SAGA will hübsche Siedlung mit 176 Wohnungen abreißen – Mieter entsetzt
Die SAGA will in Billstedt eine ganze Reihenhaus-Siedlung abreißen und hat von der Politik bereits grünes Licht dafür bekommen. Die Neubauten sollen bis zu acht Geschosse haben. Viele langjährige Mieter sind entsetzt, so wie Uwe Everding-Böhm (71), der schwer krank ist und seit mehr als 30 Jahren dort wohnt.
Zusammenfassung:
- Die SAGA plant, eine Reihenhaus-Siedlung in Billstedt abzureißen und durch Neubauten mit bis zu acht Geschossen zu ersetzen.
- Die Entscheidung basiert auf ökonomischen Gründen, um langfristige Vertriebsfähigkeit zu gewährleisten, so das Unternehmen.
- Langjährige Mieter wie Uwe Everding-Böhm sind entsetzt über den Abriss, da sie an ihren Wohnorten hängen und die gewachsene Nachbarschaft schätzen.
Es ist ein beschauliches kleines Quartier mit Mietshäusern, die für Billstedt recht untypisch sind. Denn es handelt sich um keine hohe Bebauung, sondern um etwa 70 Reihenhäuser plus ein paar vierstöckige Gebäude. Alles hübsche, gelb geklinkerte Häuschen in einer großzügigen Gartenanlage mit hohen Bäumen nahe der U-Bahn-Station Merkenstraße.
Genau diese grüne, luftige Gestaltung und die kleinen Häuschen sind der Grund, warum die Siedlung bei der SAGA in den Fokus geraten ist. Denn das städtische Wohnungsunternehmen sieht hier viel Potenzial für eine Verdichtung – und das auch noch auf einer eigenen Fläche, so dass sie kein Grundstück erwerben muss. „Unser Ziel ist es, auf eigenen Grundstücken und in zentraler Lage rund doppelt so viel Wohnfläche zu schaffen“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens.
SAGA reißt ganze Siedlung an Merkenstraße Billstedt ab
So soll statt einer Nachverdichtung die gesamte Siedlung mit ihren 176 Wohnungen abgerissen werden, und dafür entstehen dann laut SAGA 300 neue Wohnungen mit sieben bis acht Geschossen an der Möllner Landstraße und vier Geschossen an Cottaweg und Merkenstraße. Gebaut werden überwiegend öffentlich geförderte Wohnungen, plus eine dreigeschossige Quartiersgarage mit 100 Parkplätzen. Noch in diesem Jahr sollen möglichst alle Mieter umziehen, Baubeginn ist voraussichtlich 2029.
Somit muss die SAGA dann die 50er-Jahre-Häuschen nicht aufwendig sanieren, was demnächst anstehen würde. „Eine Modernisierung hätte zu unverhältnismäßig stark steigenden Mieten geführt und gleichzeitig keine positiven Effekte auf die Wohnungsgrößen, Grundrisse und die Barrierefreiheit gehabt“, so argumentiert das Unternehmen.
In einer Senatsanfrage der Linken-Bürgerschaftsabgeordneten Heike Sudmann werden die zentralen Beweggründe der SAGA sehr deutlich. So erklärt das Unternehmen, es würde ökonomische, ökologische und soziale Faktoren gegeneinander abwägen. Das Ergebnis? Ökologisch wäre eine Modernisierung vorzuziehen. Doch ökonomisch ist der Neubau sinnvoller und das hat am Ende überwogen. So sei etwa die „langfristige Vertriebsfähigkeit“ beim Neubau viel besser.
Die Mieter sollen nun alle umziehen und erhalten ein Rückkehrrecht – die Maßnahme zieht sich allerdings etliche Jahre hin. Eine Umquartierung wäre laut SAGA allerdings auch bei einer Modernisierung der Gebäude nötig gewesen. Für viele der Menschen, die hier seit Jahrzehnten gern leben, eine erschütternde Nachricht. „Ich wohne hier seit 30 Jahren, mein Nachbar sogar schon seit 1961“, sagt Uwe Everding-Böhm.
Mieter wollen nicht aus SAGA-Reihenhäusern ausziehen
Der 71-Jährige lebt mit seiner Frau Britta Everding in einem hübschen Reihenhaus mit Garten. Für den Mann, der gerade viele Krebs-Operationen über sich ergehen lassen musste, ist seine Wohnung eine sichere Zuflucht. „Ich möchte die letzten Tage meines Lebens hier verbringen“, sagt er. Hier, wo er sich jahrelang engagiert hat, beim „Kultur Palast“ oder in der Kirche und als Leiter der Senioren-Sportgruppe. Er hängt auch an seinem Garten, in dem er die für ihn heute so nötige Ruhe genießt, wo er die Vögel, Igel und Insekten beobachten kann.
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Everding-Böhm, der sich selbst bei den Linken engagiert, ist von der Politik enttäuscht. Mehrheitlich sollen die Parteien (außer der Linken) hinter verschlossenen Türen im Unter-Bauausschuss in Billstedt für den Abriss gestimmt und der SAGA den Weg für den Abriss freigemacht haben. „Ohne vorher auch nur einmal mit den Menschen hier zu sprechen.“
„Wenn alles abgerissen werden muss, was alt und klein ist und keine modernen Grundrisse hat, dann müsste ja die halbe Stadt weggerissen werden“, so Böhm. „Hamburg muss doch seine Lebensqualität auch behalten, man kann nicht alles nachverdichten, bis alles ein einziger Moloch ist.“
Dabei würden dann auch noch wie in diesem Fall gewachsene Nachbarschaften vernichtet und ökologische Nischen plattgemacht. „Diese starke Nachverdichtung mit bis zu acht Geschossen wird doch auch nur in sozial schwächeren, ärmeren Stadtteilen vorgenommen“, ärgert sich der engagierte Rentner.