Statt Pflegeheim: Neues Wohnkonzept für betagte Hamburger

Barbara Kirsche steht in ihrem Büro am Fenster
Barbara Kirsche koordiniert das Projekt.

Viele ältere Menschen scheuen sich, in ein Pflegeheim zu gehen. In Hamburg gibt es nun ein neues Wohnkonzept, das Menschen ermöglichen soll, in ihrer alten Umgebung zu bleiben. Anstatt in ein Heim zu gehen, können die Seniorinnen und Senioren selbstbestimmt in einer Wohnung leben. Aber wie genau soll das gehen? Die MOPO war vor Ort.

„Hallo, Frau Kirsche!“, tönt es durch das mit Umzugskartons gefüllte Treppenhaus. Der ältere Mann ist gerade frisch eingezogen und hat da mal eine Frage. So geht es vielen Menschen im Wohnhaus in der Kroogblöcke 44. Die SAGA hat ihr Gebäude in den letzten beiden Jahren barrierefrei umgebaut. Nun gehen die Türen per Knopfdruck auf und auch einen Fahrstuhl gibt es in dem Wohnblock aus den 60er-Jahren jetzt. Im Dezember zogen die Ersten ein, jetzt folgt der Rest.

Ein Hochhaus in Horn an einem sonnigen Wintertag.
Lebenslanges Wohnen im Quartier: Hier sollen Seniorinnen und Senioren auch im höheren Alter selbstständig leben können.

„In den ersten Jahren möchte ich die Menschen zusammenbringen, damit sie sich danach selber verwalten“, sagt Barbara Kirsche, Projektkoordinatorin des neuen Wohnkonzepts „LeNa“.Diese Abkürzung steht für Lebendige Nachbarschaft. Wer hier einzieht, muss nicht in ein Seniorenheim gehen – einen Pflegedienst gibt es im Haus, falls doch mal Unterstützung nötig wird. Und Gesellschaft gibt es auch.

Die SAGA hat mit dem Haus in Horn bereits die fünfte „LeNa“-Anlage in Hamburg fertiggestellt. Aus 100 Wohnungen wurden 72 geförderte und barrierefreie Zwei-Zimmer-Wohnungen. Wer hier einzieht, muss mindestens 60 Jahre alt sein oder einen anerkannten Pflegegrad haben.

LeNa soll „lebenslanges, selbstständiges Wohnen“ ermöglichen

Heute ist besonders viel los, weil Karen Pein (SPD), die Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, sich die Anlage anschaut. Das bekommt auch Maria Benatzky mit. Sie wohnt seit Dezember hier und hat sich ihre zwei Zimmer bereits eingerichtet. Eigentlich wollte sie nicht aus ihrer alten Wohnung in Wilhelmsburg ausziehen, aber die Miete war zu hoch und jetzt kann sie endlich wieder alleine einkaufen gehen. Direkt neben der Wohnanlage befindet sich ein Discounter, in dem man auch mit dem Rollstuhl einkaufen kann.

Maria Benatzky sitzt in einem Rollstuhl in ihrem Zimmer
Bewohnerin Maria Benatzky ist bereits eingezogen und fühlt sich in ihrer Wohnung wohl.

Auf ihr barrierefreies Bad angesprochen, freut sich die Seniorin: „In mein altes kam ich nicht mehr rein“, sagt sie etwas verlegen. Die Aussicht sei zwar nur „naja“, sie deutet aus dem Fenster auf drei andere Wohnhäuser, aber sie schaue trotzdem gerne raus. „Immerhin ist die Miete so günstig“, für zwei Zimmer mit insgesamt 50 Quadratmetern zahlen die Mieterinnen und Mieter sieben Euro pro Quadratmeter. Dabei müssen sie nicht wie bei anderen Anbietern zusätzliche Servicekosten zahlen, oder den Pflegedienst verpflichtend in Anspruch nehmen.

Das Ziel von „LeNa“ ist eine „lebendige Nachbarschaft“

Managerin Barbara Kirsche kümmert sich darum, dass die Bewohnerinnen und Bewohner untereinander in Kontakt kommen. Gerade erst gab es einen kleinen Empfang mit Kaffee und Kuchen, bei dem die Seniorinnen und Senioren sich untereinander austauschen können. Besonders Ambitionierte können auch das bereitgestellte Nachbarschaftsbüro beziehen, um ehrenamtlich eigene Veranstaltungen zu organisieren. „Ziel ist, dass sich eine lebendige Nachbarschaft herausbildet“, heißt es von der SAGA. Barbara Kirsche vermutet, dass sich vor allem kleinere Gruppen mit gleichen Interessen bilden werden, wie zum Beispiel Sportgruppen oder Brettspiel-Runden.

In den Gemeinschaftsräume stehen Tische Stühle, im Hintergrund ist die Küche zu sehen
In den Gemeinschaftsräumen können sich die Bewohnerinnen und Bewohner treffen und zusammen kochen.

Neben dem Nachbarschaftsbüro gibt es noch drei weitere Gemeinschaftsräume mit vielen Tischen, Sofas sowie auch eine Gemeinschaftsküche. Im Erdgeschoss befinden sich außerdem ein Büro von der Diakonie, sowie ein Büro des Bodelschwingh-Pflegedienstes.

SAGA vermittelt an Mieterinnen und Mieter aus der Region

In Horn hat die SAGA 4000 Wohnungen, knapp 1000 davon in der Nähe der Straße Kroogblöcke. Die SAGA hatte alle Mieterinnen und Mieter aus dem Gebiet angeschrieben, die für die neuen Wohnungen infrage kamen. Interessierte an dem Konzept können sich auf dieser Webseite für zukünftige Angebote anmelden. Bislang gibt es in den fünf „LeNa“-Anlagen insgesamt 390 Wohnungen. Weitere sind in Planung.

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Bewohnerin Maria Benatzky hat bereits eine Nachbarin kennengelernt und freut sich auf weitere. „Die Lust auf Gemeinschaft ist da“, sagt sie. Mittlerweile sind alle Wohnungen im Haus belegt und bezogen. „Ich bereue meine Entscheidung auf keinen Fall“, sagt sie über ihren Umzug. Jetzt freut sie sich auf die kommenden Jahre, gemeinsam mit vielen Gleichgesinnten.

Viele ältere Menschen scheuen sich, in ein Pflegeheim zu gehen. In Hamburg gibt es nun ein neues Wohnkonzept, das Menschen ermöglichen soll, in ihrer alten Umgebung zu bleiben. Anstatt in ein Heim zu gehen, können die Seniorinnen und Senioren selbstbestimmt in einer Wohnung leben. Aber wie genau soll das gehen? Die MOPO war vor Ort.