Schule zu spät, Schulweg zu lang: Hamburger Eltern wehren sich
Viele neue Wohnungen, aber keine Stadtteilschule: Unter dieser Situation leiden Eltern und Kinder in Neugraben-Fischbek. Zwar hat die Stadt eine Übergangslösung geschaffen, doch mit ihr kommen neue Probleme auf. Mit Protestplakaten sind mehrere Eltern jetzt vor den Regionalausschuss Süderelbe gezogen. Die MOPO hat sich ihre Anliegen angehört und auch mit der Schulbehörde gesprochen.
„Wir sind hierhergezogen, mit der Aussicht, dass eine neue Schule direkt in der Gegend gebaut wird“, sagt ein Vater aus Neugraben-Fischbek, der anonym bleiben möchte. Weil die neue Schule nicht fertig ist, müssen seine beiden Kinder jetzt einen langen Umweg auf sich nehmen.
Anwohnerin Nadine Lahme befürchtet, dass ihren Kindern nächstes Jahr dasselbe Schicksal bevorsteht: „Die Stadt hat das Leben hier als familienfreundlich beworben, das kann sie nicht einlösen.“ Mit Protestplakaten sind die Eltern in dieser Woche vor den Regionalausschuss Süderelbe am Neugrabener Markt gezogen.
Neugraben-Fischbek: Stadtteilschule wird nicht fertig
Was fehlt, ist die neue Stadtteilschule „In den Reethen“, denn das gesamte Quartier „Fischbeker Reethen“ nördlich der Bundesstraße 73 verzögert sich. Aus umweltrechtlichen Gründen musste der Bebauungsplan neu aufgestellt werden. Jetzt wird auch die Schule voraussichtlich erst 2029 fertig.
Für die Schüler der umliegenden Quartiere hat die Stadt eine Übergangslösung geschaffen: aktuell in den Räumlichkeiten einer ehemaligen katholischen Schule an der Cuxhavener Straße. Wegen der Bauverzögerungen muss die Stadtteilschule nächstes Jahr noch einmal an einen anderen Zwischenstandort umziehen.
Die Verzögerung schafft neue Probleme: Beim Wechsel von der vierten in die fünfte Klasse dürfen Familien regulär drei Wünsche für die weiterführende Schule angeben. In den meisten Fällen kann in Hamburg der Erstwunsch erfüllt werden (95 Prozent). Wenn aber die Erstwunschschule mehr Anmeldungen als Plätze hat, müssen einige Kinder an die Zweit- oder Drittwunschschule gehen. Wohin genau, entscheidet sich unter anderem nach der Länge des Schulwegs und ob bereits Geschwister auf die Schulen gehen.
Berechnung der Schulbehörde macht Schulweg weiter
Im Fall der Schule „In den Reethen“ berechnet sich die Entfernung zum Wohnort allerdings nicht am geplanten Endstandort der Schule für 2029, sondern am aktuellen Interimsstandort. Heißt: Kinder, die keinen Platz mehr in der Interims-Stadtteilschule bekommen und eigentlich nahe der Neubau-Schule (ab 2029) wohnen, müssen deutlich weiter fahren.
„Zum Zeitpunkt der Entscheidung für die Einschulung wird der Standort für die Berechnung der Schulwege zugrunde gelegt, an dem das Kind wahrscheinlich den überwiegenden Teil seiner Schulzeit verbringen wird“, sagt Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde auf MOPO-Anfrage.
124 Schüler gaben laut der Schulbehörde zum Jahr 2025/26 als Erstwunsch die Stadtteilschule „In den Reethen“ an. 96 Erstwünsche konnten erfüllt werden. Von den 28 Kindern, die nicht ihre Erstwunschschule bekommen haben, erhielten 23 eine Zusage für ihre Zweit- oder Drittwunschschule. „Die Schülerinnen und Schüler blieben Schüler der Stadtteilschule In den Reethen, unabhängig davon, wo sich gerade der Standort befindet“, sagt Albrecht.
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Die Eltern, die sich vor der Tür des Regionalausschusses versammelt haben, fordern, dass die Schulbehörde in Zukunft den Endstandort der Schule zugrunde legen soll und nicht den Ersatzstandort. Unterstützung erhalten sie aus der Lokalpolitik: Die Harburger Bezirksversammlung fordert die Behörde fraktionsübergreifend auf, die Interessen der Eltern zu berücksichtigen.