So hielt die Polizei den wilden Wolf in Schach
Er fand nicht aus dem Einkaufszentrum heraus, lief gegen eine Scheibe – und biss eine Frau, die ihn vermutlich herausführen wollte. Nach dem Wolfsangriff am Montag gibt es nun mehr Details zu dem ungewöhnlichen Vorfall. Auch dazu, wie Polizisten das Tier am Jungfernstieg in Schach hielten, nachdem sie es aus der Alster gefischt hatten.
Große Bergstraße, Dienstagfrüh, der Morgen nach dem Wolfsangriff. Manche Passanten haben aus dem Radio davon gehört, andere noch gar nicht. „Wie bitte? Ein Wolf? Sie machen doch Witze“, sagt ein Passant, als der MOPO-Reporter ihn anspricht. Als dem Mann aber klar wird, dass dies kein verfrühter Aprilscherz ist, schaut er irritiert. „Muss man jetzt auf der Großen Bergstraße Angst vor wilden Tieren haben?“
Wolf beißt Frau in Einkaufspassage ins Gesicht
Am Abend zuvor lief ein Wolf in eine Einkaufspassage in der Großen Bergstraße, wie die Umweltbehörde bestätigte. Er schien den Ausgang nicht zu finden und lief immer wieder gegen eine Scheibe. Eine Passantin wollte ihm wohl helfen, womöglich hielt sie das Tier für einen Hund. Sie versuchte, den Wolf aus der Passage zu führen – dann biss er ihr ins Gesicht.
Die Frau erlitt eine blutende Wunde im Mundbereich. Sie kam in ein Krankenhaus, musste aber nur ambulant behandelt werden.
Möglicher Augenzeuge: „Leute riefen: Ein Wolf!“
Auf Augenzeugen, die diese Szenen miterlebt haben, stoßen die Reporter nicht. Einer meint scherzhaft: „Nein, einen Wolf habe ich nicht gesehen – aber den Osterhasen.“ Gelächter. Die MOPO klappert sämtliche Geschäfte links und rechts der Großen Bergstraße ab, fragt bei den Mitarbeitern. Aber keiner hat am Abend zuvor etwas gesehen.
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Dann finden die Reporter aber doch noch jemanden, der behauptet, dass er in der Nähe war, als der Wolf die Frau biss. Es handelt sich um den 43-jährigen Obdachlosen Mohsen Almasiloo, einen Iraner, der täglich auf der Großen Bergstraße sitzt und bettelt. „Gestern am späten Nachmittag war da plötzlich ganz viel Lärm“, berichtet er. „Leute riefen: Ein Wolf! Ein Wolf!“ Dann sei das Tier an ihm vorbeigelaufen, so Almasiloo, und in diese Richtung verschwunden. Er zeigt zur Lornsenstraße.
Wolf lief quer durch Hamburger Innenstadt
Tatsächlich soll der Wolf nach dem Angriff rund eine Stunde lang durch die Hamburger Innenstadt gelaufen sein, die Glacischaussee entlang, direkt am Dom und dem Heiligengeistfeld vorbei. Am Wochenende streifte der Wolf bereits durch Blankenese.
Gegen 20 Uhr kam er dann am Jungfernstieg an. Polizisten versuchten, das Tier einzufangen. Auf der Flucht sprang der Wolf dann in die Binnenalster. Er war völlig entkräftet und wurde nahe des Alsterpavillons mit einer Schlinge aus dem Wasser gezogen.
Wolf wurde mit Schilden und Paletten festgehalten
Dann mussten die Beamten den Wolf irgendwie in Schach halten – mitten in der Innenstadt. Die Polizei behalf sich mit umstehenden Paletten sowie Schilden, die normalerweise zum Beispiel bei Demonstrationen eingesetzt werden. So kesselten die Beamten das Tier ein, bis der Stadtjäger nach circa einer Stunde eintraf, den Wolf in eine Transportkiste verlud und ihn ins Wildgehege Klövensteen (Rissen) brachte.
„Solche Lagen sind alles andere als Routinen“, sagt Lars Osburg, Vorsitzender der Polizeigewerkschaft GdP Hamburg. „Unsere Kolleginnen und Kollegen haben in einer völlig außergewöhnlichen Lage besonnen, verantwortungsvoll und mit großem Augenmaß gehandelt.“
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Auch die Umweltbehörde dankte den Einsatzkräften: „Durch die enge Zusammenarbeit und das professionelle Eingreifen aller Beteiligten konnte das Tier am späten Abend an der Alster erfolgreich gesichert werden.“ Der Wolf sei jetzt sicher untergebracht und werde aktuell medizinisch versorgt. Im Laufe des Dienstags soll entschieden werden, wie es mit dem Tier weitergeht.