Segler, Ozeanriesen, Lotsenschoner: Das sind die Star-Gäste des Hafengeburtstags

Das polnische Segelschulschiff „Dar Mlodziezy“ vor der Elbphilharmonie.
Das polnische Segelschulschiff „Dar Młodzieży“ vor der Elbphilharmonie.

Leinen los und volle Kraft voraus! Am kommenden Wochenende steht Hamburg wieder ganz im Zeichen seiner jahrhundertealten Seefahrergeschichte. Zum 836. Hafengeburtstag (9. bis 11. Mai) kommen Schiffe aus aller Welt und erinnern an alte Zeiten oder sie zeigen, was die moderne Seefahrt so kann. Die MOPO stellt die außergewöhnlichsten Gäste vor.

Drei altbekannte Gäste fehlen auch in diesem Jahr wieder: die „Mir“, die „Kruzenshtern“ und die „Sedov“, die früher zum Standardprogramm eines jeden Hafengeburtstags gehörten, dürfen auch diesmal aufgrund der nach Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine verhängten Russland-Sanktionen nicht kommen. Doch es gibt eine Reihe von würdigen Vertretern.

Segelschulschiff „Dar Młodzieży“

An den Landungsbrücken liegt die „Dar Młodzieży” (deutsch: Geschenk der Jugend) und lädt die Besucher zu Besichtigungen an Bord ein. Es handelt sich bei ihr um ein polnisches Segelschulschiff mit drei Masten, das nach den Plänen des Schiffsarchitekten Zygmunt Chorén als Vollschiff aus Stahl errichtet und 1981 auf der Danziger Leninwerft fertiggestellt wurde. Die Sowjetunion war so begeistert von dem Modell, dass sie gleich fünf Schwesterschiffe bestellte. Die „Dar Młodzieży” ist 109 Meter lang, 14 Meter breit und kann 180 Passagiere an Bord nehmen. Sie kann eine Reisegeschwindigkeit von bis zu 17 Knoten erreichen und 60 Tage auf See bleiben, ohne einen Hafen ansteuern zu müssen.

Open Ship: Am Freitag ab 17 Uhr, Samstag ab 10 Uhr, Sonntag von 10 bis 14 Uhr.

Dreimastbark „Alexander von Humboldt II“

Die Alexander von Humboldt II
Bekannter Werbeträger: Die „Alexander von Humboldt II“ mit ihren grünen Segeln.

Ebenfalls an den Landungsbrücken liegt die „Alexander von Humboldt II“. Die wegen der Farbe ihrer Segel auch „grüne Lady“ genannte Dreimastbark ist bekannt aus der Werbung für die Biermarke Becks und wurde in Bremen gebaut. Tatsächlich handelt es sich bei ihr aber um ein Schulschiff, allerdings nicht im militärischen, sondern im zivilen Bereich. Das Schiff wurde 2011 als Nachfolgerin der „Alexander von Humboldt I“ getauft und ist 65 Meter lang sowie zehn Meter breit. 79 Personen können auf dem Großsegler mitfahren.

Open Ship: Sonntag, 10 bis 13 Uhr

„Gulden Leeuw“

Die „Gulden Leeuw“
Der dänische Dreimast Toppsegelschoner „Gulden Leeuw“ kann am Freitag zwischen 9 und 15 Uhr besichtigt werden.

Der Dreimast-Toppsegelschoner „Gulden Leeuw“ ist ein traditioneller Großsegler mit einer Gesamtlänge von 70 Metern. Das Schiff wurde 1937 im Auftrag des dänischen Landwirtschaftsministeriums als ozeantüchtiges Schiff mit Eisklasse entworfen und gebaut. Während ihrer Dienstzeit für den dänischen Staat wurde sie häufig für meeresbiologische Forschungszwecke in den dänischen sowie internationalen Gewässern eingesetzt. 2007 entdeckten die Kapitäne Robert Postuma und Arjen Töller (†) den Segler und hauchten ihm mit einem Umbau im Stil der 30er Jahre neuen Charme ein. Heute reist er sieben Monate pro Jahr als segelndes Schulschiff mit Schülern und Lehrern an Bord durch Europa und in die Karibik.

Open Ship: Freitag, 9 bis 15 Uhr

Kreuzfahrtschiff „Queen Anne“

Die „Queen Anne“ ist mehr als 320 Meter lang und bietet annähernd 3000 Gästen Platz.
Die „Queen Anne“ ist mehr als 320 Meter lang und bietet annähernd 3000 Gästen Platz.

Das Lieblingsschiff der Hamburger ist nach wie vor die „Queen Mary 2”. Doch die alte Dame schickt diesmal ihre Schwester zum Hafengeburtstag – das brandneue Cunard-Flaggschiff „Queen Anne“. Wer der 323 Meter langen Königin beim Einlaufen am Freitag zuwinken will, der muss früh aufstehen: Das Kreuzfahrtschiff kommt schon um 7 Uhr und wird am Cruise Center Steinwerder anlegen. Bordbesuche sind nur den 3000 Passagieren vorbehalten. Um 20 Uhr legt der 2023 fertig gestellte Ozeanriese schon wieder ab – und kommt erst am 19. Dezember das nächste Mal in die Hansestadt.

