Schüsse auf Hamburger Buchhändler: Waren es die Hells Angels?
Wer bitte schießt mitten in Ottensen auf die Glasfront des bekannten Buchgroßhandels „Libri” und warum? Diverse Projektile hatten nachts die Scheiben durchschlagen. Jetzt gibt es einen Verdacht, und der führt tief ins Hamburger Rockermilieu.
Laut Polizei geschah die Tat an der Friedensallee am Montag gegen 3.30 Uhr. Bisher gäbe es angeblich keine heiße Spur, so die Ermittler. Doch eine plausible Erklärung für die ungewöhnliche Tat gibt es schon: nämlich einen brisanten Buchdruck bei Libri. Erst kürzlich gab Arash Ruja, früher Mitglied der Rockerbande Mongols, seine Memoiren heraus – als „Book on Demand“. Bei dieser Art der Veröffentlichung steht meist kein Verlag hinter dem Titel, sondern Privatpersonen lassen die Bücher auf eigenes Risiko produzieren. Der Titel: „Der Rache-Rocker“.
Ex-Mongol trägt in seinem Buch dick auf – und teilt gegen Hells Angels aus
Der 34-jährige Ruja trägt in dem Buch dick auf und schreibt: „Wie ich zum Albtraum einer Stadt und der Hells Angels wurde.” In einem Werbetext heißt es: „Wer in Arash Rujas Welt nicht kämpft, der hat verloren. Eine Geschichte, die unter die Haut geht. Drogenhandel, Zuhälterei, Motorradclubs – seine Welt war dunkel, seine Regeln brutal. Und weiter: „In eindringlicher Weise schildert Ruja seine Reise durch die tiefsten Abgründe der menschlichen Existenz.“
Arash Ruja war „Vize-Präsident“ der Mongols in Hamburg. Zwischen 2015 und 2016 legte er sich großspurig mit den örtlichen Platzhirschen in Hamburg, den Hells Angels, an. Er beleidigte deren Führungsfigur Dariusch F. aufs Übelste und stellte den Führungsanspruch der „Höllenengel” auf die Probe. In der Folge kam es zu Schießereien und brutalen Attacken, bei denen die Mongols den Kürzeren zogen.
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Im Sommer 2018 eskalierte die Situation. Ein unbekannter Täter verschaffte sich Zutritt zu Rujas Elternhaus in Schnelsen. Dort schoss er auf den Rocker und seine Freundin, verletzte beide schwer. Vorausgegangen war, dass Ruja einen hochrangigen Hells Angel in St. Georg angegriffen und ihm vor den Augen von dessen Kindern die Nase zertrümmert haben soll. Schließlich lösten die Mongols ihre Gruppe in Hamburg auf.
Doch Arash Ruja ließ im August 2018 einen Mordanschlag auf den hochrangigen Hells Angel Dariusch F. verüben. Ein für 10.000 Euro angeheuerter Bulgare schoss am Millerntorplatz auf den Rockerboss, der dort in seinem weißen Bentley an der roten Ampel wartete. Dariusch F. überlebte schwer verletzt. Arash Ruja verbüßt eine lebenslange Haftstrafe und schrieb das Buch in der Zelle. Das gefiel den Hells Angels vermutlich nicht …