Stadt plant drastische Kürzungen: „Weiß nicht, ob ich Mitarbeiter halten kann“

Der Leiter des KiFaZ Café in Barmbek, Olaf Sobczak steht in der Tür des Cafés. Im Hintergrund sind mehrere Besucher:innen zu sehen.
Der Leiter des KiFaZ Barmbek Basch, Olaf Sobczak.

„Alarmstufe Rot!“, warnen Träger der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Familienförderung. 2026 will die Stadt mehrere Millionen weniger für ihre Arbeit ausgeben. Eine Hiobsbotschaft. Jetzt bangen die Träger um Angebote. Im schlimmsten Fall ist in nur wenigen Wochen Schluss.

Für Olaf Sobczak, Leiter des Kinder- und Familienzentrums im „Barmbek Basch“, ist die Adventszeit nicht sehr besinnlich. Sieben Teilzeitstellen an Standorten in Langenhorn und Barmbek wurden über Mittel für Geflüchteten-Mehrbedarfe mitfinanziert. Sie betreiben auch das Internationale Café, wo Eltern von kleinen Kindern Fragen an eine Sozialarbeiterin und eine Familienhebamme stellen können. Doch die Zukunft ist unklar.

Hamburg: Um diese Budgetkürzungen geht es

„Uns fehlt die Finanzierungszusage fürs kommende Jahr und ich weiß nicht, ob ich die Mitarbeiterinnen halten kann“, sagt Sobczak zur MOPO. Eine Kollegin habe sich deshalb eine andere Stelle gesucht. „Das ist richtig niederschmetternd. Mit solchen befristeten Verträgen können wir keine nachhaltige, soziale Infrastruktur aufbauen.“

Im KiFaZ Barmbek Basch können sich Familien, Mütter, Senioren und Migranten beraten lassen.
Im KiFaZ Barmbek Basch können sich Familien, Mütter, Senioren und Migranten beraten lassen.

Der Topf für „Sozialräumliche Integrationsnetzwerke“ für Angebote für geflüchtete Kinder, Jugendliche und Familien umfasst sechs Millionen Euro, wurde aber durch Mehrbedarfe aufgestockt. 2025 wurden rund zwölf Millionen Euro benötigt – für 2026 sind aber nur neun Millionen vorgesehen, wie eine CDU-Anfrage ergab. Zuerst berichtete die „taz“.

Auch die Kiezläufer*innen Mümmelmannsberg stehen kurz vor dem Aus

Auch die Kiezläufer*innen Mümmelmannsberg stehen kurz vor dem Aus. Zehn junge Freiwillige ziehen hier durchs Viertel, hören zu, vermitteln, geben Tipps – oder begleiten Kinder abends nach Hause. Bis zu 500 junge Menschen erreichen sie jährlich. Das Projekt wurde bislang über Mittel des Rahmenprogramms Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE) finanziert, doch die laufen aus. „Wir haben jetzt 10.000 Euro bekommen. Das ist nicht einmal ein Viertel dessen, was wir brauchen“, sagt Leiter Simon Seiffert der MOPO.

Die Kiezfläuer*innen Mümmelmannsberg: Kevin,Julian, Mehmet, Victoria, Khadija, Simon Seiffert (Päd. Leitung), Hena, Martine, Monica (v.l.n.r.).
Die Kiezfläuer*innen Mümmelmannsberg: Kevin,Julian, Mehmet, Victoria, Khadija, Simon Seiffert (Päd. Leitung), Hena, Martine, Monica (v.l.n.r.).

Man habe ihm geraten, sich um den Mehrbedarfs-Etat zu bemühen – doch der schrumpft. So reicht es nur noch für zwei Monate. Bitter: Ein Jahr lang baute Seiffert das Projekt auf, im dritten könnte es schon vorbei sein. „Ich bin total traurig. Und erschüttert, dass ich erst vor zwei Wochen davon erfahren habe.“

Der Kommentar zum Thema: Projekte für Kinder und Familien: Das ist doch kein Luxus!

Die Bildungsbehörde hält dagegen: Neun Millionen seien mehr als die ursprünglich geplanten sechs Millionen. Zudem gebe es mit insgesamt 46,8 Millionen Euro drei Prozent mehr aus anderen Töpfen für Jugend- und Familienarbeit und – so eine Mitteilung später – die Arbeit der Jugendämter werde durch mehr Stellen gestärkt. Auf Nachfrage räumt Sprecher Peter Albrecht aber ein, dass es selbst bei Bedarf keine weiteren Mittel für die Projekte gebe.

Jugend- und Familienarbeit: „Was wir jetzt weniger ausgeben, zahlen wir am Ende doppelt“

Eine Hiobsbotschaft für Betroffene: Offene Treffpunkte, Projekte in Unterkünften und Beratungen seien bedroht, warnt die Interessensvertretung der Offenen Arbeit (IVOA). Kinder und Jugendliche verlören auch Orte der politischen Bildung. Drei Prozent mehr würden die gestiegenen Kosten nie decken.

Auch Silke Seif (CDU) kritisiert die Kürzungen: „Was wir jetzt weniger ausgeben, zahlen wir am Ende doppelt“, sagt sie und fordert mehr Planungssicherheit.

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Selbst wenn sich für das kommende Jahr eine Lösung fände, fürchtet Sobczak, 2027 vor dem gleichen Problem zu stehen. Dabei gebe es den Bedarf: „Wir machen die Arbeit sehr gerne und erreichen die Menschen – in den Unterkünften oder bei uns. Die Stadt sieht das nur als Kostenfaktor, aber wir stabilisieren die Familien und tragen zur Integration bei – und am Ende stehen diese Menschen dann auch dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.“

Am Freitag bespricht der Familienausschuss die Lage. Dann wollen Träger vor dem Rathaus protestieren.