Sorgen China-Kameras für Sicherheitslücken am Hauptbahnhof? Das sagt die Polizei

Kameras von „Hikvision”
Die Kameras des umstrittenen chinesischen Herstellers „Hikvision” überwachen den Hamburger Hauptbahnhof.

Mit 27 zusätzlichen Kameras soll der Hamburger Hauptbahnhof ab nächster Woche noch sichererer werden – deren Herstellerfirma „Hikvision“ ist jedoch hochumstritten. Mehrheitseigner ist der chinesische Staat, der die Kameras auch zur Unterdrückung der ethnischen Minderheit der Uiguren benutzen soll. In den USA stehen sie daher auf der schwarzen Liste und dürfen nicht importiert werden. Warum kommt diese Technik in Hamburg an einem Ort der kritischen Infrastruktur zum Einsatz? Die MOPO hat bei der Polizei nachgefragt.

Vor dem Hauptbahnhof auf dem Hachmann- und dem Heidi-Kabel-Platz sollen 19 starr ausgerichtete und acht schwenk- und zoombare Kameras von „Hikvision” ab nächster Woche alles beobachten. Fast 70.000 Euro hat die Stadt dafür hingeblättert.

Perspektivisch soll in diesem Bereich auch intelligente Videoüberwachung zum Einsatz kommen, die zum Beispiel Bewegungsmuster wie Tritte oder Schläge erkennt.Die Innenbehörde verspricht sich damit mehr Sicherheit. Aber was wissen die Kameras wirklich alles? Und wie sicher ist die Technik aus China?

Überwachung mit „Hikvision” in den USA verboten

„Hikvision“ ist eine der weltweit größten Firmen für Videoüberwachungstechnik. Einige der Kameras können mithilfe künstlicher Intelligenz sogar physische Gesichtsmerkmale erkennen. Vom chinesischen Staat soll diese Technik verwendet worden sein, um die ethnische Minderheit der Uiguren zu unterdrücken.

Hauptbahnhof
Rund um den Hamburger Hauptbahnhof sind mehrere Sicherheitskameras angebracht.

Zumindest begründen die USA damit, warum sie den Verkauf und Import von „Hikvision”-Technik im eigenen Land inzwischen verboten haben. Auch Australien und Großbritannien haben die Technik teilweise verbannt. „Hikvision“ selbst erklärte schon mehrfach, diese Funktion aus seiner Software entfernt zu haben.

Dann der nächste Vorwurf: Im November vergangenen Jahres wurde bekannt, dass „Hikvision”-Kameras an einer Hochschule in China fastende Studenten – und damit Muslime – ausfindig machen sollten.

Kameras Hbf
Neben den starren Modellen hat die Polizei am Hauptbahnhof auch drehbare Kameras installiert.

Das berichtete unter anderem der Nachrichtendienst „Heise“ unter Bezug auf die Forschungsfirma IPVM (Internet Protocol Video Market). Hikvision behauptete damals zwar, dass die Funktionen nicht eingesetzt wurden, lieferte aber wohl keine Beweise dafür.

Bund: „Risiko einer Einflussnahme stets gegeben“

Kritik am Einsatz der Kameras wurde 2023 auch in Deutschland laut. „In den Bundesministerien und ihren nachgeordneten Behörden werden Überwachungskameras der chinesischen Hersteller Hikvision und Dahua in geringer Stückzahl eingesetzt“, hieß es damals in einer Antwort des Bundesinnenministeriums (BMI) auf eine CDU-Anfrage. Dies gelte auch für die kritische Infrastruktur wie Flughäfen und Bahnhöfe.

Video
Die Polizei weist darauf hin, dass hier gefilmt wird.

„Allgemein geht die Bundesregierung von einer engen Verbindung zwischen chinesischer Wirtschaft und chinesischen Sicherheitsbehörden aus”, schreibt das BMI weiter. Dies zeige sich beispielsweise bei der bestehenden Verpflichtung für chinesische Unternehmen, mit den dortigen Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten. „Das Risiko einer Einflussnahme ist also stets gegeben.” Die Regierung nutze aber unter anderem isolierte Netzwerke, um einen Abfluss von Daten zu verhindern.

Polizei Hamburg: „Videonetz ist abgesichert”

Trotz dieses Wissens kommen nun am Hamburger Hauptbahnhof ausgerechnet die „Hikvision“-Kameras zum Einsatz. Warum? Und wie genau überwachen die Kameras das Gebiet?

Bei der Polizei ist man von solchen Anfragen inzwischen offenbar genervt: „Wie bereits wiederholt auf diverse Anfragen mitgeteilt, kommen dabei – wie in anderen Bundesländern oder Bundesministerien und ihren nachgeordneten Behörden – auch Geräte des genannten Herstellers zum Einsatz.“

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Wie genau die Überwachung abläuft, dazu gibt es aus „IT-Sicherheitsaspekten keine vertieften Auskünfte“. Ein Datenabfluss werde aber schon allein dadurch verhindert, dass „das polizeiliche Videonetz komplett isoliert und abgesichert ist”. Eine Verbindung zu anderen Netzwerken oder dem Internet bestehe „ausdrücklich nicht.“