Schluss mit Tütensuppe: Hamburg startet Ernährungs-Offensive

Grundschule Lämmersieth
Schulsenator Ties Rabe (SPD), Köchin Sarah Wiener und Barmer-Chef Christoph Straub schauen, was die Kinder gekocht haben.

Schnibbeln, rühren, abschmecken – ganz aufgeregt sind die Erstklässler der Grundschule Lämmersieth in Barmbek an diesem Freitagmorgen. Mit der Initiative „Ich kann kochen!“ haben sie viel über gesunde Ernährung gelernt und dürfen das heute besonderen Gästen zeigen. Schulsenator Ties Rabe (SPD) und die Gründerin der Initiative, Star-Köchin Sarah Wiener, sitzen mit am Tisch. Das Treffen hat einen ernsten Hintergrund: Zu Hause lernen immer weniger Kindern richtig kochen. Als neuer Genussbotschafter will Rabe das ändern und erzählt von einem persönlichen „Schock-Erlebnis“ mit Tütensuppen.

„Ich mag am Kochen gern das Schneiden und Umrühren“, sagt der sechsjährige Stanislaw. Insgesamt sechs Erstklässler haben mit Gesundheitsfachkraft Stephanie Bernecker heute Couscous-Salat mit Joghurtdip und dazu Eistee zubereitet. Dafür gibt es ein großes Lob von ihren Gästen. Denn dass Kinder lernen, wie ihr Essen auf den Teller gelangt und welche Zutaten gesund sind, ist nicht selbstverständlich.

Kinder kämpfen mit Übergewicht

10.700 Kinder in Hamburg erhielten laut einer Auswertung der Barmer-Krankenkasse im Jahr 2021 die Diagnose Adipositas – Fettleibigkeit. Mit schwerwiegenden Folgen: „Die Zugänglichkeit von Essen mit viel Fett und viel Zucker zu jeder Zeit, in Verbindung mit mangelndem Wissen, führt dazu, dass Diabetes Typ zwei heute schon eine Krankheit des Kindes- und Jugendalters ist“, sagt Barmer-Chef Christoph Straub. Für diese Kinder sei es im Erwachsenenalter schwer ein gesundes Leben zu führen.

Stanislaw
Stanislaw (6) lernt mit „Ich kann kochen!“, wie er selbst gesunde Gerichte herstellen kann.

Die Initiative „Ich kann kochen!“, gegründet von der Sarah Wiener Stiftung und der Barmer, will das ändern. Pädagogische Fachkräfte werden kostenfrei zu Genussbotschaftern ausgebildet, die Kindern an Schulen oder Kitas gesunde Lebensmittel und das Kochen zeigen. In Hamburg gibt es die Initiative bereits an einem Drittel aller Grundschulen.

Hamburgs Schulsenator und die Tütensuppen

Senator Ties Rabe wird an diesem Tag zum Botschafter der bundesweiten Ernährungsinitiative ernannt. „Als ich noch Lehrer war, da war es in der 5. Und 6. Klasse in Mode als Pausenbrot eine Tütensuppe mitzubringen und mit dem nassen Finger das Pulver zu essen“, sagt Rabe. „Ich bin auch nicht dafür bekannt, dass ich mich nur von Gemüse ernähre, aber das war schon ein Schock-Erlebnis und es zeigt, wie sich Ernährungsgewohnheiten verschieben.“ Die Initiative passe gut zu dem Aufgabengebiet „Gesundheitsförderung“, dass in den neuen Bildungsplänen im kommenden Schuljahr eingeführt wird.

Ties Rabe
Schulsenator Ties Rabe (SPD) schenkt der Grundschülerin Zawadi ein Glas Eistee ein.

„Als Kind lernen wir, was uns schmeckt“, sagt Stiftungsgründerin Sarah Wiener. „Wenn Kinder daher in Kitas und Grundschulen Lebensmittel mit allen Sinnen entdecken, gemeinsam Spaß haben und kreativ werden, dann sind das wertvolle Erfahrungen, die sie ihr Leben lang prägen und ihnen helfen.“

Werbeverbot für ungesunde Lebensmittel geplant

Im Bund plant unterdessen Ernährungsminister Cem Özdemir (Grüne) ein Werbeverbot für ungesunde Kinder-Lebensmittel mit zu viel Zucker, Fett oder Salz (MOPO berichtete). Was halten Senator Rabe und Köchin Wiener davon? Die Debatte über die Einschränkung von Werbung halte er für wichtig, sagt Rabe. „Aber wir sehen auch an anderen Werbeverboten wie für Zigaretten, dass sich die Hoffnung, die dahinter steht, nicht unbedingt realisiert.“

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Allein eine Werbeeinschränkung erzeuge keine gesunden Kinder, sagt Wiener. „Aber ich denke, es kann ein nützlicher Baustein sein.“ Sie würde gern noch weiter gehen: „Wir müssen nicht nur die Symptome behandeln, sondern auch die Ursachen und gerade Kinder-Nahrungsmittel gesünder produzieren.“

Schnibbeln, rühren, abschmecken – ganz aufgeregt sind die Erstklässler der Grundschule Lämmersieth in Barmbek an diesem Freitagmorgen. Mit der Initiative „Ich kann kochen!“ haben sie viel über gesunde Ernährung gelernt und dürfen das heute besonderen Gästen zeigen. Schulsenator Ties Rabe (SPD) und die Gründerin der Initiative, Star-Köchin Sarah Wiener, sitzen mit am Tisch. Das Treffen hat einen ernsten Hintergrund: Zu Hause lernen immer weniger Kindern richtig kochen. Als neuer Genussbotschafter will Rabe das ändern und erzählt von einem persönlichen „Schock-Erlebnis“ mit Tütensuppen.