Schon sieben tote Radfahrer dieses Jahr in Hamburg: Es gibt ein Unfall-Muster
Sieben Hamburger starben in diesem Jahr bereits bei Fahrradunfällen. Zuletzt starb eine Radfahrerin vor zwei Wochen bei einem Abbiegeunfall. Die MOPO hat sämtliche Unfälle dieses Jahres rekonstruiert – und ist dabei auf die immer gleichen Muster gestoßen: Deshalb verlieren so viele Radfahrer im Straßenverkehr ihr Leben.
Hamburg-Hamm, 24. Juli: Der tonnenschwere Lkw kommt erst mehr als 30 Meter nach der Kreuzung zum Stehen, wie eine Luftaufnahme des Unfallorts zeigt. Hinter ihm ein umgestürztes Fahrrad, auf dem wenige Sekunden zuvor noch eine 52-jährige Frau gesessen hat. Sie wollte geradeaus, den Radweg am Hammer Steindamm entlang, der Lkw-Fahrer aber nach rechts in die Sievekingsallee.
Der Laster erfasste die Radfahrerin und schleifte sie meterweit hinter sich her. Sie starb trotz Wiederbelebungsversuchen noch am Unfallort. Ein Leben ausgelöscht in einem einzigen Moment der Unaufmerksamkeit.
Die 52-Jährige ist bereits das siebte Todesopfer dieses Jahres. Während die Zahl der Radfahrerunfälle in Hamburg in den letzten Jahren stetig ansteigt – 2024 gab es zehn Tote, 2023 neun – lag die Zahl der Opfer von 2016 bis 2022 konstant zwischen zwei und vier.
Die meisten Unfälle passieren beim Abbiegen von Lkw. Allein in diesem Jahr starben drei Radfahrer bei solchen Unfällen. Bei neu zugelassenen Lkw sind inzwischen Abbiegeassistenten Pflicht, die Radfahrer rechtzeitig erkennen. Aber es gibt immer noch viele ältere Laster, die nicht nachgerüstet sind. Für einen hundertprozentigen Schutz können auch die modernen Assistenzsysteme nicht sorgen. Gefährlich sind eben nicht nur Abbiegeunfälle: Auch Ausfahrten, Radwege, die plötzlich enden, unebene Fahrbahnen oder missachtete rote Ampeln sind Risikofaktoren für Radfahrer – in solchen Situationen werden sie schnell übersehen und bezahlen das mit ihrem Leben, wie die sechs weiteren Fälle zeigen.
27. Mai 2025: Unfall trotz Abbiegeassistent
Hammerbrook, 27. Mai: Ein 53-jähriger Radfahrer kommt ums Leben, als ein Lkw abbiegt. Der Radler fährt auf der rechten Seite des Heidenkampswegs auf dem Radweg. Neben ihm ist ein 48-jähriger Lkw-Fahrer unterwegs. An der Ampel am Bullerdeich biegt der Lkw nach rechts ab, und obwohl sein Fahrzeug über einen funktionstüchtigen Abbiegeassistenten verfügt, übersieht er den Radfahrer.
Der 53-Jährige stürzt und wird, lebensgefährlich verletzt, in ein Krankenhaus gebracht. Bei dem Unfall ist ihm ein Bein abgetrennt worden. Fünf Tage später erliegt er seinen Verletzungen.
10. April 2025: Frau fährt bei Rot über die Ampel
Langenhorn, 10. April: Eine 90-jährige Fahrradfahrerin will die Langenhorner Chaussee an einer Ampel kurz vor dem Stockflethweg überqueren. Laut Polizei fährt sie einfach über die Straße, obwohl die Ampel Rot anzeigt.
Ein 40-jähriger Toyota-Fahrer auf der Langenhorner Chaussee kann nicht rechtzeitig bremsen und touchiert die 90-Jährige, die daraufhin stürzt. Sie bleibt regungslos am Boden liegen. Passanten leisten Erste Hilfe, bis ein Krankenwagen sie schließlich mit lebensgefährlichen Verletzungen ins UKE bringt. Wenige Tage später stirbt die Seniorin im Krankenhaus.
29. März 2025: Radweg endet — Transporter übersehen
Wilhelmsburg, 29. März: Eine 32-jährige Radfahrerin fährt auf einem abgetrennten Radweg auf der rechten Seite des Ellerholzwegs. Am Ende des Radweges muss sie mit ihrem Rennrad auf die Autospur wechseln. Dabei übersieht die Frau einen vorfahrtsberechtigten Transporter.
Die Radfahrerin stürzt und erleidet eine lebensgefährliche Kopfverletzung. Rettungskräfte bringen sie in eine Klinik, in der sie wenige Stunden später stirbt.
4. März 2025: Siebenjähriger überrollt
Volksdorf, 4. März: Der siebenjährige Julius ist gerade auf dem Weg zur Schule, fährt den Streekweg entlang, durch ein ruhiges Wohngebiet. Der Vater vorneweg, Julius hinterher.
Zeitgleich fährt ein Müllwagen die Straße Horstlooge entlang und biegt dann nach rechts in den Streekweg ein. Der 25-jährige Fahrer übersieht den kleinen Jungen offenbar komplett. Er überrollt ihn mit dem Müllwagen, in dem laut Polizei kein Abbiegeassistent verbaut ist. Vermutlich hat der Fahrer den von links kommenden Verkehr im Blick gehabt. Julius ist sofort tot.
10. Januar 2025: 21-Jähriger achtet nicht auf den Verkehr
Finkenwerder, 10. Januar: Ein 21-jähriger Radfahrer kommt mit seinem Pedelec aus einer der Sackgassen am Finkenwerder Norderdeich, die zu verschiedenen Wohnhäusern führen. Dabei achtet er laut Polizei nicht auf den Verkehr auf der Straße.
Ein 57-Jähriger fährt währenddessen den Finkenwerder Norderdeich entlang. Er sieht den jungen Radfahrer zu spät und erfasst ihn mit seinem Mercedes. Der 21-Jährige erleidet lebensgefährliche Verletzungen. Rettungskräfte müssen ihn bereits auf dem Weg ins Krankenhaus wiederbeleben. Vier Tage später stirbt er in der Klinik.
9. Januar 2025: Sturz aus ungeklärter Ursache
Billstedt, 9. Januar: Das Jahr ist kaum eine Woche alt, da ist ein 72-jähriger Mann mit seinem Rad auf der Billstedter Straße unterwegs. Plötzlich strauchelt er, kommt aus ungeklärter Ursache zu Fall – ohne jegliche Fremdeinwirkung.
Er verletzt sich schwer am Kopf. Rettungskräfte bringen den Mann in ein Krankenhaus. Kurz darauf stirbt er.