Schimmel, Wasserschäden, Ratten: „Ohne unsere Hilfe wäre die Nachbarin verhungert!“

Zwei Männer und drei Frauen stehen zusammen vor einem Hochhaus.
Bewohner:innen der Grindelhochhäuser (v.l.): Vesna B., Michael D., Mette T., Jürgen D. und Julia S.

Wasserrohrleckagen, defekte Aufzüge, Schimmelbefall, Rattenplagen – die Mieterinnen und Mieter der denkmalgeschützten Grindelhochhäuser sind so einiges gewohnt. Schäden werden über Wochen, gar über Monate nicht repariert, oft gibt es auf eine Schadensmeldung nicht einmal eine Reaktion. In ihrer Not wandte sich eine Gruppe entnervte Grindel-Mieter:innen jetzt an die MOPO.

So berichtet Jürgen D. aus der Brahmsallee 19 von einer Leckage nach einem Heizungsaustausch in der Wohnung, die über seiner liegt, im vergangenen Dezember. Obwohl der Schaden der SAGA sofort über ihre Notrufnummer gemeldet worden sei, habe es Tage gedauert, bis der Wasserausfluss gestoppt wurde. Die Folge: Sein Bad sei durch den Wasserschaden total verwüstet gewesen, Tapeten hatten sich abgelöst, die durchfeuchteten Wände seien massiv von Schimmel befallen worden.

Service-Portal hat direkten SAGA-Ansprechpartner ersetzt

„Über Monate habe ich die SAGA über ihr Service-Portal immer wieder erfolglos aufgefordert, die Schäden zu beseitigen“, erinnert sich der 69-jährige Journalist. Erst als er ein halbes Jahr später die Mietzahlungen aussetzte, sei es „auf einmal ganz schnell gegangen“ und alle Schäden seien „binnen von zwei Wochen“ beseitigt worden. Die SAGA „bedauert“ auf Anfrage die „Verzögerung bei der Behebung“ der Leckage-Folgen und räumt ein: „Solche Schäden müssen schneller behoben werden.“

Knapp 3500 Menschen leben in den zwölf zwischen 1946 und 1956 gebauten Hochhäusern, von denen zehn der SAGA gehören. Der Komplex wurde in den 90er Jahren für 75 Millionen Euro aufwendig renoviert, doch das ist lange her. Immer wieder gibt es Probleme, die nicht zeitnah behoben werden. „20 Jahre lief alles gut, wir hatten eine direkte, gut erreichbare Ansprechpartnerin, die einen tollen Job gemacht hat“, trauert Jürgen D. der Vergangenheit nach.

Defekter Fahrstuhl: Bewohnerin in Not

Seit 2020 aber müssen die Mieter:innen Schäden auf dem Internet-Portal „Meine SAGA“ melden, erhalten zwar eine Eingangsbestätigung, danach aber herrsche meist Funkstille. „Es gibt niemanden mehr, den man direkt ansprechen kann und der sich zuverlässig um Lösungen kümmert“, beklagt Jürgen D. „Die Kommunikation werden wir in künftigen Fällen verbessern“; verspricht die SAGA nun: Ab Januar wolle man den Bewohner:innen 14-tägige Sprechstunden anbieten.

Die Grindelhochhäuser
Defekte Aufzüge, Schimmel, Ratten: Mieter der Grindelhochhäuser sind Kummer gewohnt.

Für eine schnelle Behebung akuter Schäden aber dürfte dieses Intervall kaum reichen. So fällt in der Brahmsallee 39 der in die Jahre gekommene Fahrstuhl immer wieder über Tage aus, berichtet die 33-jährige Mieterin Julia S. Ersatzteile für eine vernünftige Reparatur des museumsreifen Lifts, räumt die SAGA ein, hätten „längere Lieferzeiten“. Im November stand der Lift deshalb fast zwei Wochen still. „Allein auf der sechsten Etage leben vier gehbehinderte Personen, eine davon Rollstuhlfahrerin, die ohne Lift in ihrer Wohnung gefangen ist“, berichtet der Brahmsallee-Mieter Michael D. Vesna B., die im selben Haus lebt, ergänzt: „Wir Nachbarn mussten für die über 80-jährige Frau mehrfach einkaufen, damit sie nicht verhungert.“

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Die SAGA teilte ihren Mieter:innen zwar mit, sie könne deren „Unmut nachvollziehen“ und prüfe, „inwieweit ein zeitnaher Austausch und Einbau eines neuen Aufzugs realisierbar ist“. Wann dieser stattfinden soll, aber steht in den Sternen.

Ratten, Schimmelbefall – Mieter:innen verzweifelt

Doch damit nicht genug: Seit Frühjahr dieses Jahres gab es mehrere Rattenplagen auf dem Gelände. Das komme daher, sind sich die Mieter:innen einig, dass das von der SAGA beauftragte „Müllmanagement“ die von ihm gerade entleerten Abfalltonnen nicht wieder verschließt, was die Nager magisch anzieht. Wieder geschah über Monate nichts. Erst als mehrere Mietparteien das Gesundheitsamt informierten, tilgte ein massiver Gift-Einsatz kurzfristig die Plage. Da die Mülltonnen aber weiterhin offenstehen, tummelt sich inzwischen die nächste Rattengeneration auf dem Grindelgelände. „Die SAGA wird weiterhin alles Notwendige tun, hier entgegenzuwirken“, verspricht der Wohnungskonzern, ohne auf das Problem der offen stehenden Abfalltonnen einzugehen.

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Zudem sind viele Wohnungen von Schimmel befallen, auch die von Mette T., die in der Oberstraße 16 lebt. Eine befreundete Bauingenieurin erklärte der 51-jährigen Lehrerin, dass die marode Außenfassade des Hauses komplett saniert und gedämmt werden müsse, um den Schimmel in den Griff zu bekommen. Der Hausmeister habe erklärt, berichtet die genervte Mieterin, der Schimmel komme daher, „dass sie wohl zu viele Möbel in ihrer Wohnung“ habe. Auch die SAGA betont nach Rücksprache mit dem Hausmeister, dass sich die Schimmelbildung „klar auf das Wohnverhalten der Mietpartei zurückführen lässt“, und lässt es dabei bewenden.

Bewohner beklagen mangelnden Winterdienst

Weil der Winterdienst weder die Außentreppen der SAGA-Häuser noch die angrenzenden Gehwege regelmäßig von Schnee und Eis befreit, wie mehrere Mieter:innen übereinstimmend beklagen, stürzte ein 56-jähriger Hausbewohner im vergangenen Winter in seinem Hauseingang an der Brahmsallee so schwer, dass er einen dreifachen Fußbruch erlitt. Die SAGA hingegen betont, dass der Winterdienst vorschriftsmäßig erfolge. Vor allem für die älteren Bewohner:innen des Hochhaus-Ensembles eine wenig zufriedenstellende Antwort: Sie fürchten sich nun schon vor Rutschpartien in den kommenden Wochen.