Mehrzweckschiff „Neuwerk“

das Mehrzweckschiff „Neuwerk“ der deutschen Küstenwache
Hans Dampf in allen Gassen: das Mehrzweckschiff „Neuwerk“ der deutschen Küstenwache

Sie hat zwar keine stolzen Segel oder hübsche Masten, dafür ist die „Neuwerk” das größte Pfund der deutschen Küstenwache. Denn: Das Mehrzweckschiff kann sowohl für Patrouillenfahrten in der Nordsee und Elbe, als auch als Eisbrecher, Schlepper, Bojensetzer und bei Notfalleinsätzen aktiviert werden. Außerdem ist das Schiff für die Bekämpfung von Ölunfällen ausgerüstet. Der 79 Meter lange Hans-Dampf-in-allen-Gassen, der nach Hamburgs am weitesten entfernten Stadtteil benannt ist, nimmt zum ersten Mal am Hafengeburtstag teil und lädt die Besucher an allen drei Tagen an den Landungsbrücken zu einem Besuch an Bord ein.

Open Ship: Freitag, 16 bis 20 Uhr, Samstag 10 bis 16 Uhr, Sonntag 10 bis 14 Uhr

Venezianisches Taxiboot „Stefania“

Ungewöhnlicher Gast beim Hafengeburtstag: das venezianische Taxiboot „Stefania“
Ungewöhnlicher Gast beim Hafengeburtstag: das venezianische Taxiboot „Stefania“

Venedig ist vor allem berühmt für seine Gondeln. Doch viel schneller geht es durch die Kanäle der Lagunenstadt mit den schnittigen Taxibooten wie der „Stefania“. Eines davon kommt nun zu Besuch: Das neun Meter lange Wassertaxi liegt während des Hafengeburtstags im Sandtorhafen (Traditionsschiffhafen HafenCity) und kann besichtigt werden.

Viermastbark „Peking“

Hamburgs jüngstes Wahrzeichen: die Viermastbark „Peking“ im Hansahafen.
Hamburgs jüngstes Wahrzeichen: die Viermastbark „Peking“ soll Hauptattraktion des Deutschen Hafenmuseums werden.

Sie ist zwar kein Gast, sondern seit 2020 Hamburgs neues Wahrzeichen. Und doch ist die „Peking“ eines der Schiffe mit der interessantesten Geschichte beim Hafengeburtstag. Ihr Liegeplatz ist der Hansahafen vor dem Schuppen 50A, dem Standort des Deutschen Hafenmuseums in Hamburg. Ein Shuttle bringt interessierte Besucher aber regelmäßig von Brücke 10 an den Landungsbrücken zu der Viermastbark mit bewegter Geschichte.

Der legendäre „Flying P-Liner“ der Reederei F. Laeisz wurde 1911 bei Blohm+Voss gebaut und war mit 115 Metern Länge eines der größten Segelschiffe der Welt. Im Ersten Weltkrieg wurde der Segler konfisziert, kam nach London, später nach Italien und erst 1923 zurück nach Hamburg. Doch schon 1932 wurde die „Peking“ nach England verkauft und erhielt den Namen „Arethusa“. 1974 verkauften die britischen Eigner das Schiff ans South Street Seaport Museum in New York, wo es 40 Jahre lang lag und nach und nach verfiel. Ein Hamburger Verein erreichte nach langen Verhandlungen schließlich, dass die „Peking“ 2020 in ihre Heimat zurückkehren konnte. Nach einer aufwändigen Restaurierung wurde sie am Bremer Kai festgemacht. Vorläufig. Denn eines Tages wird sie der Star des geplanten Hafenmuseums auf dem Kleinen Grasbrook sein.

Open Ship: An allen drei Tagen des Hafengeburtstags gibt es zwischen 9 und 17 Uhr Führungen über das Schiff. Preis: 15 Euro (inklusive Eintritt ins Hafenmuseum). Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Rennyacht „Heti“

Die Rennyacht „Heti“
Die Rennyacht „Heti“ liegt während des Hafengeburtstags im Sandtorhafen.

Sie gilt als Ikone des Segelsports und der Hamburger Yachtbautradition: Die Rennyacht „Heti“ ist zwölf Meter lang. Sie wurde vom berühmten Yachtkonstrukteur Max Oertz entworfen und lief 1912 in Hamburg-Neuhof vom Stapel. Heutzutage liegt sie in der Saison meist in Kiel und segelt auf der Ostsee. Die „Heti“ lädt Besucher an allen drei Tagen des Hafengeburtstags im Sandtorhafen an Bord ein.

Open Ship: Freitag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr