So geht es Hamburgs Einkaufszentren wirklich

Mercado
Das Einkaufszentrum Mercado in Ottensen.

Ob die Europa-Passage in der City, das Mercado in Ottensen oder das Alstertal-Einkaufszentrum in Poppenbüttel – überall sehen Kunden zwischen bekannten Marken auch leerstehende Geschäfte. Ist das nur eine Phase? Wie geht es Hamburgs Einkaufszentren wirklich? Die MOPO hat Betreiber von Shopping-Centern dazu befragt und einen Immobilienexperten für den Einzelhandel gesprochen. Auf den ersten Blick ergibt sich ein düsteres Lagebild – auf den zweiten Blick auch eine neue Chance.

Die Hamburger ECE-Gruppe, eines der größten Immobilienunternehmen Deutschlands, betreibt in der Stadt unter anderem die Europa-Passage, das Elbe-Einkaufszentrum (Osdorf) und das Alstertal-Einkaufszentrum. „Die Umsätze haben sich wie auch die Besucherfrequenzen in den von uns betriebenen Shopping-Centern nach den coronabedingten Rückgängen wieder sehr gut erholt”, sagt Sprecher Lukas Nemela zur MOPO.

Nachvermietung dauert länger als früher

Auf die Frage, wie hoch der Anteil leerstehender Flächen in den Hamburger ECE-Centern derzeit ist, bleibt er vage. Einige Center seien „nahezu vollvermietet” oder hätten „nur einzelne freie Flächen”. An einigen Standorten verzeichne ECE zurzeit mehr Leerstände. Die Gründe: Insolvenzen im Einzelhandel, zudem dauere die Nachvermietung heute im Durchschnitt länger als früher.

„Im Einzelhandel haben vor allem die Schuhbranche und kleinere Modekonzepte mit anhaltenden Schwierigkeiten zu kämpfen”, so ECE-Sprecher Nemela. „Andere Branchen entwickeln sich dagegen sehr positiv, dazu gehören unter anderem Branchen wie Gesundheit (Drogerien etc.), Lebensmittel und große Modeanbieter.”

Der „normale Mittelbau” wird es in Zukunft noch schwerer haben, sagt auch Lars Jähnichen, Geschäftsführer von IPH Handelsimmobilien. Die Firma kümmert sich um die Vermietung und Vermarktung von Handelsimmobilien in ganz Deutschland, darunter das Forum Winterhude und das Eidelstedt Center in Hamburg.

Ladensterben
Die Insolvenz einiger Modeketten hat den Einkaufszentren zugesetzt (Symbolbild).

„Mittelbau”, das sind Läden im mittleren Preissegment wie Esprit oder Hallhuber. Beide Modeketten haben aufgrund von Insolvenzen alle Filialen geschlossen. Auch der Hamburger Traditionsschuhhändler Görtz steckt in der Krise. „Wir haben erheblichen Fachkräftemangel, erhöhte Kosten für die Händler und gestörte Lieferketten, die sich seit Corona noch nicht wieder vollständig erholt haben”, sagt Jähnichen. Seine Prognose: „Wir gehen davon aus, dass bis zum Ende des Jahrzehnts jeder zweite Pullover online gekauft wird.”

Hierzu passen auch die Erfahrungen des Einkaufszentrums Mercado in Ottensen. Es war nach Angaben der Betreiber im Jahr 2024 zu 99 Prozent vermietet. In den vergangenen Monaten hätten mehrere Läden neu eröffnet: Zwei Food-Läden, ein Blumenladen und eine Apotheke. Insgesamt seien in dem Jahr neun neue Mietverträge unterzeichnet und ein Vertrag verlängert worden.

Dieses Konzept soll die Einkaufszentren retten

Das Konzept des Mercados könnte dazu beigetragen haben: Mixed Use. Das bedeutet, im Einkaufszentrum geht’s nicht mehr nur ums Shoppen und Schlemmen, sondern es sollen Serviceangebote, Ärzte oder sogar Wohnungen integriert werden.

Die Europa-Passage von außen, viele Menschen stehe vor der Tür oder gehen durch Sie hindurch.
In der Europa-Passage eröffnen bald drei neue Läden, drei alte verschwinden. (Archivbild)

Im Meracdo ist zum Beispiel seit Jahren die Stadtteilbücherhalle beheimatet. „Zudem bieten wir nachhaltigen und gemeinnützigen Initiativen regelmäßig Flächen, um sich und ihre Angebote zu präsentieren”, sagt ein Sprecher.

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Die ECE-Gruppe ist ebenfalls von diesem Konzept überzeugt. Mixed-Use-Nutzungen seien „eine gute Möglichkeit, um Shopping-Center um weitere Angebote und Nutzungen zu ergänzen”, sagt Nemala. Erst kürzlich wurde bekannt, dass das Unternehmen darüber nachdenkt, auf dem firmeneigenen Grundstück beim Alstertal-Einkaufszentrum hunderte Wohnungen zu bauen. Die Planungsansätze befinden sich laut des Sprechers allerdings noch „in einer frühen Phase”.

Jähnichen von IPH resümiert: „Shopping Center können Krise, weil sie das seit 2017 zeigen müssen. Aber gute Shopping-Center brauchen Investitionen und eine ganz klare Positionierung, um sich im Markt abzugrenzen.”

Ob die Europa-Passage in der City, das Mercado in Ottensen oder das Alstertal-Einkaufszentrum in Poppenbüttel – überall sehen Kunden zwischen bekannten Marken auch leerstehende Geschäfte. Ist das nur eine Phase? Wie geht es Hamburgs Einkaufszentren wirklich? Die MOPO hat Betreiber von Shopping-Centern dazu befragt und einen Immobilienexperten für den Einzelhandel gesprochen. Auf den ersten Blick ergibt sich ein düsteres Lagebild – auf den zweiten Blick auch eine neue Chance.