Spektakuläre „High Line“ für Altona: Wie realistisch sind die Pläne wirklich?
Hoch über dem Boden im Grünen flanieren, wo früher Züge drüberfuhren: Was es in New York und Paris bereits gibt, soll auch in Altona zur Realität werden – jedenfalls, wenn es nach Teilen der Bezirkspolitik geht. Seit Jahren wird diese Idee immer wieder diskutiert, zuletzt auch in Verbindung mit dem umstrittenen Abriss der Sternbrücke, deren Teil für den Bau einer „High Line“ verwendet werden sollen. Die bereits erstellten Visualisierungen sehen spektakulär aus. Doch wie realistisch ist die Umsetzung tatsächlich? Die zuständige Behörde tritt kräftig auf die Bremse.
Die Vision: Eine Umgestaltung im Stil der New Yorker „High Line“. Dabei handelt es sich um eine zwei Kilometer lange und sieben Meter über dem Boden liegende, ehemalige Gütertrasse im Westen von Manhattan. Diese wurde von 2006 bis 2019 zu einer Parkanlage umgebaut und ist inzwischen zu einer beliebten Touristenattraktion geworden. Als deren Vorbild gilt die 4,5 Kilometer lange „Coulée Verte René-Dumont“, eine bepflanzte Promenade auf der alten Vincennes-Bahnlinie im Osten von Paris.
Im Jahr 2022 brachten die Grünen in Altona die Idee erstmals auf: Entstehen soll diese Hamburger „High Line“ auf dem Bahnviadukt vor dem Bahnhof Altona, von den Anwohnern auch „Quietschkurve“ genannt. Wenn die ICE und Regionalzüge in ferner Zukunft einmal am neuen Fernbahnhof Diebsteich halten, wird diese Eisenbahnüberführung nicht mehr gebraucht – und sollte dann eigentlich abgerissen werden. Auf der großen Fläche wird das bestehende Wohnquartier Neue Mitte Altona nach Westen weitergebaut.
Im Sommer 2025 bekam die Idee dann neuen Schwung: Die Altonaer Grünen brachten den Vorschlag ein, Teile der historischen Sternbrücke nicht wie geplant einzuschmelzen, sondern als Aussichtsplattform für die mögliche Promenade zu nutzen. Aktuell bereitet die Deutsche Bahn alles für den umstrittenen Neubau der 100 Jahre alten Sternbrücke an der Kreuzung Max-Brauer-Allee/Stresemannstraße vor, der im Sommer 2026 eingehoben werden soll.
Der Vorschlag, die Sternbrücken-Teile zu recyceln, fand Anklang und wurde von der Bezirkspolitik mit den Stimmen von Grünen, SPD, Volt und FDP mehrheitlich beschlossen. CDU, AfD und Linke lehnten das Projekt ab. Die CDU befürchtet mehr Lärm für die Anwohner und die Linken lehnen den Abriss der Sternbrücke grundsätzlich ab.
„High Line“ für Hamburg: Senat hält nicht viel von den Plänen
Dann grätschte der Senat dazwischen: Eine Parkanlage sei zwar zentraler Bestandteil des neuen Quartiers, aber eine solche erhöhte Plattform passe nicht zu den städtebaulichen Leitlinien, ließ die Stadtentwicklungsbehörde von Senatorin Karen Pein (SPD) verlauten. Außerdem könnte unter einem so großen Bauwerk dann ein ebenso großer und dunkler „Angstraum“ entstehen.
Der Transport der alten Sternbrücken-Teile, die Zwischenlagerung und der Aufbau in den 2030er Jahren sind laut der Behörde zudem sehr teuer. Die Bahn hatte bereits klargestellt, dass sie die entsprechenden Kosten nicht übernehmen würde.
Wie realistisch ist eine solche Idee für Hamburg?
Ganz gestorben ist die Idee einer Hamburger „High Line“ aber noch lange nicht: Die Stadtentwicklungsbehörde will tatsächlich prüfen, ob das Eisenbahnviadukt, die „Quietschkurve“, im neuen Quartier erhalten werden kann. Auch die Überlegungen für eine mögliche Promenade sind noch nicht abgeschlossen. Im Bezirk Altona bleibt das Projekt ebenfalls präsent: „Ob das realistisch ist, wird sich zeigen. Aber warum nicht lieber probieren, als zu sagen, das klappt eh nicht? Auch verrückte Ideen müssen ausprobiert werden“, sagte der Grünen-Politiker Christian Trede dem NDR.
Allerdings: Bevor auf der „Quietschkurve“ auch nur eine einzige Person flanieren kann, muss erstmal der Fernbahnhof Altona an den Diebsteich verlegt werden. Das sollte eigentlich im Jahr 2027 der Fall sein, doch vor knapp zwei Monaten verschob die Bahn die Eröffnung auf Ende 2029. Gründe dafür seien „Komplikationen im Bauablauf, insbesondere am Kreuzungsbauwerk Langenfelde“, hieß es vage. Bislang ist auf der Baustelle am Diebsteich noch recht wenig zu sehen, die dortige S-Bahn-Haltestelle wurde immerhin Anfang 2025 nach über anderthalb Jahren Verspätung eröffnet.