Staus, Büroarbeit auf dem Rad und ein Lied: Verkehrssenator Tjarks beim „N Klub“
Natürlich kam er mit dem Fahrrad zum „N Klub“ – Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne). Und überraschte damit, dass er auf dem Rad auch Büroarbeit macht und beantwortete, wie sehr es ihn reizen würde, in der Bundespolitik mitzumischen.
Es ist gute Tradition, dass der letzte „N Klub“ des Jahres (das N steht für Nachhaltigkeit) in der St.-Pauli-Kirche am Pinnasberg stattfindet. Der klassizistische Sakralbau macht dabei immer wieder Eindruck und ist dieses Mal Kulisse für gemeinsames Singen – auch das gibt es beim „N Klub“ nur in der Kirche: „Macht hoch die Tür“ – ein 400 Jahre altes beliebtes Adventslied voller Hoffnung und Barmherzigkeit. Danach folgten am Montagabend Impulsvorträge und Talks bei Glühwein und Schnittchen.

„Wann liest du die ganzen Mappen mit Informationen“, wollte Moderator und „N Klub“-Gründer Lars Meier vom Verkehrssenator wissen. Denn die Senatskollegen ackern ihre Unterlagen im Dienstwagen durch. Aber wie löst das ein Radfahrer wie Anjes Tjarks? Es gibt zwar inzwischen das „papierlose Büro“, aber auch die digitalen Berichte kann man schwer auf dem Rad lesen. „Aber mit kabellosen Kopfhörern telefonieren geht gut“, sagt Tjarks. „Und auch Konferenzen kann man machen.“ „Telefonieren auf dem Rad?“, fragt Meier ungläubig. „Das ist doch verboten.“ Tjarks: „Mit Freisprecheinrichtung darf man das.“
„Beim Thema Baustellen sind viele Fake News im Umlauf“
Und was motiviert einen wie Tjarks, an ein besseres Hamburg zu glauben, wollte Meier wissen. „Pathetisch und banal wie es klingt“, sagt Tjarks, „Hamburg ist meine Heimat. Ich möchte diese Stadt verbessern – dafür lohnt sich jede Anstrengung. Es ist cool, die Stadt mitzugestalten.“
Auch wenn er für Staus auf den Straßen immer wieder scharfer Kritik ausgesetzt ist? „Beim Thema Baustellen sind so viele Fake News im Umlauf“, sagt der Senator. „Wir haben weniger Stau auf Hamburgs Straßen als früher, obwohl wir mehr bauen.“ Aber die Fakten würden oft nicht interessieren, „hinterm Steuer geht es oft um Emotionen“.
Tjarks: „Mich zieht nicht viel nach Berlin“
Kommt nach der Stadt bald das ganze Land, der Ruf nach Berlin? „Mich zieht nicht viel nach Berlin“, sagt Tjarks. „Ich kann hier in Hamburg tolle Sachen machen“ – über das Hochgeschwindigkeits-Transportsystem Hyperloop nachdenken, autonomes Fahren vorantreiben, „Jungfernstieg und Elbchaussee zukunftsgerecht umbauen“. In der Bundespolitik habe er das Gefühl, dass „die nicht als Team agieren“.

Auch beim Zukunftsentscheid für schnelleren Klimaschutz setze er auf Teamarbeit. „Meine These ist, dass auch viele Leute, die dagegen gestimmt haben, für Klimaschutz sind“, sagt der Verkehrssenator. „Sie glauben nur nicht, dass es so schnell geht. Unsere Aufgabe ist es, alle in der Stadt für den Klimaschutz zu begeistern und zu zeigen, dass Veränderung machbar ist.“
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Der „N Klub“, den die MOPO seit 2008 medial unterstützt, bringt engagierte Menschen aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Zivilgesellschaft zusammen. Und innovative Projekte werden auch finanziell unterstützt. So wurde auch wieder der „Haspa Nachhaltigkeitspreis“ verliehen – dieses Mal gingen die 2500 Euro an den Verein KinderKinder. Die Hamburger Initiative ermöglicht Kindern durch kreative Kulturprojekte den Zugang zu Kunst und gesellschaftlicher Teilhabe.
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