„Stadt liefert sich völlig aus“: Hitzige Diskussion um neue Kühne-Oper
Hamburg soll eine neue Oper in der HafenCity bekommen – dank einer Schenkung des Milliardärs Klaus-Michael Kühne. Doch dieses Geschenk ist inzwischen heftig umstritten, die Architektenkammer wirft der Stadt vor, die Öffentlichkeit komplett auszuschließen. Bei einer Open-Air-Diskussionsveranstaltung am Baakenhöft versuchte SPD-Politiker Arne Platzbecker die Wogen zu glätten, das gelang allerdings nicht wirklich. Für einen Vorschlag erntete er dann sogar Häme.
„Wir stehen an der Schwelle zu einem neuen kulturellen Kapitel“, begann Platzbecker am Donnerstagabend seine Rede am Baakenhöft. „Nicht nur in Bezug auf die Oper, sondern allgemein Hamburg als Kulturmetropole.“
Der SPD-Politiker ist Vorsitzender des Kulturausschusses in der Bürgerschaft und Abgeordneter für die HafenCity. Er könne ja die Sorgen und Bedenken verstehen, aber die in die Jahre gekommene Staatsoper am Gänsemarkt müsse eben dringend renoviert werden.
Diskussionsveranstaltung am Baakenhöft zur Kühne-Oper
Die vom kreativen Netzwerk „Traum“ organisierte Diskussionsveranstaltung fand unter freiem Himmel genau dort statt, wo in ferner Zukunft einmal die Oper stehen könnte. Gekommen waren viele Studierende der HafenCity Universität, die sich in ihrem Master-Studiengang mit möglichen Alternativen für die Freifläche beschäftigt haben. Diese Konzepte werden in rund zwei Wochen bei der Semesterausstellung der Uni vorgestellt. „Wenn Sie da eine Oper erwarten, muss ich Sie allerdings enttäuschen“, kündigte deren Professor Alessandro Gess an.
Anfang Februar hatten der 87-jährige Milliardär sowie die Stadt Hamburg den Vertrag zum Bau einer neuen Oper unterschrieben. Darin festgehalten ist, stark verkürzt: Der in Hamburg geborene Kunstmäzen baut mit seiner Stiftung ein Opernhaus für rund 330 Millionen Euro in der HafenCity – und das Risiko für Kostensteigerungen trägt allein die Stiftung. Es gibt keine Maximalsumme im Vertrag. „Ein Glücksfall für Hamburg, die Opernkunst und für die Steuerzahler“, frohlockte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) damals.
Fünf Architekturbüros nehmen am Wettbewerb teil
Das Filetstück mit Hafenblick bereitet die Stadt für 147,5 Millionen Euro vor. Im Juni wurden dann die fünf Architekturbüros ausgewählt, die sich an dem Wettbewerb beteiligen werden. Diese stammen aus New York, Kopenhagen, Oslo, Tokio/Paris und Hamburg. Das letzte Wort zu den Entwürfen hat allerdings Kühnes Stiftung.
„Ein Projekt, von dem die Bürgerinnen und Bürger immer nur aus der Zeitung erfahren und bei dem hinter geschlossenen Türen verhandelt wird, das ist nicht mehr zeitgemäß“, kritisierte Claas Gefroi, Sprecher der Hamburger Architektenkammer. „Immerhin handelt es sich um ein öffentliches Gebäude und da sollten alle auch die Möglichkeit der Mitbestimmung haben. Die Stadt liefert sich völlig dieser Stiftung aus.“ Auch dass die fünf Architekturbüros bereits vorausgewählt wurden, könne er nicht nachvollziehen.
Platzbecker schüttelte angesichts dieser Kritik den Kopf. „Wenn man einen fundierten Vertrag mit Herrn Kühne machen will, dann ist es durchaus sinnvoll, dass nicht gleich alle mitreden, sondern dass die Stadt erst einmal allein mit ihm spricht“, argumentierte er. „Das Beteiligungsformat beginnt ja jetzt erst.“ Die Bürgerschaft als Vertretung der Hamburgerinnen und Hamburger werde bald über die Opern-Drucksache abstimmen und anschließend gäbe es auch bei den fünf Entwürfen ein öffentliches Mitspracherecht. Das letzte Wort und ein Veto-Recht, das gibt er zu, habe allerdings tatsächlich die Kühne-Stiftung.
„Dass die Bürgerschaft erst abstimmt und das formale Beteiligungsverfahren dann startet, ist für uns sehr bitter“, erklärte Marianne Wellershof vom Nachbarschaftsverein „Netzwerk HafenCity“. „Wie kann die Politik sagen, dass Großteile der Stadtgesellschaft für die Oper seien? Sie wurden schließlich überhaupt nicht gefragt.“ Die Menschen in der HafenCity müssten die Chance haben, ihre Nachbarschaft mitzubestimmen.
Vorschlag von SPD-Politiker trifft auf Unverständnis
„Warum schicken Sie Ihre Ideen nicht an die fünf Architektenbüros?“, schlug Platzbecker schließlich vor, woraufhin diesmal Gefroi den Kopf schüttelte. „Das zeigt die Hilflosigkeit, weil man die Beteiligungsfrage eben nicht vorher geklärt hat“, sagte er. „Jetzt werden die Büros in die Pflicht genommen, obwohl die Auslobung schon feststeht und in der steht ja praktisch fest, was dort gebaut werden soll. Die Spielräume sind wahnsinnig eng. Wenn wir jetzt überlegen würden, wir wollten noch einen interkulturellen Raum für Jugendliche, dann wäre das ja von vorneherein nicht möglich. Ihr Vorschlag ist deshalb absolut naiv.“