Spektakulärer Elbtower-Plan: Neue Heimat für 1,2 Millionen Spinnen
Endspurt um den Verkauf des halbfertigen Elbtowers: Nach MOPO-Informationen ist nur noch ein einziger Bieter im Rennen und das ist der Hamburger Projektentwickler Dieter Becken. Eine Vertragsunterzeichnung scheint noch vor Weihnachten möglich. Gleichzeitig ist klar, dass das Naturkundemuseum „Evolutioneum“ Ankermieter in dem 245-Meter-Tower werden soll. Noch halten sich alle Beteiligten bedeckt. Die MOPO beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die neue Entwicklung.
Was ist das „Evolutioneum“?
Es soll nicht weniger als Hamburgs bestes und innovativstes Museum werden. Grundlage dafür sind die weltweit einzigartigen Sammlungen des 1843 gegründeten Naturhistorischen Museums Hamburg.
Der Kommentar zum Thema: Vorsicht vor der Lust am Scheitern!
Trotz schwerer Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg sind heute noch rund zehn Millionen Exponate vorhanden. Allein 1,2 Millionen präparierte Spinnen, darunter Arten, von denen es nur noch Exemplare in Hamburg gibt. Aber auch das Skelett eines Schwertwals oder das präparierte legendäre Walross „Antje“ können gezeigt werden. Hinzu kommt der Bestand eines Bonner Museums mit Exponaten zur Geologie und Mineralogie.
Wer hatte die Idee, es im Elbtower zu platzieren?
Investor Dieter Becken. Der Mann, der in Hamburg schon Dutzende Bürohäuser („Berliner Bogen” „Deichtor-Center“ oder das Polizeipräsidium) errichtet hatte, wollte diesmal beim Elbtower keine reine Büro/Hotel-Nutzung, sondern eine, von der auch Hamburger und Touristen etwas haben.
Wer soll das neue Naturkundemuseum entwickeln und betreiben?
Ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft. Unter ihrem Dach werden aktuell bundesweit fast 100 Forschungseinrichtungen betrieben. Darunter das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut oder das Deutsche Museum in München. Die Gemeinschaft hat 21.000 Mitarbeiter und einen Etat von mehr als zwei Milliarden Euro. Die Finanzierung erfolgt je zur Hälfte von Bund und Ländern. Beim „Evolutioneum“, das von Matthias Glaubrecht vom „Leibniz-Institut zur Analyse des Biodiversitätswandels“ umgesetzt werden soll, würde also der Bund die Hälfte tragen, 30 Prozent Nordrhein-Westfalen und nur 20 Prozent Hamburg.
Wie groß wird das neue Museum?
Die aktuellen Planungen gehen von rund 40.000 Quadratmetern in den unteren Geschossen aus. Das ist rund ein Drittel der Gesamtfläche des Elbtowers. Größere Museumsexponate können im überdachten Innenhof des dritthöchsten deutschen Gebäudes gezeigt werden.
Wer zahlt die Miete?
Die Leibniz-Gemeinschaft. Insider gehen von einem Quadratmeterpreis von rund 30 Euro aus. Das wären mehr als eine Million Euro monatlich.
Was sagt die Politik?
Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte Mittwoch im NDR-Interview, er sei „offen“ für das Museumsprojekt in Hamburgs künftig höchstem Gebäude.
Das könnte Sie auch interessieren: Sylt gibt auf im Kampf gegen illegale Ferienwohnungen – Rolle rückwärts auf der Insel
CDU-Chef Dennis Thering erklärte: „Der Elbtower muss fertig gebaut werden. Sollte darin auch das Naturkundemuseum realisiert werden können, ist das eine gute Nachricht für Hamburg.“ Die Linke und der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Markus Schreiber dagegen kritisieren, dass über Umwege Steuergelder in den Elbtower fließen.
Wie könnte es jetzt mit dem Elbtower weitergehen?
Museum, Hotel und ein weiterer Mieter wären in dem neuen Wahrzeichen gesetzt. Für die Vermietung der anderen Hälfte der Fläche (rund 55.000 Quadratmeter) hätte Dieter Becken mindestens vier Jahre Zeit. 2030 könnte der Elbtower dann fertiggestellt werden.