So viel Frankreich steckt heute noch in Hamburg
Hamburg ist an vielen Orten Paris ganz nah. Das liegt auch daran, dass die Hansestadt mal zum Französischen Kaiserreich gehörte. An die „Franzosenzeit“ (1806-1814) erinnern heute noch Straßennamen, Redewendungen und kulinarische Besonderheiten. Franzbrötchen und Rotspon, Crêpes und Croissants, Rainvilleterrassen und Bellealliancestraße – die französische Besatzungszeit vor über 200 Jahren hat überall Spuren hinterlassen. Auf der Suche nach Relikten aus der „Franzosenzeit“ haben wir auch ganz Gegenwärtiges für Frankreich-Fans gefunden.
Zwei Kaiser
Auch wenn Karl der Große – der heute genauso gut Deutscher wie Franzose sein könnte – lange Zeit als Stadtgründer bezeichnet wurde, gilt es als gesichert, dass der Herrscher des Frankenreichs nie in Hamburg gewesen ist. Eine Bronzestatue von 1899 vor der St.-Ansgar-Kirche in der Michaelisstraße zeigt Karl den Großen dennoch als Stadtgründer mit einem Modell der Hammaburg in der Hand. Weitreichenden französischen Einfluss auf Hamburg hatte die Besatzung durch Napoleon von 1806 bis 1814, der ein Handelsverbot mit Großbritannien durchsetzte.
Viele Hamburger erlebten diese Jahre als Schreckenszeit. Sprachlich erinnern Ausdrücke heute noch an die Franzosenzeit. „Adieu“ wurde erst adjüs, dann tschüs, malaise (Unbehagen) wurde zu „Malesche“. Ist der Kaffee eine dünne Plörre, kann man nur „pleurer“, weinen. Straßennamen wie Franzosenkoppel in Lurup, Franzosenheide in Schnelsen oder Bellealliancestraße in Eimsbüttel erinnern an die Besatzer. Auch das Franzbrötchen stammt aus der damaligen Zeit und ist eine Fusion aus französisch-hanseatischer Backtradition.
Bon appétit!
Ob Käse oder Croissants, Wein oder Crêpes – auf Spezialitäten aus Frankreich braucht in Hamburg niemand zu verzichten. Petit déjeuner im „Café Paris“ in der Rathausstraße oder im „Par Ici!“ in Winterhude, mittags Crêpes oder Galettes probieren im „Ti Breizh“, dem Haus der Bretagne in der Deichstraße, nachmittags die Patisserie-Spezialitäten in den Standorten der Kaffeehauskette „Éclair au Café“ oder im „Petit Delice“ in der Osterstraße testen. Danach eine Bouillabaisse im „Restaurant Marseille“ an der Großen Elbstraße – Marseille ist Partnerstadt von Hamburg – oder ein Glas Wein auf dem Ponton vor der Fischauktionshalle im „Liberté“, Bar, Café und Restaurant zugleich. Frankreich an der Elbe geht kulinarisch rund um die Uhr.
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Deko und Kultur
Geschirr mit Hummer- und Fischmotiven, Tischdecken in Grün, Gelb und Rosa, gemusterte Kissen, Pillendosen in Krokodilform: Einrichtungsgegenstände für Frankreich-Liebhaber hat Falk Pachulski in seinem „Maison F.“ in der Poolstraße 32 kunstvoll arrangiert. Gestreifte Hemden und Spezialitäten wie Salzkaramell finden Bretagne-Liebhaber in der Boutique de la mer in der Deichstraße. Seit einem Jahr sorgt das französische Unternehmen culturespaces mit immersiven Lichtershows im „Port des Lumières“ in der HafenCity für Unterhaltung (aktuell „Wunderwelt Ozean“). Das Institut français in der Heimhuder Straße 55 fördert seit 1951 die deutsch-französischen Beziehungen mit Sprachkursen und Kulturveranstaltungen. Französische Architekten wie Alexis de Chateauneuf prägten im 19. Jahrhundert das Stadtbild. Er entwarf die Alsterarkaden und die ehemalige Alte Post. Noch immer nicht genug Frankreich? Dann ab nach Paris. Ab 13. Juli verbindet ein Nachtzug Hamburg direkt mit der französischen Hauptstadt.