Schlendern statt scrollen: Wie eine Hamburgerin durch Spaziergänge Frauen verbindet

Kimberly Bülow
Kimberly Bülow (29) hat die „Hamburg Girls Talking & Walking“ in die Hansestadt gebracht.

Während Kinder in Kita und Schule spielend neue Kontakte knüpfen, tun sich viele Erwachsene damit schwer – besonders in Zeiten, in denen Chats echte Gespräche verdrängen. Eine Hamburgerin will das ändern – zumindest für Frauen: Für sie organisiert Kimberly Bülow regelmäßige Spaziergänge, Buchclubs und Dinners. Ihr Ziel: Echte Begegnungen statt digitaler Distanz schaffen.

Kimberly Bülow (29) ist eigentlich studierte Betriebswirtin. Im Februar 2024 stößt sie – ausgerechnet auf Instagram – auf eine Idee, die sie begeistert: „Ich habe ein Reel der ‚Munich Girls Talking & Walking‘ gesehen und gedacht, das wäre total cool, wenn wir das auch in Hamburg hätten.“ Nach einem Austausch mit der Münchner Gründerin bringt sie das Projekt in die Hansestadt.

Neu in Hamburg – und einsam

Das Konzept ist einfach: Alle zwei Wochen treffen sich Frauen an wechselnden Orten in Hamburg und gehen gemeinsam spazieren. Ob entlang der Alster, am Winterhuder Kai oder durch den Stadtpark – das Ziel bleibt dasselbe: statt endlosem Scrollen am Handy lieber echte Begegnungen schaffen: „Für Personen im Erwachsenenalter ist es super schwierig, neue Freundschaften zu knüpfen, Anschluss zu finden, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen“, sagt Bülow dazu. Wie verbreitet Einsamkeit inzwischen ist, zeigen Umfragen der Bertelsmann Stiftung: Laut einer Erhebung aus dem Jahr 2024 fühlt sich knapp die Hälfte der 16- bis 30-Jährigen einsam.

Spaziergängerinnen
Die „Hamburg Girls Talking & Walking“ bei einem Spaziergang am Winterhuder Kai.

Auch das war ein Anstoß, die Aktion ins Leben zu rufen – wenn auch nicht der einzige. „Wir haben viele Menschen dabei, die einsam sind, aber ganz häufig sind auch einfach Frauen dabei, die gerade für einen Ausbildungsplatz, Studienplatz, für den Job frisch nach Hamburg kommen und sich einfach Anschluss wünschen. Wir sind da sozusagen die Plattform und schaffen ein niedrigschwelliges Angebot – ohne Anmeldung, kostenfrei, wenn es einem nicht gefällt, kann man am nächsten Busch wieder rechts abbiegen.“

„Es entstehen echte Freundschaften“

Doch das passiert nicht – die Resonanz ist durchweg positiv: Zu den Spaziergängen kommen regelmäßig 20 bis 40 Frauen. Bülow freut das: „Das Schönste an dem Projekt ist zu sehen, dass Menschen, die sich vor einer Stunde noch nicht kannten, Telefonnummern tauschen, im Kontakt bleiben. Es entstehen echte Freundschaften. Menschen, die sich sonst nie kennengelernt hätten – da unterstützen zu können, bereitet mir viel Freude.“

Mit der Zeit hat sich „Hamburg Girls Talking & Walking“ weiterentwickelt – zu einem echten Social Club für Frauen. Neben den Spaziergängen gibt es nun regelmäßig gemeinsame Dinners, Treffen zum Keramik bemalen und auch einen monatlichen Buchclub – fern von der digitalen Welt. „Es geht auch darum, die Leute in die Realität zurückzuholen und echte Interaktionen stattfinden zu lassen“, sagt die Hamburgerin.

„Hamburg Girls Talking & Walking“: Safespace für Frauen

Und warum sind Männer ausgeschlossen? „Wir möchten gerne ein Safespace sein“, so Bülow. „Wir Frauen haben ja auch einfach nochmal andere Themen, die man vielleicht nicht so gut ansprechen könnte, wenn Jungs oder Männer dabei sind.“ Eine Altersgrenze gibt es aber nicht: „Von 18 bis 99, wir sind total offen für ein bunt gemischtes Alter.“ Von dem Austausch mit Frauen anderer Generationen könne man zudem viel lernen.

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Hamburg und München sind mit ihrer Idee übrigens längst nicht allein: Inzwischen gibt es ähnliche Spazierformate für Frauen in den meisten größeren Städten Deutschlands.

Während Kinder in Kita und Schule spielend neue Kontakte knüpfen, tun sich viele Erwachsene damit schwer – besonders in Zeiten, in denen Chats echte Gespräche verdrängen. Eine Hamburgerin will das ändern – zumindest für Frauen: Für sie organisiert Kimberly Bülow regelmäßige Spaziergänge, Buchclubs und Dinners. Ihr Ziel: Echte Begegnungen statt digitaler Distanz schaffen.