Spezialist klärt auf: Diese Warnsignale schickt Ihnen Ihr Herz
Prof. Dr. Andreas Metzner – Leiter der Rhythmologie, Klinik für Kardiologie, Universitäres Herz- und Gefäßzentrum des UKE – spricht im Interview über Vorbereitung auf körperliche Extrembelastung und Warnsignale des Herzens, auf die man achten sollte.
MOPO: Herr Prof. Dr. Metzner, welche Rolle spielt die Vorbereitung bei einem Marathon?
Prof. Dr. Andreas Metzner: Ein Marathon ist eine körperliche und mentale Extrembelastung. Wenn man sich auf ein solches Ereignis vorbereitet, gibt es im Vorfeld vieles zu bedenken. Dazu gehört eine vorherige medizinische Abklärung, ob man dazu geeignet ist, sich solchen Belastungen und entsprechenden Trainings auszusetzen. Aber auch ein gutes und strukturiertes Training. Es ist nicht damit getan, dreimal in der Woche eine Runde laufen zu gehen. Das sind ganz andere Distanzen und Intervalle, denen man sich aussetzt. Es braucht eine professionelle und strukturierte Vorbereitung, auch um sich vor gesundheitlichen Folgen zu schützen. Neben dem strukturierten und individualisierten Training gehören eine entsprechende Ernährung und ein guter Schlafrhythmus dazu.
Diese „Red Flags“ gelten für das Herz
Gibt es Warnsignale, bei denen man aufhören oder zum Arzt sollte?
Es gibt sogenannte „Red Flags“. Zum Beispiel, wenn man sich belastet und merkt, dass das Herz unregelmäßig schlägt, man Herzstolpern oder Schwindel verspürt oder einem schwarz vor Augen wird. Dann können strukturelle oder elektrische Veränderungen des Herzens vorliegen, die sich in Rhythmusstörungen äußern oder diese begünstigen. Wenn es in der persönlichen Vorgeschichte Auffälligkeiten gab, etwa das Auftreten von Schwindelgefühlen oder Ohnmacht, oder es Herzerkrankungen oder einen plötzlichen unerklärten Herztod in der Familie gegeben hat, sind das Warnsignale, die einer weiteren Abklärung bedürfen. Insbesondere, wenn diese während einer körperlichen Belastung oder mit zunehmender körperlicher Belastung auftreten. Entsprechende Diagnostik kann eine Rhythmusanalyse zum Beispiel durch Langzeit- oder Belastungs-EKGs sein, aber auch eine Herzbildgebung mittels Herzultraschall oder Herz-MRT notwendig machen.
Marathons als „maximale Herausforderung“
Was für eine Rolle spielt das Alter?
Grundsätzlich ist zu empfehlen, dass sich jeder vor einer solchen körperlichen Extrembelastung einem sportmedizinischem Check-up unterzieht. Junge, gesunde Menschen stecken solch eine Belastung natürlich insgesamt besser weg. Mit zunehmendem Alter hat man ein höheres Risiko, dass bestimmte Herzveränderungen oder strukturelle Veränderungen vorliegen, die unter der intensiven Belastung das Auftreten von zum Beispiel Rhythmusereignissen wahrscheinlicher machen.
Wie bewerten Sie Marathons aus ärztlicher Sicht?
Ein Marathon ist eine maximale Herausforderung für das Herz-Kreislauf-System, die den Körper über mehrere Stunden an seine Leistungsgrenze bringt. Man kann also nicht sagen, dass das uneingeschränkt positiv fürs Herz-Kreislauf-System ist. Es gibt sicherlich Sportarten und Belastungen, die wir als Kardiologen lieber sehen als Marathons, Triathlons oder Ähnliches. Aber wenn man sich dennoch dazu entscheidet, dann eben mit maximal professioneller Vorbereitung und medizinischer Abklärung. Das ist wichtig, um Risiken zu minimieren.