Hamburg

Sie gruben — und fanden einen Toten!

Zwei Arbeiter mit Helmen arbeiten in einer engen Grube zwischen Ästen und Geröll.
Polizeibeamte graben am Rosenwinkel in Bahrenfeld nach einer Leiche.

Im November 1989 kam es in Bahrenfeld zu einer Szene wie aus einem Krimi. Die Polizei fand einen vergrabenen Toten – mit gefalteten Händen.

Rosenwinkel – was für ein idyllischer Name. Doch vor 37 Jahren wurde die kleine Straße in der Bahrenfelder Steenkamp-Siedlung Schauplatz eines brutalen Verbrechens. Im Schneegestöber suchten Polizisten dann nach einer vergrabenen Leiche. Ich durfte dabei sein.

Alles begann harmlos: Auf dem Bahrenfelder Polizeirevier erschien am 25. November 1989 gegen 17.30 Uhr eine betrunkene Frau und brabbelte etwas von einem Mord und einer verbuddelten Leiche. So richtig glauben wollte der 39-Jährigen auf dem Revier keiner, doch schließlich fuhr eine Streifenwagen-Besatzung mit ihr zu dem von ihr benannten Tatort, dem Einzelhaus eines Rentners am Rosenwinkel unweit der Trabrennbahn Bahrenfeld. Und tatsächlich entdeckten die Polizisten im Haus Blutspuren und im Garten einen Bereich mit lockerer Erde, wo offenbar vor Kurzem gegraben worden war.

Szenerie wirkte wie aus einem Krimi

Die Mordkommission wurde alarmiert und die Kripoleute begannen an der besagten Stelle im Garten zu graben. In nur 30 Zentimetern Tiefe entdeckten sie den Leichnam eines alten Mannes. Der Tote lag da mit gefalteten Händen! Vorsichtig wurden Spuren gesichert und die Leiche geborgen. Ich gruselte mich etwas, freute mich aber irgendwie auch über die Szenerie, die wirkte wie aus einem Krimi.

Als Polizeireporter war MOPO-Urgestein Thomas Hirschbiegel ein harter Hund. Doch diese Fälle gingen ihm nah.

Schnell geriet der Freund der Frau, die die Polizei alarmiert hatte, in Verdacht. Der aber beschuldigte sofort seine Partnerin, den 79-jährigen Hausbesitzer ermordet zu haben.

Beim Abgleich der Personalien erlebten die Ermittler eine Überraschung

Nachbarn erzählen den Ermittlern der Mordkommission, dass der oft verwirrte alte Herr offenbar aus Einsamkeit immer wieder Obdachlose beherbergt hatte. Zuletzt quartierten sich der 49-Jährige und die 39-Jährige bei ihm ein und nahmen den Mann offenbar schamlos aus. Als er nichts mehr hatte, kam es zum Streit, der für den Rentner tödlich endete. Die Obduktion ergab später, dass er erdrosselt worden war. Das Paar kam in Untersuchungshaft.

Und beim Abgleich der Personalien erlebten die Kripoleute eine Überraschung. Der 49-Jährige stand bereits wegen Mordes vor Gericht! Er hatte gestanden, in einer Pension am Hansaplatz  einen 53-Jährigen erdrosselt zu haben. Da der Täter aber länger als die vorgesehene Zeit von sechs Monaten in U-Haft gesessen hatte, hatte ein Richter entschieden, den 49-jährigen Mann frei zu lassen. Ein Kripomann sagte mir damals: „Kein Einzelfall. In Hamburg ist es Rechtspraxis, dass selbst des Mordes Verdächtige auf freien Fuß gesetzt werden.“

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