Beim Pilotprojekt „Die Steuer macht jetzt das Amt“ bekommen ausgewählte Bürger direkt einen fertigen Steuerbescheid-Vorschlag zugeschickt und können diesem dann über ein vorausgefülltes Antwortformular oder elektronisch über einen QR-Code zustimmen. Elster ist nicht nötig. Wer mit dem Vorschlag nicht einverstanden ist, könne die Steuererklärung selbst machen, heißt es von der Finanzbehörde.
Neben Hamburg nehmen auch Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Schleswig-Holstein und Thüringen an den Pilotprojekten teil. Allerdings wird in der Hansestadt vorerst nur das Finanzamt-Ost mitmachen und das Vorgehen bei rund 5000 bis 7000 Fällen testen.
Menschen, die im Einzugsgebiet anderer Hamburger Finanzämter leben, sollen das Angebot vom nächsten Jahr an nutzen können, wie Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) mitteilte. Er zeigt sich derweil begeistert: „Keine Steuererklärung mehr abgeben? Diesem verbreiteten Wunsch kommen wir in Hamburg mit mehreren Projekten ein Stück näher“, sagt er.
CDU: „Umsetzung nur halbherzig“
Kritik kommt aus der Opposition: Während das Projekt in anderen Bundesländern flächendeckend getestet werde, beschränke sich Hamburg vorerst auf nur ein Finanzamt, bemängelt die CDU-Bürgerschaftsfraktion.
Wer ernsthaft Bürokratie abbauen und den Bürgerservice stärken wolle, dürfe sich nicht mit einem Minimaleinstieg zufriedengeben, sagte der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Dennis Thering. „Hamburg sollte allen Bürgerinnen und Bürgern diesen modernen, unkomplizierten Service anbieten und das Projekt schnell auf alle Finanzämter ausweiten.“
Bund der Steuerzahler sieht Risiken
Der Bund der Steuerzahler begrüßt das Projekt grundsätzlich, weist jedoch auch auf Risiken hin. So bestehe die Gefahr, dass Steuerzahler die Angaben des Finanzamts nicht prüften und etwa steuermindernde Ausgaben nicht angeben würden. Dies könne zu einem Steuerbescheid mit einer zu hohen Steuer führen.
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Der Hamburger Landesvorsitzende, Sascha Mummenhoff, erklärt das so: „Das Finanzamt kennt zwar viele Standarddaten, aber eben nicht alles – keine Handwerkerrechnung, keine zusätzlichen Werbungskosten, keine individuellen Besonderheiten.“ Wer nicht aktiv nachbessere, verschenke bares Geld. Sein Fazit: „Das Verfahren kann den Alltag deutlich erleichtern und ist ein sinnvoller Schritt in Richtung Digitalisierung. Aber es funktioniert nur, wenn die Leute weiter selbst hinschauen.“ Bequemlichkeit könne schnell teuer werden. (prei/dpa)
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