Schluss mit Einwegmüll: Warum Hamburg von Experten gelobt wird

Einwegverpackungen haben in der Pandemie sogar zugenommen. Umweltschützer fordern ein strikteres Eingreifen der Städte (Symbolbild).
Einwegverpackungen auf einem Mülleimer (Symbolbild)

Ein Kaffee im To-Go-Becher, eine Pizza im Karton, ein Salat in der Papp-Schüssel – nach dem kurzen Genuss bleibt häufig nur eines übrig: Müll. Einwegverpackungen sind im Gastrobereich für viele nicht wegzudenken und wurden in der Pandemie sogar noch häufiger gebraucht. Von der „Deutschen Umwelthilfe“ bekommt Hamburg trotzdem ein Lob. Was steckt dahinter?

Nur einmal benutzt und schon entsorgt: 350 Millionen Einwegverpackungen könnten dem Verein „Deutsche Umwelthilfe“ (DUH) zufolge allein in Hamburg eingespart werden – wenn konsequent Mehrwegbehälter und -geschirr benutzt würden. Das hieße immerhin 11.040 Tonnen CO2 und 3810 Tonnen Abfall weniger. In ganz Deutschland könnten sogar 2,5 Milliarden solcher Einwegverpackungen vermieden werden, schätzt die DUH.

Müll: Stadt Hamburg verzichtet weitgehend auf Einweggeschirr

Zwar müssen Gastrobetriebe ab Januar 2023 per Bundesgesetz Mehrweg-Alternativen anbieten, das Essen weiterhin auch in Einwegverpackungen verkaufen dürfen sie aber trotzdem. Deshalb hat die DUH nun mehr als 200 deutsche Städte aufgefordert, sich endlich stärker gegen Einweg einzusetzen.

Die Stadt Hamburg bekam aber keinen der mahnenden Briefe, sondern wird sogar gelobt. Denn gemäß dem „Leitfaden für umweltverträgliche Beschaffung“ kauft sie keine Getränke in Einwegflaschen oder Einweggeschirr fürs Catering oder städtische Kantinen mehr. Auch Kaffeemaschinen mit Kapseln sind tabu.

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Sogar der Nabu Hamburg ist zufrieden. „Wir können natürlich nicht überprüfen, ob sich jede Stelle zu jeder Zeit auch immer daran hält und wie es sich mit den Ausnahmen verhält, aber der formulierte Anspruch ist lobenswert“, sagt der Referent für Umweltpolitik Jonas Voß. Auch die aktuelle Info-Kampagne „Einfach Mehrweg“ begrüßen die Naturschützer. Luft nach oben gebe es aber trotzdem. Etwa, indem man in den städtischen Kantinen den Anteil der Bio-Produkte erhöht und den Fleischkonsum reduziert.

Gastro in Hamburg: Stadt setzt auf Poolsysteme

Die Behörde will zunächst sicherstellen, dass auch bei Veranstaltungen auf öffentlichem Boden ausschließlich Mehrwert benutzt wird und die Regelung anpassen. Der DUH zufolge könnten Städte aber noch mehr tun – und zum Beispiel Gastronomen beim Umstieg auf Mehrweg finanziell unter die Arme greifen.

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Das hält die Hamburger Umweltbehörde aber nicht für notwendig. Denn die Stadt setzt vor allem auf Poolsysteme mit Pfand. Wie beim „Recup“-Kaffeebecher, den es schon vielerorts in Hamburg gibt, können Kunden so einen Pfandbehälter leihen und ihn beim nächsten teilnehmenden Café wieder abgeben. Die Gastronomen müssten dafür entweder nur das Pfand vorstrecken oder Gebühren zahlen, die mit der Anschaffung von Einmalverpackungen verglichen werden müssten, sagt Behördensprecherin Renate Pinzke. „Hier sind Mehrweg-Lösungen für die Gastronomie häufig sogar wirtschaftlich.“

Werden Einwegverpackungen teurer? Rechtlich umstritten

Dass Einwegverpackungen durch eine kommunale Steuer teurer werden, darauf müssen sich Hamburger:innen aber künftig wohl nicht einstellen. Pinkze verweist auf MOPO-Nachfrage darauf, dass ein solcher Versuch in Tübingen im März vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg kassiert wurde. Ganz vom Tisch ist das Thema aber noch nicht: Die Stadt Tübingen hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Wenn es nach dem Naturschützer Voß ginge, könnte Hamburg noch etwas gegen den Verpackungsmüll tun: die Unverpacktläden fördern. „Denn die beste Verpackung ist die, die man gleich komplett vermeiden kann.“

Ein Kaffee im To-Go-Becher, eine Pizza im Karton, ein Salat in der Papp-Schüssel – nach dem kurzen Genuss bleibt häufig nur eines übrig: Müll. Einwegverpackungen sind im Gastrobereich für viele nicht wegzudenken und wurden in der Pandemie sogar noch häufiger gebraucht. Von der „Deutschen Umwelthilfe“ bekommt Hamburg trotzdem ein Lob. Was steckt dahinter?